Zweifel auch an Deutscher Bank Rating-Drohung lässt Bankenkurse einbrechen

Das wichtigste Gut der Banken schwindet: Vertrauen. Die Ratingagentur Fitch droht acht großen Instituten, ihre Kreditwürdigkeit zu senken - darunter ist auch die Deutsche Bank. Anleger fliehen aus den Aktien der Banken. Um zu verhindern, dass der Staat immer wieder Geldhäuser retten muss, machen die Grünen einen radikalen Vorschlag.

Die Schuldenkrise breitet sich aus - und nicht nur das Vertrauen in einzelne Staaten leidet darunter: Die Ratingagentur Standard & Poor's hat Spanien abgewertet, die Kollegen von Fitch holen zum Rundumschlag in der Bankenbranche aus. Die Agentur droht acht Finanzkonzernen, ihre Kreditwürdigkeit herunterzustufen - darunter auch die Deutsche Bank, die derzeit mit AA- das vierthöchste Fitch-Rating genießt. Die Drohung ließ an den Börsen die Kurse der Bankaktien einbrechen.

Der europäische Index der Bankenbranche gab um mehr als zwei Prozent nach. Die Deutsche Bank rutschte kurzzeitig um mehr als drei Prozent ab, erholte sich dann und stürzte erneut deutlich ins Minus. Obwohl sie nicht explizit im Papier der Ratingagentur genannt wurde, verlor die Commerzbank mehr als vier Prozent. Analysten rechnen auch bei ihr mit einem Kapitalbedarf von mehreren Milliarden Euro, sollte die Politik die Institute zwingen, ihr Kernkapital zu erhöhen. In Paris fiel der Kurs von BNP Paribas um mehr als fünf Prozent, Credit Agricole und Société Générale verloren vier Prozent.

Wird die Bonität einer Bank von einem Tag auf den anderen schlechter bewertet, hat das auch praktische Folgen: Es wird teurer für sie, sich auf dem Kapitalmarkt Geld zu beschaffen. Die Zinsen für die laufende Refinanzierung steigen.

Auf der Beobachtungsliste von Fitch stehen neben der Deutschen Bank die US-Kreditinstitute Bank of America, Morgan Stanley und Goldman Sachs. In Europa würden Ratings von Barclays, BNP Paribas, Credit Suisse und Société Générale geprüft. Die nächsten Abwertungen von Bankpapieren scheinen nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Gleichzeitig stufte die New Yorker Agentur die langfristigen Ratings der Schweizer UBS, der Landesbank Berlin und der Berlin-Hannoverschen Hypothekenbank (Berlin Hyp) herab.

Fitch begründet das Urteil mit den derzeitigen wirtschaftlichen Herausforderungen sowie Änderungen bei der Regulierung. Zwar gehörten die Banken zu den größten Finanzhäusern der Welt, erklärte die Agentur. "Die neuere Geschichte zeigt aber, dass auch große Banken zusammenbrechen können." Die derzeitigen Risiken hätten große Ähnlichkeiten mit denen während der Finanzkrise 2008. Viele Europäische Banken sind durch Staatsanleihen überschuldeter Euro-Staaten wie Griechenland oder Portugal belastet. Der Wert dieser Papiere liegt mittlerweile deutlich unter ihrem ursprünglichen Kaufpreis.

Auch die steigende Gefahr eines Schuldenschnitts in Griechenland verheißt wenig Gutes für die Banken: In diesem Fall müssten sie jüngsten Spekulationen zufolge einen noch größeren Teil auf Staatsanleihen des Landes abschreiben, als die 21 Prozent, die sie auf dem Euro-Gipfel im Juli mit der Politik vereinbart haben. Die Rede ist von bis zu 60 Prozent.

Bei der Deutschen Bank geht es nach den Angaben der Ratingagentur unter anderem um die Fähigkeit, die geforderte Eigenkapitalausstattung zu erreichen.

Politiker fordern von den Banken, ihre Eigenkapitalquote aufzustocken, angeblich auf bis zu neun Prozent. Im Fall der Deutschen Bank schätzt die US-Investmentbank Morgan Stanley den Bedarf auf 12,5 Milliarden Euro. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte allerdings noch am Donnerstag versichert, sein Haus verfüge über genug eigenes Geld, um die Krise zu überstehen. Deshalb sei auch keine staatliche Hilfe nötig.

Nach den Worten von Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker könnte die Politik die Banken zu einer Gläubigerbeteiligung zwingen. "Die Privatbanken müssen wissen, dass, wenn die freiwillige Gläubigerbeteiligung nicht ausreichen wird, dass wir dann auch ins Auge fassen müssen, dass es zu einer nicht-freiwilligen Gläubigerbeteiligung kommt", sagte der luxemburgische Regierungschef im Deutschlandfunk.

Dass die Regierungen Banken retten wollen, ist nicht unumstritten: Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht und der Finanzstabilitätsrat FSB stuft derzeit 28 Banken als "too big to fail" ein, also als systemrelevant. Ihre Pleite, so die Ansicht, könnte das gesamte Finanzsystem gefährden. Um den Druck auf die Regierungen zu mindern, diesen Banken in jeder Krise beispringen zu müssen, schlagen die Grünen in Deutschland nun einen gravierenden Eingriff vor: Sie wollen die Größe der Geldhäuser begrenzen. "Es darf keine systemrelevanten Banken mehr geben", zitiert Die Welt aus einem Antrag des Bundesvorstands für den Grünen-Parteitag Ende November in Kiel.

Die Finanzinstitute sollten demnach gezwungen werden, so große Geldreserven anzulegen, dass sich Wachstum für sie nicht mehr lohnt und sie sich in kleinere Einheiten zerlegen. Wenn diese dann in Schwierigkeiten geraten, sollten müsse der Steuerzahler sie nicht mehr retten - schließlich könnten kleine Banken nicht systemrelevant sein.

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir sagte der Zeitung, derzeit lohne es sich für große Banken, noch mehr Risiken einzugehen, weil ihnen im Notfall der Staat helfen müsse, um die Kapitalflüsse im Wirtschaftssystem aufrechtzuerhalten. "Diese Logik muss durchbrochen werden", sagte er. Es widerspreche der sozialen Marktwirtschaft, wenn sich große Banken auf eine staatliche Rettungsgarantie verlassen könnten.