Biologie:Vögel auf Trüffeljagd

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Luxus-Genuss im Sommer mit Périgord-Trüffeln aus Down Under

Trüffeln sind als Delikatesse bekannt. Zu der Pilzgattung gehören aber auch weniger beachtete Arten.

(Foto: The Truffle & Wine Co./dpa-tmn)

Nicht nur Säugetiere durchwühlen den Waldboden nach Trüffeln. Biologen haben dokumentiert, dass auch südamerikanische Sperlingsvögel die verborgenen Pilzknollen aufspüren.

Pilze mit oberirdischen Fruchtkörpern wie Champignons oder Boviste können ihre Sporen einfach in die Luft freisetzen. Dagegen bilden andere Pilze wie die Trüffeln unterirdische Knollen und sind zur Verbreitung ihrer Sporen auf Tiere angewiesen. Bisher dachte man, nur Schweine und andere Säugetiere würden Trüffelpilze fressen und so deren Sporen mit dem Kot verbreiten. Doch jetzt haben US-amerikanische Biologen entdeckt, dass sich auch bestimmte südamerikanische Sperlingsvögel teilweise von unterirdisch wachsenden Pilzknollen ernähren und keimfähige Sporen ausscheiden. Die Forscherinnen und Forscher um Matthew Smith von der University of Florida dokumentierten ihre Entdeckung im Fachblatt Current Biology.

Die Biologen hatten während eines Forschungsaufenthaltes in Patagonien Schwarzkehl- und Weißkehltapaculos (Pteroptochos tarnii und Scelorchilus rubecula) - zwei dort verbreitete Arten von Sperlingsvögeln - bei der Nahrungssuche beobachtet. Die Tiere verbrachten täglich Stunden damit, im Waldboden zu scharren und nach Essbarem zu picken: nach Würmern, Insekten, Samen, Beeren - und eben auch Trüffeln. Die Forscher konnten beobachten, dass die Vögel Trüffelpilze freilegten und fraßen. Zu dieser Gattung, botanisch Echte Trüffeln genannt, zählen viele verschiedene Pilze, darunter auch die begehrten Delikatessen.

Um die ungewöhnliche Ernährungsweise der Sperlingsvögel genauer zu dokumentieren, sammelten die Forscher 169 Kotproben der Vögel. Tatsächlich konnten sie in etwa 40 Prozent der ausgewerteten Proben DNA verschiedener Trüffelarten nachweisen. Mindestens die Hälfte dieser Sporen waren noch keimfähig.

Die Autoren schließen nicht aus, dass auch in anderen Ökosystemen Vögel auf diese Weise zur Verbreitung von Pilzen beitragen könnten. Unklar ist allerdings, wie die Vögel die im Boden verborgenen Knollen finden. In Nordamerika und Europa helfen Schweine und trainierte Hunde dabei, kulinarisch genutzte Trüffeln anhand von Geruchsstoffen aufzuspüren. Für die südamerikanischen Vögel könnten dagegen auch optische Signale von Bedeutung sein, schreiben die Studienautoren. So bilden einige der in Patagonien beheimateten Trüffelpilze kaum Geruchsstoffe, ihre Knollen ähneln aber in Form und Farbe Beeren, die den Vögeln ebenfalls als Nahrung dienen. Möglicherweise hat sich im Lauf der Evolution das Aussehen von Trüffeln in dieser Region so verändert, dass Vögel die Knollen besser als Nahrungsquelle erkennen und nutzen können.

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