Unter Bayern "Möge der Herr 14 Tage Durchfall schicken, und zwar ohne Papier in der Nähe"

Ein oberbayerischer Pfarrer weiht ein Feuerwehrauto - und hat einen besonderen Wunsch für die parat, die Rettungskräfte angreifen.

Kolumne von Nadeschda Scharfenberg

Für die Segnung von Löschfahrzeugen bieten sich gleich mehrere Bibelstellen an. Jesaja 43, Vers 2 zum Beispiel. Und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen. Geeignet ist auch das Gleichnis vom barmherzigen Samariter oder die biblische Allzweckwaffe: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

Pfarrer Manfred Wurzner aus Egling, Oberbayern, hat's aber nicht so mit Barmherzigkeit und Nächstenliebe. Kürzlich schloss er seine Predigt zur Weihe des Gerätewagens Florian 56/1 mit dem Satz: "All denen, die Helfer tätlich angreifen, möge der Herr 14 Tage Durchfall schicken, und zwar ohne Papier in der Nähe. Amen."

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Segen und Fluch liegen im bayerischen Dorfkatholizismus traditionell eng beinander. Eine Erzählung des Volksschriftstellers Ludwig Ganghofer, der sehr wahre Geschichten erfunden hat, handelt vom Sepp, dem neuen Pfarrer von Wackersdorf, einem Mann mit großer Nase und noch größerer Präsenz auf der Kanzel.

Seine erste Predigt gerät zum Rundumschlag gegen alle, die über seinen Zinken gelästert haben, und endet ähnlich feurig wie die Eglinger Fahrzeugsegnung: "So! Für heut soll's gnug sein! Und wen's troffen hat, der kann sich hinter die Ohrwascheln kratzen. Amen." Woraufhin die Gemeinde in Jubel ausbricht, weil er "kein so lateinisch Gsalbader macht". Und einschlafen tue bei ihm gewiss keiner.

Seit dem Eutychus bei einer Predigt des Apostels Paulus die Augen zufielen und er drei Stockwerke tief aus dem Fenster stürzte, ist schon so einiges unternommen worden gegen den einschläfernden Sermon der Geistlichkeit. Luther empfahl den Predigern, "Zähne im Maul zu haben, zu beißen und zu salzen". Papst Franziskus drückt sich etwas umständlicher aus, meint aber dasselbe, wenn er schreibt: "Es gefällt uns, wenn man im Dialekt der Mutter zu uns spricht, und das Herz macht sich bereit, besser zuzuhören."

Ein Dorfpfarrer, dem lateinisches Gsalbader fernlag, war der Schwabe Joseph Conrad, der 1914 in die Jachenau kam. Ein Mannsbild, wie es Ganghofer sich nicht besser hätte ausdenken können. Neben seiner Predigttätigkeit flickte er Schuhe, züchtete Dackel und führte die Raiffeisenkasse. Klaren Schnaps schätzte er - und klare Worte. Einer Frau soll er einmal bei der Kommunion gesagt haben: "Mach's Maul auf, das kannst doch sonst auch."

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