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Himalaja:Neuvermessung des Mount Everest steht bevor

File photo of Mount Everest and other peaks of the Himalayan range seen from air during a mountain flight from Kathmandu

8848 Meter ist der Mount Everest (Mitte) hoch, steht bislang in Atlanten. Indische Forscher wollen nun noch mal nachmessen.

(Foto: REUTERS)

Indische Forscher haben den Verdacht, Erdbeben könnten den höchsten Berg der Erde verändert haben.

Zu den Zahlen, die man in einer Quizshow abfragen könnte, gehören wohl die berühmten 8848 Meter - die Höhe des Mount Everest. Seit Jahrzehnten steht dieser Wert unverändert in Atlanten und Schulbüchern sowie heute natürlich auch in Wikipedia. Und wenn man Abbildungen des höchsten Bergs der Welt betrachtet, dann möchte man vermuten, dass dies auch in Jahrzehnten noch so sein wird. Was sollte sich je ändern an diesem majestätischen Naturmonument?

Nun sind indische Wissenschaftler nicht mehr ganz so sicher, ob noch alles beim Alten ist in den eisigen Höhen des Himalaja. Sie wollen, so bestätigt es Swarna Subba Rao, Chef des indischen Vermessungsamts, die Höhe des Mount Everest genau nachmessen. Zum einen sei es eine schöne Übung zum 250. Jubiläum der Behörde. Zum anderen gibt es Spekulationen, wonach Erdbeben, zum Beispiel das von 2015 in Nepal, den Berg verändert haben könnten. Tatsächlich ist die Erdkruste auch im Himalaja in Bewegung. Seit vor einigen Millionen Jahren die Landmasse des heutigen Indien von Süden auf Asien traf, drückt der Subkontinent auf die Eurasische Platte und schiebt sich jährlich etwa drei Zentimeter weit unter diese. Das lässt auch die Gipfel des Himalaja wachsen, immerhin um einige Millimeter pro Jahr. Erdbeben können Lage und Höhe der Gipfel zudem sprungartig ändern.

Experten stehen vor einem Problem: Von wo aus soll man anfangen zu messen?

Mit hochpräzisen GPS-Empfängern werden die indischen Landvermesser den Everest erneut besteigen und ihn gleichzeitig von benachbarten Gipfeln aus anpeilen. So gut ausgerüstet war man in der Mitte des 19. Jahrhunderts natürlich noch nicht. Damals wurden Berge anhand von optischen Winkelbestimmungen vermessen, was jedoch mit beeindruckender Präzision gelang. Im Jahr 1856 wurden 8840 Meter für den Mount Everest berechnet.

Die 8848 Meter ermittelte 1954, ein Jahr nach der Erstbesteigung, jene indische Behörde, die nun erneut nachmessen will. Chinesische Experten präzisierten den Wert im Jahr 1975 auf 8848,13 Meter. Doch solche Zentimeterangaben suggerieren eine Genauigkeit, die es nicht gibt: 2005 kam eine weitere chinesische Expedition auf 8844,43 Meter. Zwischendurch hieß es gar: mehr als 8850 Meter.

Hinderlich für die Messungen sind dabei nicht nur geologische Veränderungen, sondern auch die Eis- und Schneeschicht auf dem Gipfel sowie eine ganz andere Frage: Worauf bezieht sich eigentlich die Höhenangabe? Auf Normalnull, werden nun die meisten Zeitgenossen antworten, auf den Meeresspiegel natürlich. Doch hier wird die Sache kniffelig, denn den "mittleren Meeresspiegel" als solchen gibt es nicht. Die Schwerkraft ist überall auf dem Globus unterschiedlich, daher gibt es abweichende Wasserstände. Schon in Europa gelten verschiedene Referenzorte: Frankreich bezieht sich auf Marseille, Deutschland auf Amsterdam und Italien auf Genua. Das erzeugt Differenzen von fast 30 Zentimetern. Auch Nepal, China und Indien nutzen unterschiedliche Bezugspunkte.

Nun könnte man in Versuchung geraten, die Höhe von Bergen ganz anders zu definieren: als schlichte Differenz zwischen deren Fuß und dem Gipfel. Doch dann läge der höchste Berg der Welt plötzlich ganz woanders: Es wäre der Mauna Kea auf Hawaii.

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