Elektromobilität Kaum jemand will E-Autos mieten

Strominator-Gründer Stefan Moeller mit einer Auswahl seiner E-Autos.

(Foto: Steve Przybilla)
  • Für die großen Autovermieter sind Elektrofahrzeuge noch kein Thema.
  • Die Nachfrage sei zu gering, die Skepsis bei den Kunden in Bezug auf Reichweite und Ladeinfrastruktur sei dagegen groß.
  • Ein Start-up aus Leipzig hat in diesem Markt eine Nische erkannt und vermietet ausschließlich Batterieautos.
Von Steve Przybilla

Was haben Autovermieter und Kaiser Wilhelm II. gemeinsam? Den festen Glauben an den Status quo. Kein Witz: "Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist nur eine vorübergehende Erscheinung", konstatierte der Monarch um das Jahr 1900. Dass schon wenige Jahre später kaum noch ein Pferdefuhrwerk durch die Straßen rollte, konnte sich der Kaiser nicht vorstellen.

Ganz ähnlich stellt sich die Lage bei vielen Autovermietern dar. Mit dem Wandel zur Elektromobilität können selbst große Verleiher derzeit nicht viel anfangen. Europcar und Hertz bieten in Deutschland nach eigenen Angaben keine E-Autos für Privatkunden an. Sixt äußert sich erst gar nicht dazu, wie viele Stromer das Unternehmen vorhält; Auch Avis gibt "aus Zeitgründen" keine Auskunft.

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Die Unternehmen erklären ihre Zurückhaltung mit den Wünschen ihrer Kunden. "Die Neugierde auf Elektrofahrzeuge wächst", heißt es bei Hertz. Von einer großen Nachfrage bei Privatreisenden und Urlaubern sei man aber weit entfernt. "Zu groß scheint hier noch die Unsicherheit in Bezug auf Reichweite und Komfort bei der Verfügbarkeit von Lademöglichkeiten zu sein." Zumal viele Kunden gerade bei Leihautos keine Risiken eingehen wollten - immerhin kennen sie sich am Ort der Anmietung meist nicht aus.

Wie gering das Interesse ist, zeigt sich beim Buchungsportal billiger-mietwagen.de. 8,75 Millionen Mietwagen-Tage wurden im Jahr 2017 über die Internetseite gebucht. Bei nur 3900 waren die Kunden mit Elektro- oder Hybrid-Fahrzeugen unterwegs. Das ist weniger als ein Prozent des Gesamtvolumens. "Der Verbrenner hat eine Reichweite von 500 bis 700 Kilometern", sagt Firmensprecher Frieder Bechtel. Bei Elektroautos seien es hingegen nur 120 bis 200 Kilometer, die bei der Nutzung der Klimaanlage weiter schrumpften. "Das Letzte, was der Urlauber haben will, ist Stress, weil der Ladeplatz zugeparkt ist und die Anzeige auf ,sieben Prozent' steht", sagt Bechtel.

Es gibt viele offene Fragen zu klären

Allerdings wird es Kunden auch nicht leicht gemacht, die Stromer überhaupt zu finden. So existiert auf dem Buchungsportal keine Funktion, mit der man gezielt nach E-Autos suchen könnte. "Unsere Kunden fragen uns sehr selten nach Elektroautos", kontert Bechtel. "Und die Suche nach Mietwagen ist auch jetzt schon komplex. Daher nutzen wir den Platz für Filtermöglichkeiten, die öfter angefragt werden: Versicherungsleistungen, gute Vermieterbewertung, freie Kilometer."

Einen anderen Ansatz verfolgt da das Leipziger Start-up Strominator, das sich auf den Verleih von Elektroautos spezialisiert hat. Das Argument, in Deutschland fehle es an Ladestationen, hält Firmengründer Stefan Moeller für eine Ausrede. "E-Autos passen einfach nicht ins Geschäftsmodell der großen Verleiher", sagt er. "Die leben davon, dass alle paar Minuten ein Auto über den Tresen geht. Wenn man ein Elektroauto verleiht, braucht man aber Zeit für seine Kunden." Wie lange hält der Akku? Wo ist die nächste Ladesäule? Welches Ladekabel passt? Um all das zu erklären, brauche es eine Weile.