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Identität:Was Bayern im Innersten zusammenhält

Historischer Sankt Coloman Ritt

Mehr Bayern geht nicht, oder doch? Männer und Frauen beim historischen Sankt Coloman Ritt Schloss Neuschwanstein bei Schwangau.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Die Tradition vielleicht? Der Katholizismus? Oder doch die CSU? BR-Intendant Ulrich Wilhelm hat eine ganz andere Antwort.

Kolumne von Katja Auer

Was dieses Land im Innersten zusammenhält, das ist zurzeit eine vielgestellte Frage, seit Spaltung attestiert wurde spätestens am Wahlabend. Die einen schauen noch paralysiert auf das Wahlergebnis der AfD und fordern Rechtsrucke, während die anderen vorschlagen, islamische Feiertage einzuführen. In Bayern schien das Verbindende immer so schön eindeutig zu sein, da bedurfte das Mia-san-mia nicht einmal einer Definition und schon gar keiner Leitkultur. Jetzt allerdings, seit die AfD auch in traditionell katholisch-konservativen Gegenden bis zu 30 Prozent der Stimmen erreichte, fragt sich mancher, ob die immer noch mia san.

Doch was ist es nun, das Identitätsstiftende? Die Landschaft natürlich, die Berge und die Seen, die Weinberge und Flüsse, die einfach schöner sind als anderswo. Der Katholizismus bestimmt, die Klöster und Kirchen, der bayerische Papst, die Volksfrömmigkeit, die immer noch Leonhardi-Ritte hervorbringt und Kräuterbüschel und Kerwa-Tänze. Die Wittelsbacher vielleicht, deren Märchenkönig Ludwig ein paar prachtvolle Schlösser hinterlassen hat und die leise Träumerei vom Königreich. Oder wenigstens die CSU, die in einer Art monarchistischen Tradition die Regierungsgeschäfte fortführt und bisher zwar ab und zu dafür abgewatscht, aber doch - ebenso dafür - zuverlässig wiedergewählt wurde.

Aber nein. Der Intendant des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm, hat nun in einem Interview ganz anders erklärt, was den Freistaat zusammenhält. Der Bayerische Rundfunk nämlich. "Er ist die wichtigste Klammer Bayerns und stiftet mit seiner klaren Ausrichtung Identität", sagt er. Nicht nur das. Der BR diene dem Zusammenhalt des Landes.

Nun versammelt sich zwar jeden Abend etwa eine Million Menschen vor dem Fernseher, um die Soap "Dahoam ist dahoam" zu verfolgen, die zuverlässige Beobachter tatsächlich als breites Abbild des Lebens im Freistaat bezeichnen, und das seit nunmehr zehn Jahren, aber das dient wohl eher der Unterhaltung als dem Zusammenhalt. Wenn sich die Zuschauer jeden Tag zum Public Viewing treffen würden. Alle miteinander. In einem sehr großen Biergarten. Dann könnte man die Sache mit der Klammer vielleicht noch mal besprechen.

© SZ vom 20.10.2017/infu
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