Zweifel am Rettungspaket für den Euro Basta in Rom

Noch spielen Bankenaufseher die Folgen eines Schuldenschnitts oder Euro-Austritts Italiens nicht durch - weil sie zu viel Angst vor den Ergebnissen haben. Premier Berlusconi wackelt, bald muss das Land wohl unter den Rettungsschirm schlüpfen. Italien könnte das neue Griechenland werden.

Ein Kommentar von Catherine Hoffmann

Erst Griechenland, dann Italien. Die Furcht der Anleger vor einem Zahlungsausfall Roms wächst. Zu Wochenbeginn stieg die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen erstmals über die Marke von 6,5 Prozent. Das ist alarmierend. Bei sieben Prozent mussten Griechenland, Irland und Portugal unter den Rettungsschirm flüchten. Euro-Mitglieder und der Internationale Währungsfonds (IWF) zweifeln an der Glaubwürdigkeit der italienischen Spar- und Reformversprechen. Ministerpräsident Silvio Berlusconi wurde zwar kein Geld nach Rom geschickt, dafür aber der IWF. "Wir wollen prüfen, ob Italien liefert, was es versprochen hat", sagt IWF-Chefin Lagarde.

Kabale, Triebe - und ein Halleluja

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Es geht zu wie im Kalten Krieg, als US-Präsident Reagan mit Gorbatschow um nukleare Abrüstung rang. Auch damals hieß es: Vertrauen ist gut, Kontrolle besser.

Viel helfen wird es nicht. Die vergangenen Wochen waren ein Debakel für die Euro-Retter. Sie haben es nicht vermocht, die vergleichsweise erträglichen Zahlen zur Neuverschuldung, Gesamtverschuldung und Reformpolitik hervorzukehren, mit denen die Europäer im Vergleich zu den Angelsachsen punkten können. Die öffentlichen Schulden sind in der Euro-Zone gemessen an der Wirtschaftsleistung geringer als in den USA; die Schuldenquoten sind in den zurückliegenden zehn Jahren gestiegen, aber bei weitem nicht so schnell wie in Amerika und Großbritannien. Das Haushaltsdefizit der Euro-Mitglieder ist im Durchschnitt nicht einmal halb so hoch wie bei Briten und Amerikanern.

Doch solche Fakten interessieren nicht, seit Angst und Misstrauen Europa beherrschen.

Daran haben die Euro-Retter Merkel und Sarkozy selbst Schuld. Erst nötigten sie die privaten Gläubiger, Griechenland einen Teil seiner Schulden zu erlassen. Dann spekulieren sie über einen Austritt Athens aus der Euro-Zone. Damit war besiegelt, dass Staatsanleihen nicht mehr sicher sind. Ein Dominoeffekt ist in Schwung gekommen, der nur schwer zu stoppen ist. Banken und Versicherungen stoßen massenweise Anleihen angeschlagener Euro-Staaten ab, um sich gegen eine Verschärfung der Krise zu wappnen - und machen so alles noch schlimmer.

Fragwürdige Mischung aus Tricks und Versprechen

Noch weigern sich Banken- und Versicherungsaufseher, die Folgen eines Schuldenschnitts oder sogar Austritts eines großen Landes wie Italien durchzuspielen, zu schockierend wäre das Ergebnis. Ende Juni hielten europäische Banken noch knapp 250 Milliarden Euro italienischer Staatsanleihen. Müssten größere Teile davon abgeschrieben werden, wäre ein Banken-Run nicht mehr ausgeschlossen.

Institutionelle Anleger oder Unternehmen könnten versucht sein, ihr Geld von italienischen Bankkonten abzuziehen, und private Anleger dürften ihre Ersparnisse in Sicherheit bringen. Dann gerieten nicht nur italienische Banken ins Wanken, sondern auch ihre Geschäftspartner in ganz Europa. Es ist beunruhigend, dass darüber nicht nur die üblichen Schwarzseher nachdenken, sondern auch Ökonomen führender Banken.

An den Rentenmärkten glaubt niemand mehr, dass das jüngste "umfassende Rettungspaket" für den Euro mehr als ein paar Wochen Bestand haben wird. Ein dickeres Kapitalpolster für Banken kuriert allenfalls die Symptome der Krise, aber nicht ihre Ursache: das Risiko von Staatspleiten. Und der Plan, die Feuerkraft des Euro-Fonds EFSF zu verbessern, beruht auf einer fragwürdigen Mischung zweifelhafter finanztechnischer Tricks und vager Versprechen. Ökonomen spotten schon, dass die Politik statt der versprochenen Panzerabwehrwaffe nur eine Wasserpistole geliefert habe.

Bis auf weiteres bleibt nur die Europäische Zentralbank als Kreditgeber der letzten Instanz. Mangels anderer Möglichkeiten wird ihr neuer Chef Mario Draghi gezwungen sein, deutlich größere Mengen an hoch spekulativen Staatsanleihen aus der Euro-Zone zu kaufen. Den Anfang macht er in Italien.

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