Datenschutz im Mobilfunk Wie die Telekom und Vodafone Passwörter überflüssig machen wollen

Ein Passwort pro Online-Konto - das kann Internetnutzer in die Verzweiflung treiben.

(Foto: Emilio Morenatti/AP)

Eine Nummer für alles: Nutzer sollen sich künftig nur mit ihrer Handynummer ausweisen.

Von Benedikt Müller, Düsseldorf

Wer ein Online-Portal nur sporadisch nutzt, wird das Grübeln kennen: Welchen Benutzernamen hatte man sich bloß gegeben damals bei der ersten Anmeldung? Und hatte man eines seiner üblichen Passwörter gewählt? Deutschlands führende Mobilfunk-Anbieter wollen Mitte des Jahres eine neue Lösung auf den Markt bringen, mit der sich Handynutzer ganz ohne Benutzernamen und Kennwort sicher im Internet ausweisen sollen.

Hierfür haben sich die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica auf eine einheitliche Lösung verständigt. Dies gaben die Netzbetreiber am Donnerstag bekannt. In vielen Online-Shops und Portalen soll künftig die Handynummer genügen, um sich zu identifizieren. Die Mobilfunk-Anbieter können der Nummer dann einen konkreten Kunden zuordnen, da sich mittlerweile alle Handynutzer beim Kauf ihrer SIM-Karte ausweisen müssen.

Das Trio will mit dem Dienstleister Verimi zusammenarbeiten. Diese Plattform von Konzernen wie Allianz, Deutscher Bank und Lufthansa will von März an als zusätzliche Anmelde-Möglichkeit auf den Internetseiten von Banken, Fluglinien oder Online-Händlern auftauchen.

Wer sich über Verimi erstmals mit seiner Handynummer auf einer Webseite anmeldet, soll eine SMS mit einem Link erhalten. Klickt der Nutzer darauf, bestätigt er damit seine Identität. Von dem Moment an wollen die Netzbetreiber den Kunden immer wieder erkennen; die Online-Portale verlangen dann kein Passwort mehr.

Mit dem neuen Verfahren wollen die Anbieter Anmeldungen im Internet sicherer machen. Bisher nutzen viele Kunden Passwörter wie 123456, die sie sich zwar leicht merken, die Angreifer aber auch leicht erraten können. Besonders fatal ist dies, wenn Nutzer dasselbe Kennwort für mehrere Seiten nutzen, etwa für Mail-Postfach und Banking. "Passwort-Diebstahl hat riesige Dimensionen erreicht", sagt Dirk Backofen von Telekom Security. Der neue Dienst solle die Identitäten der Kunden schützen.

"Schneller zum Kaufabschluss"

Mittelfristig soll das Verfahren auch Einkäufe und Bestellungen per Smartphone erleichtern. Beispielsweise könnten die Netzbetreiber automatisch Adresse und Bankverbindung des Nutzers in die entsprechende Bestellmaske eingeben, wenn sie den Kunden sicher identifiziert haben.

Telekom, Vodafone und Telefónica wollen den weltweit verbreiteten Dienst Mobile Connect noch in diesem Jahr einführen. "Dass sich die drei Netzbetreiber im Interesse aller Kunden auf eine universelle Spezifikation geeinigt haben, ist ein großer Schritt nach vorn", sagt Pia von Houwald von Telefónica Deutschland. Dem Hersteller GSMA zufolge wird Mobile Connect bereits in 30 Staaten genutzt. Die Mobilfunk-Anbieter betonen, dass sie die Kundendaten in dem neuen System gemäß deutschen Datenschutzregeln schützten.

Auch dem Handel nütze das Verfahren, werben die Netzbetreiber. Bisher brächen viele Kunden Kaufprozesse im Internet ab, wenn sie zunächst ein Benutzerkonto mitsamt Passwort erstellen müssten. "Mobile Connect bringt Kunden schnell zum Kaufabschluss", versprechen die Mobilfunk-Anbieter in ihrer Mitteilung.

Bereits im vergangenen Jahr haben RTL, ProSieben Sat.1 und United Internet eine "Log-in-Allianz" gegründet. Sie will einen eigenen Anmeldedienst ebenfalls noch in diesem Jahr auf den Markt bringen.

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