Rücktritt von Christine Haderthauer Sie ist doch verwundbar

Sang- und klanglos: Christine Haderthauer ist zurückgetreten.

(Foto: dpa)

Christine Haderthauer ist keine Frau, die von sich aus aufgibt. Und so überrascht an ihrem Rücktritt als Staatskanzleichefin vor allem, dass er so kleinlaut erfolgt. Für die Opposition ist der Fall noch nicht ausgestanden.

Von Katja Auer und Mike Szymanski

Im Moment ihres Scheiterns greift Christine Haderthauer ausnahmsweise mal nicht an. Sie tritt zurück. Und das lässt sie selbst einfach mal so stehen. Keine Widerworte, keine Attacken.

Es ist kurz nach 18.30 Uhr in der Staatskanzlei, als Haderthauer den Raum betritt, in dem sie sonst immer nach den Kabinettssitzungen die Politik der CSU für Bayern erklärt hat. Jetzt erklärt sie sich. Pinkfarbenes Sakko. Die Hände ganz still. Ihr Blick entschlossen. Sie erzählt, dass sie heute ein Gespräch mit Horst Seehofer hatte.

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Der Entschluss der Kriegerin

Sie hätten sich "freundschaftlich" miteinander unterhalten, erzählt Haderthauer. Was man so sagt. Und sagen muss: Es sei ihr Entschluss gewesen, den Posten freizumachen. Wochenlang wollte die Politikerin nicht einsehen, dass das alles andere als ein ganz normales Business war. Dann wurde auch noch bekannt, dass die Staatsanwaltschaft gegen Christine Haderthauer wegen Betrugsverdachts ermittelt. Ein früherer Geschäftspartner fühlt sich übers Ohr gehauen. Das war Anfang August.

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Seehofer hatte erklärt, er werde zu ihr stehen, bis die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abgeschlossen seien und er mehr wisse. Aber so weit kommt es nicht. Haderthauer sagt: "Damals wie heute bin ich davon überzeugt, dass ich die juristischen Vorwürfe vollständig ausräumen kann." Aber ihr ist die Zeit davon gelaufen. Die Staatsanwälte steigen jetzt zum Ende der Sommerpause erst richtig in den Fall ein. Sie sagt, sie wolle nicht, dass die Debatte über die früheren Geschäfte ihre gesamte Arbeit überlagert. Sie will Schaden vom Amt abwenden.

Urlaub in der Krise

Haderthauer hatte Zeit, sich mit diesem Gedanken anzufreunden. Sie ist ja keine Frau, die von sich aus aufgibt. Verlieren? Das gehört nicht zu ihrer mentalen DNS. Als Generalsekretärin hatte sie die CSU 2008 in ihre bis dahin größte Niederlage geführt. Ihrer Zukunft schadete das nicht. Als Seehofer Erwin Huber und Günther Beckstein beerbte, berief er die Ingolstädterin zur Sozialministerin. Viel mehr als Haderthauer und große Probleme nahm er nicht mit aus den Huber- und Beckstein-Jahren der CSU.

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Haderthauer hatte sich seither unverwundbar gefühlt. So kaltschnäuzig und egoistisch machte sie oft Politik. Sie fühlte sich wie eine Kriegerin und pflegte ihr Image sogar noch. Viele Freunde, auf die man dann in Krisen zählen kann, hat man so natürlich nicht. Einer war ausgerechnet Seehofer. Anfang August soll er ihr die Frage gestellt haben: "Bist Du mit Dir im Reinen?" Dann fuhr sie in den Urlaub. Ihre Art Abwesenheitsmitteilung war auf Facebook ein Foto von einem See. Die Botschaft: Ich bin mal kurz weg.