Einstieg in die Arbeitswelt Wie Eltern ihre Kinder bei der Berufswahl unterstützen können

Der Großteil der Jugendlichen sieht die Eltern als wichtigste Ratgeber bei der Berufswahl.

(Foto: Mr. Nico / photocase.com)

Was will ich werden? Diese Frage beschäftigt nicht nur Jugendliche kurz vor dem Schulabschluss, sondern auch deren Eltern. Informationen und Tipps für eine wichtige Lebensphase.

Von Sarah Schmidt

Für Jugendliche ist es der erste Schritt ins Arbeitsleben, für ihre Eltern die letzte große Aufgabe, bevor das Kind erwachsen wird: die Berufswahl. Was soll ich werden? Diese große Frage beschäftigt natürlich vor allem die Jugendlichen, um deren Zukunft es schließlich geht. Doch auch viele Eltern sind unsicher, wie sie ihre Kinder unterstützen können. Wie viel Kümmern und Druck ist gut, wie viel schädlich? Wie soll man sich überhaupt zurechtfinden in der Flut an Ausbildungen, Studiengängen und Jobmöglichkeiten?

In dieser letzten Phase, bevor Sohn oder Tochter sich vollends abnabeln und ins Erwachsenenleben starten, steigt in vielen Familien noch einmal die Anspannung. Gegenseitige Erwartungen kommen auf den Tisch, das Eltern-Kind-Verhältnis ist im Umbruch. Die abklingende Pubertät tut das Übrige.

Dabei ist es besonders wichtig, das Thema Berufswahl aktiv und positiv zu gestalten. Immer wieder zeigen Studien, wie wichtig Jugendlichen der Rat ihrer Eltern bei der Berufswahl ist - auch wenn Mutter und Vater in anderen Lebensbereichen schon lange nichts mehr zu melden haben.

Wir haben typische Elternfragen und -meinungen gesammelt und Berufsberater um ihre Einschätzung gebeten.

"In der Schule bekommt mein Kind doch schon alle möglichen Angebote. Was soll ich als Vater denn da jetzt noch beitragen?"

Ob sie nun wollen oder nicht - Eltern beeinflussen in jedem Fall die Berufswahl ihrer Kinder. "Sie sind die ersten, über die Kinder mit dem Thema Arbeit in Kontakt kommen", sagt Sabine Gärtner, Beraterin bei der Einstieg Studien- und Berufsberatung. "Erzählen Sie von Ihrem Job", empfiehlt die Diplom-Pädagogin. "Sprechen Sie mit Ihren Kindern darüber, was Sie den ganzen Tag so machen, was Sie an Ihrem Beruf mögen, worüber Sie sich heute geärgert haben."

Auch Sibylle Riese, Berufsberaterin für junge Erwachsene bei der Arbeitsagentur Hamm, betont, wie wichtig es ist, das Thema Berufswahl offen anzusprechen. Der Satz "Das musst du selbst entscheiden" vermittle bei Kindern hingegen das Gefühl, diese wären mit ihren Fragen und Problemen alleingelassen. "Eltern können Anregungen geben, Vorschläge machen, Fragen stellen - aber sie können sich letztlich gar nicht 'raushalten'", so Riese.

"Wann müssen wir in der Familie denn anfangen, uns mit dem Thema Berufswahl zu beschäftigen?"

"Letztlich fängt Berufswahl schon im Kindergarten und Grundschule an, indem Begabungen ausgebaut werden und auch immer wieder Bezug zur Berufswelt hergestellt wird", sagt Sibylle Riese. Auch Sabine Gärtner sieht das Ganze als einen laufenden Prozess. "Im Idealfall ist die Berufswahl immer wieder Thema - dann kann ganz locker auch mal am Frühstückstisch darüber gesprochen werden, was Sohn oder Tochter werden wollen."

Stressiger wird es, wenn das Ende der Schulzeit näher rückt und das Kind noch gar keinen Plan hat. Etwa zwei bis drei Jahre vor dem Schulabschluss sollte das Thema angegangen werden, empfehlen die Berufsberaterinnen. "Spätestens ein Jahr vor Schulabschluss sollte man einen Plan A und möglichst auch einen Plan B haben", so Riese. Denn dann startet die Bewerbungsphase.