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Überfischung der Meere:Gesunder Mix für die vegetarische Forelle

Bei der Futterformulierung komme es auf Ausgewogenheit an, erklärt Florian Nagel von der GMA: "Man sollte nicht einfach das gesamte Fischmehl durch nur eine Zutat wie Soja ersetzen, sondern eine Mischung aus verschiedenen alternativen Rohstoffen wählen. So kann man die Vorteile jeder Pflanze nutzen und potenzielle Nachteile ausbalancieren."

Für vegetarische Forellen bestehe ein gesunder Mix zum Beispiel aus Raps, Soja, Weizen, Vitaminen, Mineralien sowie Ölen und ein paar Aminosäuren. Nagel und seine Kollegen suchen nach technischen Möglichkeiten, um alle möglichen Futterrohstoffe so aufzubereiten, dass sie den Fischen schmecken und deren Gesundheit nicht schaden. Dabei stehen ihnen in der Regel nur solche Zutaten zur Verfügung, die nicht direkt in die menschliche Ernährung gehen.

Zusätzlich müssen Fischzüchter mit den Landtierproduzenten um diese Rohstoffe konkurrieren. "Fische kommen oft zuletzt", sagt Nagel. Er begrüßt, dass die Europäische Kommission Schlachtabfälle von Schweinen und Geflügel wieder als Fischfutter zugelassen hat. "Es herrscht Rohstoffknappheit, von der der Verbraucher im Supermarkt aber nichts mitbekommt." Schlachtabfälle seien eine wertvolle Proteinquelle, die man nicht ungenutzt lassen dürfe.

Fichtenholz in der Nahrungskette

Aus demselben Grund will Margareth Øverland auf noch ungewöhnlicher klingende Futterquellen ausweichen. Sie meint, bedenkenlos auch Methangas und Fichtenholz in die Nahrungskette der Fische und damit der Menschen einschleusen zu können. Bakterien sollen sich von diesen Zutaten ernähren, sich rasant vermehren und dann im Futter landen.

Das Bakterium Methylococcus capsulatus etwa kann Methan als Energiequelle für sein eigenes Wachstum verwerten; und Hefekulturen könnten auf Fichten-Spänen wachsen. "Die sterilisierte und getrocknete mikrobielle Biomasse besteht zu 70 Prozent aus Protein", erklärt Øverland und lobt die hochwertige Zusammensetzung der Eiweißstoffe. Ähnliches gelte für Algen, die man mit Kohlendioxid etwa aus den Schornsteinen von Kohlekraftwerken füttern könnte. Nach einem erfolgreichen Pilotversuch in Brandenburg lasse sich diese Futterquelle schon bald auf Fisch-Farmen nutzen.

Versuche ihrer Arbeitsgruppe hätten gezeigt, dass die mikrobiellen Futterzusätze von Lachsen besser vertragen werden als etwa Soja, berichtet Øverland. Allerdings sinke bei Alternativkost der Gehalt der wertvollen Omega-3-Fettsäuren im Fleisch der Tiere um etwa 30 Prozent. Gerade diese Fettsäuren aber tragen erheblich dazu bei, dass Fisch so gesund ist.

Und wie schmeckt Fisch, der mit Bakterien gefüttert wurde statt mit Fisch? Øverland kann es noch nicht sagen: "Wir haben noch keine sensorischen Tests gemacht." Bislang haben die norwegischen Wissenschaftler nur Schweine und Geflügel verkostet, die Mikrobenprotein im Futter hatten. Die Qualität, beteuert Øverland, sei sehr gut gewesen.

© SZ vom 18.03.2013/mcs
Naturschutz Überfischung der Meere Video
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Überfischung der Meere

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