"Heiratsmaterial" für die männlichen Angestellten: Immer mehr Chinesinnen klagen darüber, dass sie bei der Arbeitsuche offen diskriminiert werden - egal wie qualifiziert sie sind.
Viele chinesische Staatsbetriebe und Ministerien stellen in diesem Herbst fast nur Männer ein. In Universitäten und auf den Internetforen von Studentinnen wird über die "wachsende Diskriminierung von Frauen" am Arbeitsmarkt geklagt. Viele Chinesinnen erfahren plötzlich, dass sie trotz eines Studiums und guter Noten keine Aussicht auf einen Job haben.
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Alles Studieren nützt nichts: Viele Chinesinnen bekommen trotz guter Noten keinen Job - weil sie Frauen sind. (© Foto: ddp)
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Die 25-jährige Liu Zuolin in der Hafenstadt Tianjin machte diese Erfahrung am 11. Oktober. Vertreter eines großer Staatsbetriebes, der China Guangdong Nuclear Power, waren zur Rekrutierung neuer Mitarbeiter auf den Campus der Nankai-Universität gekommen, wie dies in China üblich ist. Liu Zuolin stand um sechs Uhr früh auf, schminkte und kleidete sich sorgfältig. Der Staatsbetrieb gilt als begehrter Arbeitgeber. Liu Zuolin hat angewandte Optik studiert - genau das Richtige für den Nuklearbetrieb. "Aber als ich mich bis vorne an den Stand durchgekämpft hatte, sagte man mir, ich sollte es besser woanders probieren. Ich wusste sofort, dass es um mein Geschlecht ging. Sie haben auch im letzten Jahr fast nur Männer eingestellt", sagt Liu.
Ähnliche Szenen spielen sich in diesen Wochen auf dem Campus vieler Universitäten ab. Studentinnen der Pekinger Elitehochschulen wie der Volksuniversität, der Peking-Universität oder der Hochschule für Politik und Recht klagen, dass Ministerien und Parteiorganisationen diesmal mit besonders schlechtem Beispiel vorangehen. Chinas Außenministerium stelle in diesem Jahr so gut wie keine Frauen ein, berichten mehrere Augenzeuginnen, die selbst abgelehnt worden sind.
Weder das Büro für Auswärtige Beziehungen der Kommunistischen Partei Chinas (KPCH) wolle Bewerbungsmappen von Frauen annehmen, noch die sonst wegen ihrer guten Löhne beliebte Staatssicherheit. Eine Studentin, die sich am Stand des Zentralen Organisationsbüros der KPCH bewerben wollte, wurde besonders schroff abgewiesen. "Du bist viel zu klein", sagte man ihr ins Gesicht. "Wir stellen nur noch Frauen über 1,65Meter ein."
Es ist ein Trend, der in China seit Jahren zu beobachten ist, und der sich nun durch die Wirtschaftskrise zu verstärken scheint: Wenn Frauen überhaupt noch in großen chinesischen Betrieben oder Ministerien erwünscht sind, dann für schlechtbezahlte, einfache Tätigkeiten. Sie gelten, so die unausgesprochene Übereinkunft, immer häufiger nur als "Heiratsmaterial" für die männlichen Angestellten.
"Sparen Sie sich das Papier für die Bewerbungsmappe"
Da Chinas Gesetze jegliche Diskriminierung am Arbeitsplatz eindeutig verbieten, sind geschlechtsspezifische Einschränkungen seit einigen Jahren aus den veröffentlichten Stellenangeboten verschwunden. Jetzt werden viele Frauen daher erst mit eindeutigen Anspielungen im Bewerbungsgespräch darüber aufgeklärt, dass sie keine Chance haben. "Sparen sie sich besser das Papier für ihre Bewerbungsmappe", musste sich eine Pekinger Studentin vor wenigen Tagen anhören.
Viele seiner intelligentesten Studentinnen könnten nach ihrem Examen keine Arbeit finden, klagte Rao Zihe, der Präsident der Nankai-Universität, in einem Interview mit der Beijing Ribao. "Die Geschlechterdiskriminierung ist sehr ernst, und dies sogar bei der Einstellung von Beamten. Das macht mich wirklich traurig", sagte der Uni-Präsident. Einer Umfrage des chinesischen Frauenverbandes vom September zufolge fühlen sich 90 Prozent aller Studentinnen in Peking, Shanghai, Tianjin und Xian auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert. Frauen würden halt schwanger und verbrächten meist mehr Zeit mit der Kindererziehung als Männer, wird inoffiziell als Grund für die Ablehnung von Frauen angegeben. Manche Staatsbetriebe, wie etwa chinesische Ölgesellschaften, schieben auch den Vorwand vor, Frauen seien nicht so gut für den Auslandseinsatz geeignet wie Männer.
