Neue Elektroautos Chinas Tesla ist fast startklar

Ein Bildschirm, so weit das Auge reicht: Das Byton-SUV wird das größte serienmäßige Display der Autoindustrie haben.

(Foto: Future Mobility Corporation)
  • Angeführt von mehreren ehemaligen BMW-Managern formiert sich eine neue chinesische Elektroauto-Marke: Byton.
  • 2019 soll das erste Byton-Modell, ein SUV, in Serie gehen. Eine Limousine und ein Großraum-Van sollen folgen.
  • Anders als andere Elektroauto-Start-ups zielt Byton nicht ins hochpreisige Segment, sondern auf den Massenmarkt.
Von Joachim Becker

Frankfurt, Bahnhofsviertel. Nicht weit entfernt präsentieren die deutschen Autohersteller ihre Elektro-Strategien. Tenor der IAA-Ankündigungen: Vor 2020 muss Tesla kaum gleichwertige Gegner aus dem Geburtsland des Automobils fürchten. Rund 40 Milliarden Euro wird die deutsche Industrie bis 2020 für die Elektromobilität aufwenden. Mehr Aufwand geht kaum, um den Autostandort neu auszurichten. Weniger Aufwand aber sehr wohl.

Letzte Woche in Shanghai: Die Energiewende auf der Straße kann auch Spaß machen. Nicht nur auf Tesla-Partys wird ausgelassen gefeiert. Auch bei dem kleinen Start-up Future Mobility Corporation (FMC) ist die Freude über den nächsten erreichten Meilenstein groß. Die chinesischen Medien berichteten ausführlich über die Vorstellung der neuen FMC-Marke Byton. Der Name steht für "Bytes on wheels", was sich mit Daten auf Rädern übersetzen lässt.

Umriss des Byton-SUV, der Januar 2018 auf der CES in Las Vegas vorgestellt werden soll.

(Foto: Future Mobility Corporation)

China ist nicht gerade arm an neuen Autofirmen. Viele Analysten erwarten jedoch, dass FMC beste Chancen hat, zum neuen Tesla zu werden. Obwohl die frisch gegründete Firma nur aus 250 Experten und einem Kapitalgrundstock von 240 Millionen Euro besteht.

Während die deutschen Platzhirsche auf der IAA Hof halten, meldet sich ein Abtrünniger ganz in der Nähe zu Wort: "Wir kombinieren die Exzellenz der deutschen Premium-Autoindustrie mit der Innovationskraft des Silicon Valley und der günstigen Qualitätsfertigung in China", sagt ein zufriedener Carsten Breitfeld beim Gespräch im Frankfurter Bahnhofshotel.

Im FMC-Management versammeln sich einige Ex-BMW-Größen

Solche Ankündigungen könnte man schnell abhaken, wäre der ehemalige BMW-Top-Manager keine bekannte Größe in der Autoindustrie. Statt Spott sammelt er munter Likes und Investorengelder. In seinem Büro stapeln sich Bewerbungen von Ex-Kollegen aus München. Auch die weltweit führenden Zulieferer signalisieren Unterstützung für das Unternehmen, das Breitfeld vor knapp zwei Jahren mit Daniel Kirchert gegründet hat. Kirchert war China-Chef von BMW und kümmert sich nun um Finanzen und Vertrieb. Breitfeld leitet als früherer BMW-Antriebschef und Vater des i8 die Entwicklung.

Die Süddeutsche Zeitung zeigt weltweit erstmals die Silhouette des 4,80 Meter langen Elektro-SUV, das Anfang 2018 auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas Premiere feiert und 2019 in Serie gehen soll. "Wir werden 2021 mit dem zweiten Derivat kommen, einer Limousine. Ende 2022 wird das dritte Modell starten, ein Großraum-Van für mindestens sieben Personen", kündigt Breitfeld an.

FMC zielt direkt auf den Massenmarkt

Alle Byton-Modelle werden auf derselben Plattform stehen: "Das ist ein wesentlicher Vorteil gegenüber Tesla", glaubt Breitfeld, "wir werden aufgrund unserer Plattformstrategie nur die halben Entwickelungskosten für die drei Modelle haben." Dank extrem niedriger Fixkosten soll sich das Geschäfte schon bei weniger als 200 000 produzierten Fahrzeugen pro Jahr rechnen. Bis 2022 will FMC profitabel sein und 300 000 Autos jährlich verkaufen. Tesla ist auch nach zehn Jahren noch weit von der Gewinnschwelle entfernt.

Anders als Tesla und Start-ups wie Faraday Future zielt FMC nicht ins hochpreisige Segment, sondern direkt auf den Volumenmarkt: Umgerechnet 35 000 Euro soll das Einstiegsmodell mit 57 Kilowattstunden Batteriekapazität kosten. "Das reicht für 350 Kilometer Reichweite", verspricht Breitfeld und kündigt eine Qualitätsanmutung auf dem Niveau deutscher Hersteller an. "Weil wir beim Einkauf in China gegenüber Europa 15 bis 20 Prozent der Kosten sparen, wird unser Elektroauto erschwinglich." Eine größere Batterie für über 500 Kilometer Reichweite und Allradantrieb seien optional erhältlich.