Asylpolitik Flüchtlinge im Transitzentrum: "Die ersticken uns hier"

"Die halten mich hier seit neun Monaten fest." Während des organisierten Rundgangs für die Presse protestieren zwei Dutzend Menschen aus Nigeria.

(Foto: Alexandra Beier/Getty Images)

Manching dient als Modell für die geplanten "Ankerzentren", mit denen Bundesinnenminister Seehofer Abschiebungen beschleunigen will. Bei einem Besuch wird die schlechte Stimmung unter den Flüchtlingen deutlich.

Von Constanze von Bullion, Manching

Irgendwann schieben die Männer von der Sicherheit dann ein meterhohes Gitter zwischen sich und die Nigerianer. Nur ein Zaun, und nur der Ordnung halber. Für einen Moment wirken die zornigen Gesichter dahinter wie im Käfig.

Das Transitzentrum für Flüchtlinge in Manching, eine ehemalige Bundeswehrkaserne, liegt hier im Irgendwo zwischen Feldern. Das hier ist nicht das Ende der Welt, aber das Ende einer langen Reise für insgesamt 1100 Menschen, die in und um Manching untergebracht sind.

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Sie kommen aus Nigeria, Afghanistan oder vom Balkan, und sie haben eher schlechte Aussichten, in Deutschland zu bleiben. Geht es nach Bayerns Landesregierung, werden die meisten bald abgeschoben. Geht es nach dem Bundesinnenminister, ist Manching demnächst überall.

Das Transitzentrum bei Ingolstadt dient als Modell für die geplanten "Ankerzentren", mit denen Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ab Herbst Abschiebungen beschleunigen will. In zentralen Asyleinrichtungen soll künftig gebündelt werden, was sich in deutschen Amtsstuben verzettelt: Aufnahme von Flüchtlingen, Identifizierung, Abwicklung des Asylverfahrens, Entscheidung - und dann entweder rein nach Deutschland oder raus, und zwar dalli. So etwa soll das gehen.

Natürlich sorgt das Vorhaben für Ärger, auch im Ort, wo Frau Froschmaier auf "des Gschwerl" schimpft, "die gehören nicht her". Seehofers Asyl- und Abschiebezentren könnten Gewalt und Radikalisierung befördern, wenn dort bis zu 1500 Menschen ohne Perspektive über Monate kaserniert würden, warnen andere. Auch die Gewerkschaft der Polizei motzt, Polizisten hätten keine "Lager" zu bewachen.

Um Ängste abzubauen, hat die Regierung von Oberbayern also ins Transitzentrum Manching eingeladen. Das Tor der Einrichtung steht offen, Asylbewerber gehen ein und aus. "Herzlich willkommen", sagt Martin Nell. Er ist Sprecher der Regierung von Oberbayern und gibt sich beim Rundgang mit der Presse alle Mühe, die guten Absichten der Mitarbeiter hervorzuheben.

Bevor er loslegen kann allerdings, gibt es ein paar Meter weiter Krach. Hier stehen junge Männer und Frauen mit Kinderwagen, sie sind aus Nigeria. "Die ersticken uns hier", ruft Awo Stanley. "Die halten mich hier seit neun Monaten fest." Er habe sich monatelang nach Deutschland durchgeschlagen. Und jetzt? "Das Essen", sagt er. "Ich habe nie so ein Essen gesehen." Dann die Sicherheitsleute, alle arabisch.