Chancengleichheit als Errungenschaft des Kommunismus
Mehr Chancengleichheit für Frauen gehörte eigentlich zu den stolzesten Errungenschaften des chinesischen Kommunismus unter Mao Zedong. Viele Frauen in China sind heute berufstätig und immer mehr arbeiten auch in gutbezahlten, modernen Jobs. Doch in den letzten Jahren gibt es gleichzeitig einen deutlichen Trend zurück zu mehr Sexismus und Diskriminierung. Dass Frauen immer noch seltener in Führungspositionen zu finden sind und durchschnittlich für gleiche Arbeit weniger verdienen als Männer, ist in China ohnehin genauso wahr wie in den meisten anderen Ländern der Erde.
Seit einiger Zeit macht unter jungen Chinesinnen ein sarkastischer Spruch die Runde: "Besser gut geheiratet als gut gearbeitet." Manche arbeitslose Frauen fügen sich in ihr Schicksal. Sie kleben offenherzige Fotos in ihre Bewerbungen oder schreiben in den Lebenslauf, dass sie "gerne abends trinken gehen". Eine Chinesin bewarb sich jüngst für einen Bürojob mit dem Hinweis, dass sie den zweiten Platz im Schönheitswettbewerb "Miss Tianjin" belegt hat.
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(SZ vom 28.10.2009/holz)
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dann setzen wir einfach die japanischen Vorbilder um. 100 ungezahlte Überstunden im Monat sollten kein Problem sein. Das sind für die meisten Menschen hier im Lande, die ersten 100 Arbeitsstunden im Monat überhaupt. Sollen sie doch mal das Arbeiten lernen, sonst kommen sie vom Staatstropf, der hauptsächlich von den bereits steuerlich ausgesaugten Firmen und Konzernen finanziert wird, überhaupt nicht mehr los. Das Steuereinkommen aus nichtselbständiger Arbeit muß wieder steigen, damit unsere Firmen durch gegenläufige Steuersenkungen endlich auf dem Weltmarkt wieder bestehen können.
Man sieht ja, zu was der Kommunismus China gebracht hat. Jetzt, da sie ein leuchtendes Vorbild für das reibungslose funktionieren des Kapitalismus sind, sollten wir unser Augenmerk auf die fortschrittliche Umsetzung eben jenes Kapitalismus, chinesischer Prägeart, besinnen. Dieses chinesische Vorbild des Kapitalismus, der zu Milliarden Dollar an Überschüssen führt, sollte zum alleinigen Vorbild des wirtschaftens in dieser Welt gelten.
Seit ich übrigens mein Unternehmen nach chinesischer Machart umgestaltet habe, seit dem brummt der Laden. Ich habe dies übrigens in meinen 124 seitigen Werk eines Masterplans aufgenommen. Aus hohen Lohnstückkosten, die seit Jahren nichts mehr abgeworfen haben, bin ich jetzt in der Lage eine Rendite von jährlich zwischen 30-40 % abzuführen. Das soll mir mal einer nachmachen, der sein Unternehmen nach europäischen Strickmuster führt.
Kein Wunder, dass hier alles den Bach runter geht, wenn sich Arbeiter nicht auf die chinesischen Vorbilder einlassen wollen. Aber seit ein paar Tagen sehe ich Hoffnung für uns liberale und konservativen Kräfte dieses Missstand landesweit zu beheben. Eventuell ausgenommen das Land Brandenburg, das sich für den erfolglosen kommunistischen Weg entschieden hat.
Wir liberale und konservative sind die geistige und wirtschaftliche Elite im Land. Die Rest sind einfach nur die Anderen.
Tja vom Land Brandenburg verlieren lernen, heißt Kommunismus lernen!
Gerade in China wäre es doch sinnvoll, wenn die Frauen arbeiten gehen und die Geburtenrate in den Keller geht.
...ich bleibe dabei: Es ist eine miese Masche. Wir sind im 21. Jahrhundert. Und wenn eine Frau meinen Job besser kann als ich dann hab ich Zeit für was anderes - egal ob in China oder Europa...
FG KB
...zumal der Staat hier wertvolle potentielle Arbeitnehmerinnen verprellt. Die Quittung wird es erst in einer Dekade oder einer Generation geben, dann aber ordentlich....