Notruftechnik eCall EU will automatischen Notruf in allen Neuwagen

Insgesamt 619 Menschen kamen im ersten Quartal auf deutschen Straßen ums Leben. Von 2015 an soll deshalb eine automatische Notruffunktion in jeden Neuwagen gebaut werden. Sie könnte den Einsatz der Rettungskräfte um bis zu 50 Prozent beschleunigen. Doch die europäischen Autohersteller fordern mehr Zeit für die Umsetzung.

Das automatische Notrufsystem eCall soll künftig bei Autounfällen Leben retten, indem es von selbst die Notrufnummer 112 wählt. 2500 Verkehrstote könnten dadurch nach Angaben der EU pro Jahr in Europa vermieden werden. Von Herbst 2015 an sollen nach dem Willen der EU-Kommission alle neuen Pkw und Nutzfahrzeuge in Europa sowie in Island, Norwegen und der Schweiz damit ausgestattet sein.

"Die neue Technologie hat großes Potenzial, weil sie die Interventionszeit der Rettungsdienste dramatisch verkürzt", erklärte EU-Verkehrskommissar Siim Kallas an diesem Donnerstag in Brüssel. Die EU schätzt, dass damit die Reaktionszeiten bei einem Notfall in städtischer Umgebung um 40 Prozent und auf dem Land um 50 Prozent beschleunigen könnten. Auch Folgeunfälle an ungesicherten Unfallstellen und Staus könnten mit Hilfe von eCall verringert werden.

Bei Aufprall: Anruf

Der ADAC begrüßt das neue System. Autofahrer sollten nach Ansicht des ADAC allerdings neben eCall auch andere automatische Notrufsysteme nutzen können und selbst entscheiden dürfen, ob und an wen ihre Fahrzeug-Daten gesendet werden.

Die europäischen Autohersteller haben sich grundsätzlich für das Notrufsystem in neuen Autos ausgesprochen. Der Verband der europäischen Automobilhersteller ACEA mahnte allerdings, dass das Zeitfenster für die Umsetzung von eCall in neuen Autos sehr eng sei. Die genaue Infrastruktur für die Systeme soll erst im nächsten Jahr geklärt werden. Für die Einführung der Notrufsysteme bräuchten die Hersteller laut ACEA jedoch knapp drei Jahre.

Bei einem Aufprall übermittelt die eCall-Technologie den Standort des Unfallautos direkt an die nächste Notrufzentrale. Die genauen Koordinaten werden detailliert übertragen, so dass der Rettungsdienst genau weiß, wohin er fahren muss. Auch Fahrtrichtung auf Autobahnen und Tunneln sowie der Fahrzeugtyp werden dabei angegeben. Gerade wenn der Fahrer bewusstlos ist, kann der automatische Notruf viel Sinn machen.

Kommunikation mit Rettern

Die Insassen können alternativ auch selbst den Notruf auslösen und mit der Rettungszentrale kommunizieren. Beispielsweise bei Herzinfarkten könnte sich der Fahrer mit einem Knopfdruck schnelle Hilfe holen. Falls keine weitere Hilfe benötigt wird, kann der Notarzt abbestellt werden. Die Sanitäter können wiederum direkt mit den Insassen sprechen, um bei Bedarf mehr Details über die Lage am Unfallort zu erfahren. Wenn bereits Retter dort im Einsatz sind, kann die Notrufzentrale wichtige Informationen zur Erst-Hilfe über eCall weitergeben. Europaweit gilt dann die zentrale Notrufnummer 112, die von eCall angewählt und mit der nächstgelegenen Notrufzentrale verbunden wird.

Vor mehreren Jahren hatte die EU-Kommission die Autohersteller bereits dazu aufgerufen, eCall auf freiwilliger Basis einzuführen. Die Umsetzung verlief den EU-Verantwortlichen zu langsam. Gerade mal 0,7 Prozent der Fahrzeuge verfügt über die eCall-Technologie. Die EU plant, einheitliche technische Standards für eCall einzuführen. Die Kosten für ein eigenes eCall-System schätzt die EU auf etwa hundert Euro pro Fahrzeug. Einer verpflichtenden Umsetzung von eCall müssen nun noch die EU-Staaten und das Europaparlament zustimmen.