Internet-Allianz von Facebook, Samsung und Co. Die Vernetzung der Welt

Weil fünf Milliarden Menschen keinen Zugang zum Internet haben, will eine Allianz großer Technologie-Unternehmen aktiv werden. Ein von Facebook-Chef Zuckerberg vorgestellter Drei-Punkte-Plan soll das Internet auch in Ländern mit maroder Infrastruktur zum Massenmedium machen. Das würde sich für die Firmen auch finanziell lohnen.

Von Pascal Paukner

Mit Understatement erreicht man keine ambitionierten Ziele. Schon gar nicht, wenn man wie Mark Zuckerberg denkt und sich soeben eine neue, gewaltige Aufgabe auferlegt hat: Mit anderen Technologie-Unternehmen will der Facebook-Chef das Internet auch zu den Menschen bringen, die gegenwärtig noch davon abgeschnitten sind. Begleitet wird die Initiative von einer aufwändig produzierten Webseite, über deren Homepage ein Video thront, welches die Kampagne in einen großen historischen Kontext stellt. Unterlegt ist der Clip mit Ausschnitten der berühmten Abrüstungsrede John F. Kennedys, die der damalige US-Präsident im Juni 1963 vor der American University in Washington hielt.

Eine bedeutende historische Rede als Sinnspruch eines bedeutenden Vorhabens der Gegenwart, das ist die Botschaft, die von der neuen ungewöhnlichen Allianz ausgeht. Die konkrete Arbeit, die auf Facebook, Samsung, Nokia, Qualcomm, Opera, Ericsson und Mediatek wartet, ist freilich deutlich realpolitischer, als es die großen Worte vermuten lassen. Die Unternehmen wollen folgende Ziele erreichen:

  • Der Zugang zu modernen Technologien sowie der mobile Datenverkehr sollen billiger werden; zudem wollen sie preisgünstige, aber qualitativ hochwertige Smartphones entwerfen.
  • Daten und Netzwerke sollen effizienter genutzt werden. Die Allianz will Apps entwickeln, die weniger Daten verbrauchen. Ein mögliches Projekt sei es auch, Software für die Kompression von Daten zu entwickeln.
  • Es sollen neue Geschäftsmodelle und Dienste entstehen, die den Zugang zum Internet fördern. Davon sollen auch Mobilfunkfirmen, Gerätehersteller und Entwickler profitieren.

Mit ihrem Vorstoß gehen die Unternehmen ein wichtiges Vorhaben an. Denn das Gerede von der vernetzten Welt ist eine Chimäre. Fünf Milliarden Menschen weltweit haben keinen Zugang zum Internet. Zwar wächst die Zahl der Nutzer jährlich um neun Prozent. Noch aber ist der digital divide so riesig, dass die Teilhabemöglichkeiten an der Informations- und Kommunikationsinfrastruktur in den Entwicklungs- und Schwellenländern massiv eingeschränkt sind. "Das Internet ist so ein wichtiges Ding, um die Menschheit voranzubringen, aber es wird sich nicht selbst bauen", sagte der 29-jährige Facebook-Chef Zuckerberg kürzlich in einem Interview.

Firmen stoßen im Westen an Grenzen

Völlig uneigennützig treiben die beteiligten Konzerne das Vorhaben freilich nicht voran. Die schlechte Netzabdeckung in Teilen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas gefährdet die Wachstumsmöglichkeiten der westlichen Technologiefirmen. Wer keinen Zugang zum Internet hat, kauft sich kein Smartphone und meldet sich auch nicht bei Facebook an. Für die Unternehmen bedeutet aber dieses Wachstum die Zukunft. In den Industriestaaten sind die Märkte zunehmend gesättigt, substanzielles Wachstum in den alternden Gesellschaften ist kaum zu erwarten.

Das haben auch Facebooks Konkurrenten längst erkannt. Auch sie versuchen mühsam, in den Märkten der Zukunft an Einfluss zu gewinnen. Doch statt wie der Staat für eine allumfassende Infrastruktur zu sorgen, konzentrieren sich die Unternehmen häufig darauf, aus Vorhandenem das Beste zu machen. Daraus folgt, dass andere weniger mächtige Unternehmen benachteiligt werden, weil fundamentale Prinzipien wie die Netzneutralität eingeschränkt werden. Der vereinfachte Zugang zum Internet bedroht die Vielfalt im Netz.

Twitter etwa hat in mehreren Ländern Partnerschaften mit Mobilfunkprovidern geschlossen, die verhindern, dass beim Versenden von Tweets Kosten entstehen. Auf den Philippinen können Kunden des Unternehmens Twitter, Google und Facebook kostenlos auf Smartphones nutzen. Für die Nutzer mag das ein gutes Angebot sein. Für konkurrierende Dienste entstehen jedoch zusätzliche Hürden.

Daten in Afrika werden über Europa umgleitet

Ein Sprecher einer afrikanischen Nichtregierungsorganisation sagte der New York Times, das größte Problem der Internetinfrastruktur in Afrika seien fehlende Querverbindungen. In der Praxis würden Daten häufig über Europa umgeleitet, anstatt direkt vom afrikanischen Sender zum afrikanischen Empfänger zu gelangen. Ein Problem, das wohl selbst Projekte wie Googles aufsehenerregende Internetballons nicht lösen können, sondern nur die Zusammenarbeit von Staaten.

Immerhin rücken die Internetfirmen das Thema nun in die Öffentlichkeit und damit vielleicht auch stärker auf die politische Agenda. Die beackerte Facebook-Boss Zuckerberg zuletzt häufiger. In Washington drängt eine von ihm gegründete Lobbygruppe darauf, die Einwanderungsgesetze der USA zu reformieren, um den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern. In San Francisco nahm er an der Gay Pride-Parade teil und bezog damit in der kontroversen Debatte zur Homo-Ehe Stellung.

Ähnlich deutlich fällt nun die Positionierung in Sachen Netzpolitik aus. Ein von Zuckerberg selbst verfasstes, zehnseitiges Dossier zum Thema fragt danach, ob der Zugang zum Internet ein Menschenrecht sei. Seine Antwort ist eindeutig: "Ich glaube, dass der Netzzugang für alle ein Menschenrecht ist und dass wir es durch Kooperation erreichen können."

Das klingt ein wenig pathetisch, ist aber nun mal wahr.