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Erneuerbare Energien:Windkraft und Photovoltaik legen weltweit deutlich zu

Windräder in Brandenburg: Der Zuwachs an erneuerbaren Energien könnte 2020 zum Erliegen kommen.

(Foto: CHRISTOF STACHE/AFP)

Solar- und Windenergie decken nun rund zehn Prozent des weltweiten Strombedarfs. Die Corona-Pandemie könnte das Wachstum jedoch abwürgen.

Von Christoph von Eichhorn

Totz Corona-Krise und fallendem Strombedarf haben Wind- und Solarenergie im ersten Halbjahr 2020 deutlich zugelegt. Der Anteil dieser erneuerbaren Energien an der weltweiten Stromproduktion stieg laut einer Auswertung des britischen Energiewende-Thinktanks Ember auf 9,8 Prozent. In absoluten Zahlen stieg die Strommenge aus Solar- und Windenergie von 990 auf 1130 Terawattstunden. Seit 2015 hat sich der Anteil von Photovoltaik und Windkraft an der Stromproduktion verdoppelt.

In Deutschland decken die beiden erneuerbaren Quellen derzeit 42 Prozent des Bedarfs, in der gesamten EU 21,4 Prozent. Auch in den USA wuchs die Menge der erneuerbaren Energien im ersten Halbjahr um 16 Prozent. Rechnet man andere Quellen wie Wasserkraft hinzu, decken die erneuerbaren Energien nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) derzeit rund 28 Prozent des Strombedarfs weltweit.

Die Corona-Pandemie gefährdet die weltweite Energiewende

Der Zuwachs geht laut den Analysten von Ember vor allem auf Kosten der Kohle. In den USA und der EU sank die Menge an Kohlestrom im ersten Halbjahr jeweils um mehr als 30 Prozent - obwohl etwa die Regierung Donald Trumps die heimische Kohleindustrie vehement unterstützt. Weltweit schrumpfte die Kohlestrom-Menge um 8,3 Prozent. Allerdings lassen sich zwei Drittel des Rückgangs mit einem gesunkenen Bedarf infolge des Wirtschaftseinbruchs erklären und nur rund ein Drittel damit, dass erneuerbare Energien Kohle vom Markt verdrängen. Zudem schrumpft die Kohleverstromung noch immer nicht schnell genug, damit die Pariser Klimaziele erreicht werden können. Um einen Anstieg der weltweiten Temperaturen um mehr als 1,5 Grad zu verhindern, wäre laut einer Analyse des Portals CarbonBrief ein Rückgang um 13 Prozent pro Jahr nötig, und das mindestens bis 2030.

Zwar hat die Corona-Pandemie bislang keinen Effekt auf die Stromproduktion durch Erneuerbare. Dieser könnte sich aber umso dramatischer nächstes Jahr zeigen. Denn den aktuellen Anstieg steuern hauptsächlich Anlagen bei, die im vergangenen Jahr gebaut wurden. Laut einer Prognose der IEA wird der Zuwachs an neuen Windrädern oder Solarparks in diesem Jahr 13 Prozent unter dem Vorjahreswert liegen - ein Rückfall auf den Wert von 2015. Unterbrechungen von Lieferketten, Kontaktbeschränkungen und zunehmend auch finanzielle Schwierigkeiten infolge der Corona-Krise bedrohen demnach den weiteren Zuwachs der erneuerbaren Energien in vielen Ländern.

Anmerkung: In der ersten Version des Artikels hieß es, die Strommenge aus Solar- und Windenergie sei auf 1230 Terrawattstunden (TWh) gestiegen. Richtig ist 1130 TWh.

© SZ/cvei/jrod
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