Geologie:Erdbeben in Nepal haben Spannung im Untergrund nicht abgebaut

Earthquake aftermath in Nepal

Folgen des Erdbebens am 29 April 2015 in Kathmandu.

(Foto: dpa)
  • Das Erdbeben im Himalaya im April 2015 hat den Druck der Platten nicht abgebaut.
  • Forschern vermuten, dass die beteiligten Platten unterirdisch noch immer ineinander verkeilt sind
  • Die Spannung könnte einem künftigen Erdbeben zusätzliche Energie verleihen.

Von Marlene Weiß

Das Erdbeben im Himalaya im April 2015 hat womöglich eine Spannung im Untergrund hinterlassen, die sich in künftigen Beben auf fatale Weise entladen könnte. Demnach hätte das Beben bei Kathmandu, bei dem 8000 Menschen starben und Zehntausende obdachlos wurden, den Druck der Platten nicht abgebaut, was nichts Gutes für die Zukunft verheißt.

Wissenschaftler hatten kurz nach dem Beben GPS-Empfänger in der Region verteilt, um Bewegungen der Oberfläche zu beobachten. Auch auf Radarbildern wurde danach gesucht. Doch sie fanden für so ein starkes Beben erstaunlich wenig: Um gerade einmal sieben Zentimeter im Norden, zweieinhalb Zentimeter im Süden verschob sich die Erde rund um das Zentrum des Bebens, schreiben Geophysiker um David Mencin und Roger Bilham von der University of Colorado in Nature Geoscience. Da auch frühere Beben in der Region die Oberfläche kaum verformt haben, schätzen die Wissenschaftler, dass die aufgestaute Spannung an der Stelle einer Verschiebung um 3,5 Meter entspricht: So weit hätte sich die Erdoberfläche aufwerfen müssen, um das Schieben und Zerren im Untergrund vorerst aufzulösen.

Dass dies ausgeblieben ist, spricht laut den Forschern dafür, dass die beteiligten Platten unterirdisch noch immer ineinander verkeilt sind. "Es gibt keine Hinweise darauf, dass das spontan in einem neuen Erdbeben aufbrechen wird", sagt Bilham laut einer Mitteilung seiner Universität. Die Spannung könne aber einem künftigen Erdbeben in der ohnehin gefährdeten Region zusätzliche Energie verleihen. Sollte sie sich auf einmal entladen, wäre womöglich eine noch schlimmere Katastrophe als 2015 zu befürchten.

© SZ vom 14.06.2016/fehu
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB