Infektionskrankheiten Ebola-Ausbruch im Kongo alarmiert die WHO

Ein Mitarbeiter des Krankenhauses in Bikoro, dem Zentrum des aktuellen Ebola-Ausbruchs, 500 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Kinshasa.

(Foto: AFP)
  • 39 Verdachtsfälle wurden im Nordwesten des Landes registriert.
  • Die WHO hat die neun Nachbarländer in Alarmbereitschaft versetzt.
  • Mittlerweile gibt es einen Impfstoff gegen das Virus, ihm fehlt aber noch die Zulassung.
Von Berit Uhlmann

Ebola ist zurück in Afrika. Bislang sind zwar nur zwei Fälle in der Demokratischen Republik Kongo bestätigt, doch die Weltgesundheitsorganisation WHO zeigt sich alarmiert. Denn die typischen Symptome - hohes Fieber, Schmerzen und bisweilen auch Blutungen - traten bereits bei 39 Menschen im Nordwesten des Landes auf. 19 von ihnen starben.

Beunruhigend ist, dass diese Verdachtsfälle an drei verschiedene Orten registriert worden, die etwa 60 Kilometer voneinander entfernt liegen. Das ist ein Indiz, dass sich das Virus bereits in einem größeren Gebiet verbreitet haben könnte.

Drei der potenziell Erkrankten arbeiteten in medizinischen Einrichtungen. Auch dies ist ein Alarmsignal. Ebola wird durch Körperflüssigkeiten übertragen; Kliniken, in denen Menschen in engen Kontakt kommen, sind Katalysatoren für die Verbreitung des Erregers.

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"Wir sind sehr besorgt und planen für alle Szenarien, das Worst-Case-Szenario eingeschlossen", sagte Peter Salama, der bei der WHO für derartige Notfälle zuständig ist. Er geht davon aus, dass es "hart und teuer" werde, die Infektionen zu stoppen.

Die Region verfügt kaum über Infrastruktur: Befestigte Straßen, Elektrizität, sauberes Wasser und sanitäre Anlagen gibt es nur stellenweise. Zur Versorgung der betroffenen Gebiete musste daher eine Luftbrücke eingerichtet werden. Die WHO stellte 2,6 Millionen US-Dollar Soforthilfe bereit. Zahlreiche Institutionen, darunter Ärzte ohne Grenzen, die US-Seuchenschutzbehörde CDC und das Kinderhilfswerk Unicef, sagten weitere Unterstützung zu.

Die neun Nachbarländer wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Die Experten fürchten insbesondere, dass der Erreger in die Republik Kongo (Kongo-Brazzaville) und die Zentralafrikanische Republik eingeschleppt werden könnte. Beide Staaten sind über Flüsse mit der Ausbruchsregion verbunden. Das Auswärtige Amt riet vor Reisen in die Region dringend ab und rief Deutsche auf, das Gebiet zu verlassen.

Es ist bereits der neunte Ausbruch im Kongo. 1976 wurde dort das Virus entdeckt. Zuletzt grassierte es vor einem Jahr und kostete vier Menschen das Leben. Beim siebten Ausbruch starben fast 50 Menschen. Er ereignete sich 2014 - parallel zu der Epidemie in Westafrika und von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen.

Dass die WHO nun mit hohem Tempo und Druck auf die neuen Fälle reagiert, mag auch politische Gründe haben. Der Ausbruch ist die erste Bewährungsprobe für den neuen WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Er reiste unmittelbar nach Bekanntwerden der Infektionen in die Region und ist offenbar entschlossen, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen.

300 000 Impfstoff-Dosen wurden für den Notfall eingelagert

2014 hatte die WHO nicht schnell genug auf den Ausbruch in Westafrika reagiert. Die Folge war eine beispiellose Epidemie, die am Ende mehr als 11 000 Menschen das Leben kostet und die WHO in eine Vertrauenskrise stürzte. Seither hat die Behörde ihre Kapazitäten für den Seuchenschutz verstärkt.

Mittlerweile gibt es einen Impfstoff gegen das Virus, das zwischen 20 und 90 Prozent der Infizierten tötet. Das Vakzin der Firma Merck gilt als hocheffektiv, ist aber noch nicht zugelassen. Dennoch sind 300 000 Dosen für den Notfall eingelagert.

Die WHO bereitet sich darauf vor, den Impfstoff schnell einzusetzen. Allerdings ist auch dies eine Herausforderung. Er muss bei minus 60 bis minus 80 Grad Celsius aufbewahrt werden. Salama nennt das Vorhaben: "eine hochkomplizierte, anspruchsvolle Operation in einem der schwierigsten Terrains der Welt".

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