Landtagswahl In Bayern sortieren sich die Parteien neu

Für die CSU war die Bundestagswahl wie ein Erdbeben. Bis zur Landtagswahl 2018 will sie die rechte Flanke schließen.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Nach der Bundestagswahl ist vor der Landtagswahl in Bayern - die Parteien suchen nach den richtigen Strategien, um Wähler zu gewinnen.
  • "Die rechte Flanke schließen": Dieses Motto hat CSU-Chef Seehofer nach den Erfolgen der AfD ausgegeben.
  • Während FDP und Grüne wohl überwiegend in der politischen Mitte fischen, steht die Richtung der SPD noch nicht fest.
Von Lisa Schnell

Eine Bundestagswahl ist wie ein Erdbeben. In nur einem Moment zieht sie den einen den Boden unter den Füßen weg und katapultiert andere in den Himmel. Die Erdplatten, auf denen sich die Parteien bis jetzt niedergelassen hatten, verschieben sich.

Und am Ende, wenn genügend gejubelt und geweint wurde, wenn die Parteistrategen die Zahlen hoch und runter analysiert haben, setzt sich der Staub und der Blick wird frei auf eine neue politische Landschaft. Es ist der Zeitpunkt, an dem die Parteien ihren Kompass neu einstellen, vor allem im Hinblick auf die Landtagswahl 2018. Ein Überblick, wer wohin will und warum.

"Horst, es ist Zeit"

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Der Berggipfel, auf dem einst die CSU residierte, ist durch das Wahlbeben zu einem Hügel geschrumpft. Wenn die Chefanalytiker von dort übers Land blicken, entdecken sie im Freistaat bedrohliche AfD-Massive, die ihnen die Aussicht auf eine absolute Mehrheit bei der Landtagswahl verstellen. Deswegen die klare Ansage von Horst Seehofer: Die rechte Flanke schließen. Im Bund muss Seehofer deshalb eine Begrenzung der Flüchtlingszahlen durchsetzen (wie auch immer), in Bayern wird der Spitzenkandidat (wer auch immer) im Blick behalten, was die AfD macht.

Die Mutter aller Schlachten, wie Seehofer die Landtagswahl genannt hat, wird die CSU also eher mit einer Marschroute weiter rechts angehen.

Auf der anderen Seite will sich die SPD einreihen. Sie musste die Erkenntnis verdauen, dass es doch noch immer schlimmer werden kann. Damit es 2018 bei der Landtagswahl nicht noch weiter nach unten geht, müsse sich die Partei wieder an ihren Grundwerten orientieren, sagte Landeschefin Natascha Kohnen und kündigte einen Linksruck an.

Die Christsozialen also blinken rechts, die Sozialdemokraten links. Und in der Mitte? "Ich fühl mich in der Mitte ganz wohl", sagt Ludwig Hartmann, Fraktionschef der Grünen im Landtag. Richtige Fundis haben die Grünen in Bayern kaum noch, dafür Pragmatiker wie Hartmann. Er will die Grünen auch in ländlichen Regionen erfolgreich machen, wo sie oft nah an den sechs Prozent kratzen.

Statt über die Ehe für alle redet er lieber vom Erhalt der Heimat, für den die Grünen mit einem Volksbegehren gegen Flächenfraß kämpfen. Um die Menschen auf dem Land zu erreichen, will er sich an Realo Winfried Kretschmann orientieren. "Wir müssen raus auf den Marktplatz und einfach zuhören", sagt Hartmann. Nur so könnten die Grünen ihr Image als reine Großstadtpartei loswerden.