Familie und Beruf Überforderte Doppelverdiener

Der Mann schafft das Geld ran, die Frau kümmert sich um Kind und Haushalt - die Zeiten sind vorbei? Von wegen! Paare mit Kindern sind einer Studie zufolge zufriedener, wenn der Mann arbeiten geht und die Frau nicht. Doppelverdiener-Familien leiden aus mehreren Gründen.

Von Corinna Nohn

Junge Frauen und Männer gehen heute selbstverständlich davon aus, dass sie in Beruf und Partnerschaft gleiche Chancen und Rechte haben, und sie wollen sich die Arbeit teilen. Aber die, denen das gelingt, werden oft unglücklich: Denn Frauen, die nicht arbeiten, sind zufriedener mit ihrem Leben als erwerbstätige Frauen. Und Eltern, die beide gleichermaßen arbeiten und sich um Kind und Haushalt kümmern, sind unzufriedener als solche, die traditionellen Rollenmustern mit einem männlichen Hauptverdiener folgen. Das geht aus einer Studie des Roman-Herzog-Instituts hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt und sich der Frage widmet: "Wie viel Familie verträgt die moderne Gesellschaft?" Das Institut wird von den bayerischen Arbeitgeberverbänden getragen.

Die Familienökonomin Susanne Seyda vom Institut für Wirtschaft in Köln, die an der Studie mitgewirkt hat, sagt: "Die Unzufriedenheit erwerbstätiger Frauen hat mich auch sehr überrascht." Denn bei Männern ist es genau andersherum. Männer in egalitären Partnerschaften kreuzten auf die Frage "Wie zufrieden sind Sie, gegenwärtig, alles in allem, mit Ihrem Leben?" auf einer Skala von eins bis zehn niedrigere Werte an als Väter im Alleinverdiener-Modell. Dabei befürworten in Umfragen eigentlich viele Paare eine gleichberechtigte Aufteilung, und etwa jede fünfte Mutter mit unter fünf Jahre alten Kindern wünscht sich, dass beide Vollzeit arbeiten. Auch von der Politik wurde die gleichberechtigte Elternschaft als gewollt gesehen und erleichtert. So können seit den neunziger Jahren auch Väter drei Jahre Elternzeit nehmen; im Jahr 2007 kam das Elterngeld hinzu.