Verhaltensforschung:Dschungelkrieg um Land

Schimpansen töten Artgenossen manchmal so organisiert, dass einige Wissenschaftler von Kriegen sprechen. Die Gründe dafür sind offenbar nicht Streit um Futter oder Weibchen - sie wollen neues Territorium gewinnen.

Christian Weber

Spätestens seit Jane Godalls Beobachtungen 1974 im Gombe-Nationalpark in Tansania weiß man, dass Schimpansen Artgenossen so organisiert töten, dass manche Autoren von Kriegen sprechen.

Krieg der Schimpansen

Ein Schimpanse über einem getöteten Artgenossen aus einer anderen Gruppe. Vor allem Schimpansenmännchen machen Patrouillengänge außerhalb der Grenzen ihres Territoriums. Die Tiere legen dabei große Strecken zurück, bewegen sich in einer Reihe und verhalten sich außergewöhnlich ruhig.

(Foto: John Mitani/Uni of Michigan)

Umstritten waren die Gründe - geht es um Weibchen, Nahrung, oder handelt es sich um reine Aggression? Die Studie eines Teams um den Primatologen John Mitani von der University of Michigan deutet nun endgültig daraufhin, dass es den Tieren vor allem um Territorialgewinne geht (Current Biology, online).

Die Forscher hatten zehn Jahre lang die 150 Tiere der Ngogo-Schimpansenkolonie im Kibale Nationalpark in Uganda beobachtet. In dieser Zeit wurden sie Zeugen von insgesamt 18 tödlichen Attacken auf Angehörige der benachbarten Kolonie, zudem fanden sie Spuren dreier weiterer Tötungsakte.

Ihnen fiel auf, dass fast alle Angriffe von Männchen ausgeführt wurden, die im Nordosten außerhalb der Grenzen ihres Territoriums sogenannte Patrouillengänge machten. Bei diesen legten die Tiere große Strecken zurück, bewegten sich in einer Reihe und verhielten sich außergewöhnlich ruhig.

Stießen sie auf fremde Weibchen und Junge, griffen sie sofort an. Über die Jahre vertrieben die Ngogo-Schimpansen offensichtlich erfolgreich ihre Artgenossen: Im Sommer 2009 besiedelten sie das neue Gebiet und erweiterten so ihr Territorium um 22 Prozent.

Die Forscher zögern dennoch davor, die Schimpansen-Aggressionen mit Menschen-Kriegen zu vergleichen. Vielmehr lieferte die Studie neue Einsichten, "warum wir so außergewöhnlich kooperativ sind", sagt Mitani. "Denn auch die tödliche Interaktion zwischen Gruppen erfordert männliche Koalitionen, die zusammenarbeiten."

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