US-Wahl 2016 Präsident Troll

Donald Trump hat die Wahl gewonnen - auch dank Facebook.

(Foto: AFP)
  • Trump manövrierte mit seiner offensiven Social-Media-Strategie alle traditionellen politischen Sub-Systeme aus - von den Republikanern bis zu Clintons Wahlkampfmaschine.
  • Der Wahlkampf zeigt auch: Facebook hat ein Problem mit der Wahrheit - was vor allem Trump nutzte.
Analyse von Jannis Brühl

Im Nachhinein wirkt es fast schon lächerlich, dass Facebook im Frühjahr vorgeworfen wurde, seinen Nutzern Artikel mit konservativen Standpunkten vorzuenthalten. Denn der Sieg des Republikaners Donald Trumps an diesem Mittwoch ist ohne Facebook - und, in geringerem Ausmaß, Twitter - nicht denkbar.

Nun ist nicht "das Internet" schuld - die Enttäuschung von Trumps Wählern über das politische System ist real und kein technisches Problem. Aber wie der Kandidat die sozialen Medien eingesetzt hat, ist meisterhaft und zeigt, wie heute Wählerstimmen gewonnen werden. Das gilt auch für anstehende Wahlkämpfe in Europa.

Ob hinter seiner Mischung aus Beleidigungen, dem Flirten mit rassistischen Beiträgen und trotzigem, gern in Großbuchstaben verfasstem Eigenlob überhaupt eine kohärente Strategie steckte, ist nicht einmal sicher. In jedem Fall war Trump aber der perfekte Kandidat für die sozialen Netzwerke.

Über sie kommunizierte er direkt mit den Wählern und umging alle gängigen Sub-Systeme der Politik: Erst die republikanische Hierarchie, Distanzierungen der Parteielite konnten ihn nicht stoppen. Dann einen Großteil der Medien, der sich offen gegen ihn positionierte. Um sie musste er sich ohnehin nicht kümmern. Sobald er wieder etwas Unanständiges twitterte, berichteten sie ja über ihn. Und nun hat er Clintons Maschinerie geschlagen, die viel mehr Geld ausgab und wesentlich mehr Leute im analogen "ground game" vor Ort in den Bundesstaaten einsetzte (mehr zur Social-Media-Strategie der Kandidaten hier).

Es geht darum, wer den anderen am meisten ärgert

Das Emotionale der sozialen Medien wusste Trump deutlich besser zu nutzen als Clinton. Das liegt zum einen an seinem Auftreten, zum anderen daran, wie Facebook funktioniert.

Zunächst zu Trump selbst. Erstmals zieht eine der zentralen Figuren des Internets ins Weiße Haus ein: der Troll. Beleidigende, faktenfreie Debatten gab es schon immer, im Netz haben sie es zur eigenen Kulturform gebracht, angeheizt von den Provokationen der Trolle. Sie wollen nicht kommunizieren, sondern Kommunikation entgleisen lassen. So wie Trump, der schon vor Jahren zur Galionsfigur der "Birther"-Bewegung wurde, die behauptet, Barack Obama sei gar kein Amerikaner.

Wie Trump zu "The Donald" wurde

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"Die Grenze zwischen Politiker und Troll verwischt", schrieb Dhruva Jaishankar im Sommer in einem Beitrag für den Thinktank Brookings. Es geht nicht darum, wer Recht hat, es geht darum, wer den anderen am meisten ärgert.

Jaishankars These ist, dass das Zeitalter der "digitalen Demokratie" angebrochen ist: In der digitalen Gesellschaft seien alle Informationen jederzeit verfügbar. Das führe einerseits dazu, dass es kein Herrschaftswissen mehr gebe. Andererseits fördere es Polarisierung und Desinformation. Wenn alle Informationen scheinbar gleich viel wert sind, schlägt die dreiste Behauptung den Kompromiss, der die repräsentative Demokratie ausmacht (und der für ihre Gegner immer schon ein Hinterzimmerdeal war).

Trumps Bühnentalent hilft ihm in Facebook-Videos

Jaishankar schrieb diese These nach dem Brexit-Votum, und damals war sie falsch. Der Autor ließ außer Acht, dass die Brexit-Kampagne maßgeblich von der britischen Boulevardpresse getragen war. Die oft totgesagten "legacy media" hatten noch einmal ihre Macht gezeigt. Auf Trumps Sieg trifft die These von der "digitalen Demokratie" hingegen zu. Dank Facebook und Twitter hat er alle geschlagen.

Auch dass insbesondere Facebook immer mehr zur Video-Plattform wird, kommt Trump zugute. Sein Bühnentalent ist beeindruckend, die oft als steif kritisierte Clinton konnte nicht mithalten.

Wie sehr traditionellen Parteivertretern diese raue Authentizität - oder das, was Zuschauer dafür halten - fehlt, hat Sascha Lobo einmal am Beispiel eines staubtrockenen Tweets von Sigmar Gabriel analysiert ("ein Tweet mit dem Charme einer Umlaufmappe"). Nun ist Hillary kein Sigmar, aber offensichtlich hat sie es trotz ihres mehr als hundert Personen starken, zweisprachigen Social-Media-Teams nicht geschafft, die Wähler zu berühren wie Trump.