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Notrufsystem eCall:Wenn das Auto Hilfe ruft

Von 2013 an sollen Neuwagen mit dem automatischen Notrufsystem eCall ausgerüstet werden - Tausende Menschenleben könnten damit gerettet werden.

Die Crashsensoren schlagen Alarm, Airbags lösen aus, die Gurtstraffer erledigen in Sekundenbruchteilen ihre Arbeit. Kurz darauf setzt die Bordelektronik einen automatischen Notruf ab, bei dem auch die GPS-Koordinaten übertragen werden.

Grafik zum Notrufsystem eCall

Rettungskette: Das System eCall kostet nur etwa 200 bis 300 Euro pro Auto, kann aber bei einem schweren Unfall dafür sorgen, dass die Hilfe schneller als bisher eintrifft - und damit womöglich das Leben Tausender Menschen retten.

(Foto: SZ-Grafik, Quelle: ADAC)

Polizei und Feuerwehr wissen augenblicklich genau, wo das Fahrzeug verunglückt ist - ohne dass ein Mensch, möglicherweise unter Schock, seine Position beschreiben muss. Ganz zu schweigen davon, dass Opfer schwerer Unfälle oft gar nicht mehr in der Lage sind, den Rettungsdienst selbst zu alarmieren.

Das ist keine Zukunftsvision, im Gegenteil: Mercedes-Benz hat dieses System unter der Bezeichnung Tele-Aid (Telematic Alarm Identification On Demand) bereits 1997 gegen Aufpreis in die S-Klasse eingebaut. Der Notruf wurde zunächst an den Dienstbetreiber geleitet, der die GPS-Daten auswertete und die Rettungsleitstelle verständigte.

BMW offerierte seinen Kunden mit BMW Assist zwei Jahre später ein ähnliches System, andere Automobilhersteller folgten. Mercedes hat sein automatisches Notrufsystem allerdings wieder vom Markt genommen, auf breiter Front hat sich die Technik bis heute nicht durchgesetzt.

Das könnte sich jedoch bald ändern. Die EU-Kommission will voraussichtlich Anfang 2011 entscheiden, ob die Ausrüstung von Neuwagen mit dem europaweit einsetzbaren Notrufsystem eCall verpflichtend vorgeschrieben werden soll. Grundlage der Überlegungen: Etwa 40.000 Menschen sterben pro Jahr in Europa im Straßenverkehr; könnte mit eCall schnell Hilfe angefordert werden, ließen sich dadurch etwa 2000 bis 2500 Menschenleben retten, schätzt die EU.

Ursprünglich sollte eCall schon 2009 eingeführt werden, dann aber wurde der Starttermin auf 2013 verschoben. Für realistisch hält der ADAC nun das Jahr 2014, weil an der Umsetzung eine Vielzahl von Interessengruppen aus Industrie und öffentlicher Hand beteiligt sind. "eCall ist eben ein europäisches Projekt", umschreibt es Sprecherin Katrin Müllenbach-Schlimme vorsichtig.