Unfall in Niederbayern Gülle aus Biogasanlage verseucht Fluss

  • Im niederbayerischen Arnstorf hat Gülle aus einer Biogasanlage ein artenreiches Flussgewässer verseucht.
  • Der Fischereiverband Niederbayern spricht von einer der größten Umweltkatastrophen im Landkreis Rottal-Inn überhaupt.
  • Nach bisherigen Erkenntnissen ist wohl ein Sicherungsbügel am Güllebehälter der Biogasanlage gebrochen. Dabei traten viele Hundert Kubikmeter Gülle aus und flossen in die Kollbach.
Von Hans Kratzer, Arnstorf

Die Bilanz des Gülle-Unfalls, der sich vor einigen Tagen in Arnstorf (Landkreis Rottal-Inn) zugetragen hat, ist erschreckend. Der Fischereiverband Niederbayern spricht von einer der größten Umweltkatastrophen im Landkreis Rottal-Inn überhaupt. Die Kollbach, ein intaktes und artenreiches Flussgewässer, ist biologisch auf Jahre hinaus tot, wie Hans Kramlinger vom Kreisfischereiverein Pfarrkirchen am Donnerstag bestätigt hat. Immer noch sind Vereinsmitglieder damit beschäftigt, verendete Fische aus dem Wasser zu holen. An die zehn Tonnen Fische sind entlang der Kollbach mittlerweile geborgen und entsorgt worden.

Das Unglück geschah vergangene Woche auf einer Biogasanlage im Kollbachtal, bei der nach bisherigen Erkenntnissen wohl ein Sicherungsbügel am Güllebehälter gebrochen ist. Dabei traten viele Hundert Kubikmeter Gülle aus. Die Brühe floss über einen Abhang in einen Bach und von dort aus in die Kollbach sowie in den Vilskanal. Kramlinger ist angesichts dieses Desasters fassungslos. Jahrzehntelang haben die Fischer die Fließgewässer gehegt und gepflegt, nun ist nicht nur ihre ganze Arbeit, sondern auch die Flussökologie zerstört, und zwar unwiederbringlich.

"Dieses genetische Material ist nicht zu ersetzen"

"Die Kollbach hat sich durch ihre Artenvielfalt ausgezeichnet", sagt Kramlinger. Nicht nur Hechte und Karpfen, die man ersetzen könne, schwammen in dem Gewässer, sondern auch Barben, Nasen und Mühlkoppen, dazu seltene Arten wie Schneider und Bitterling und sogar Edelkrebse. Auch die besonders geschützten Bachmuscheln wurden vernichtet. "Dieses genetische Material ist nicht zu ersetzen", sagt Kramlinger. Besonders ärgern sich die Fischer, dass ihre Warnungen kein Gehör finden und die nötigen Schutzmaßnahmen für Biogasanlagen nicht umgesetzt werden. Nach einem ähnlichen Unfall, bei dem vor etlichen Jahren die Rott verseucht wurde, beschloss der Kreistag, dass gefährdete Anlagen einen Schutzwall bekommen und besser kontrolliert werden müssen. Passiert sei nichts, klagen die Kritiker.

Allein im Landkreis-Rottal-Inn gebe es hundert Biogasanlagen, circa 50 von ihnen seien bereits in Gewässerunfälle verwickelt gewesen, sagt Kramlinger. Bayernweit haben die Landratsämter zwischen 2004 und 2013 insgesamt 657 Gewässerverunreinigungen durch Biogasanlagen festgestellt. Die Staatsregierung hat deshalb im Dezember 2012 zusätzliche Regelungen für Biogasanlagen erlassen, um deren Betriebssicherheit zu erhöhen.

Die Fischer sehen dennoch keinen Fortschritt. "Die Sicherheitsstandards reichen einfach nicht aus." Ihre Sorgen werden auch deshalb nicht geringer, weil die Anlagen immer älter und damit anfälliger werden. "Wenn sich weiter nichts tut, werden sich die Unfälle auf Biogasanlagen häufen", davon ist Kramlinger fest überzeugt.