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Modellbau-Affäre:Neue Fragen im Fall Haderthauer

Christine Haderthauer

Christine Haderthauer bemüht sich um Distanz und will sich nicht an die Besuche von Roland S. erinnern.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Wie eng war der Kontakt zwischen den Haderthauers und Roland S. wirklich? Das ist eine der Schlüsselfragen in der Modellbau-Affäre. Nun wurde bekannt: Der Dreifachmörder war ohne polizeiliche Aufsicht bei ihnen zu Besuch.

Von Frank Müller

In den Aussagen von Staatskanzleichefin Christine Haderthauer (CSU) gegenüber dem Landtag zu ihrer Modellbauaffäre taucht eine neue Ungereimtheit auf: Roland S., der Modellbauer der Haderthauers aus der Psychiatrie, war bei seinen Freigängen nicht unter offizieller polizeilicher Aufsicht, als er unter anderem das Privatanwesen der Familie Haderthauer in Ingolstadt besuchte.

Der Kriminalbeamte, der bei den Freigängen dabei war, stellte jetzt gegenüber dem Polizeipräsidium Mittelfranken klar, dass er S. nur als Privatmann ohne dienstlichen Auftrag begleitet habe. Den gegenteiligen Eindruck hatte Haderthauer erweckt, als sie eine Anfrage der SPD mit der Formulierung beantwortete, "dass nach ihrem Wissen Herr S. einmal im Rahmen eines genehmigten Freigangs und in Begleitung eines Kriminalbeamten zu Besuch bei ihrem Ehemann im Privatanwesen der Familie war".

Wie eng die Kontakte zwischen Christine Haderthauer und dem wegen dreier Morde verurteilten S. wirklich waren, ist einer der Schlüsselpunkte der Affäre. Die Aussagen gehen weit auseinander. Haderthauer bemüht sich um Distanz und will sich nicht an Besuche erinnern. S. will dagegen mit ihr und ihrem Mann Hubert beim Essen und in einem Kurzurlaub gewesen sein und von beiden das Du angeboten bekommen haben. Die Kontakte sorgen auch deswegen für Aufsehen, weil es seinerzeit in der Bezirksklinik Ansbach erregte Debatten darum gab, welche Gefahr von der Modellbaugruppe um S. ausgehe.

Ein ganzes Bündel von Nachfragen

Der Polizist, der S. privat begleitete, spielt eine wichtige Rolle: Ihm hatte S. seine grausamen Taten gestanden, danach hatten sich beide angefreundet. Das wiederum sorgte beim mittelfränkischen Polizeipräsidium für Interesse. Der inzwischen pensionierte Beamte meldete sich nun von sich aus beim Präsidium und schilderte seine Kontakte. Er habe sie als "ausschließlich privat" bezeichnet, sagte Polizeisprecher Peter Schnellinger, der damit einen Bericht der Fränkischen Landeszeitung bestätigte. Es gebe daher auch keinen Anlass für disziplinarrechtliche Aktionen gegen den Beamten.

Die Frage, unter welcher Aufsicht S. stand, wenn er vor allem mit Hubert Haderthauer außerhalb der Klinik unterwegs war, wird damit interessant. Kliniksprecherin Ariane Peine sagte, in solchen Fällen sei üblicherweise Klinikpersonal dabei, aber keine Polizisten. Zu den Abläufen aus den Neunzigerjahren gebe es aber keine Unterlagen mehr.

Auch die Polizei Mittelfranken bestätigte, es seien keine Polizisten angefordert worden. Der SPD-Abgeordnete Horst Arnold reagierte mit einem ganzen Bündel von Nachfragen. Unter anderem verlangte er von der Staatsregierung Auskunft, welche Sicherheitsregeln für Straftäter wie S. genau gelten.

© SZ vom 23.08.2014/amm
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