Studie des Umweltbundesamts:Doppelt so starke Anstrengungen wären nötig

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Die Wirklichkeit sieht anders aus. Als die Bundesregierung jüngst Daten über das Fortkommen der Energiewende vorlegte, musste sie auch das Versagen im Klimaschutz einräumen. Mit den bisherigen Maßnahmen, legte sie dar, werde sich wohl nicht einmal das Ziel bis 2020 erreichen lassen: eine Minderung der Treibhausgasemissionen um 40 Prozent, verglichen mit 1990. Die Experten, die die Daten der Regierung überprüften, reagierten alarmiert. "Um das auch im Koalitionsvertrag noch einmal bekräftigte Treibhausgasziel für 2020 noch zu erfüllen", so ist in ihrer Stellungnahme zum Regierungsbericht zu lesen, "müssten ab heute die Emissionen jährlich doppelt so stark reduziert werden wie im Durchschnitt der Jahre von 2008 bis 2012."

Denn was heute nicht erreicht wird, kommt morgen obendrauf. Die Dimension für die Jahre 2020 bis 2050 lieferte die vierköpfige Expertengruppe auch gleich mit: Um den Kohlendioxid-Ausstoß bis 2050 nahezu komplett zu beenden, müsste der Rückgang von 2020 an jährlich 7,9 Prozent betragen - ein ambitioniertes Unterfangen, zwischen 1990 und 2012 waren es im Schnitt nur 1,3 Prozent pro Jahr.

"Wir sind in eine Stillstands-Phase getreten", warnt Hans-Joachim Ziesing, einer der vier von der Bundesregierung eingesetzten Experten. Um dort herauszukommen helfe nur eins: Effizienz. "Das ist die entscheidende Größe, um die Klimaziele zu erreichen", sagt er. Das wiederum gelinge nur, wenn Verkehr und Gebäude ihren Energieverbrauch drastisch reduzieren - hier durch sparsamere Autos, neue Antriebe und mehr Bahnverkehr, dort durch besser gedämmte Häuser und effizienteren Umgang mit Wärme und Strom. Etwa so also, wie es auch die Uba-Studie vorsieht.

Derzeit tüftelt die Bundesregierung an einem Plan, um das 40-Prozent-Ziel doch noch zu erreichen. "Wir werden unsere Anstrengungen erhöhen müssen", sagt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Andernfalls lande Deutschland 2020 bei einem Minus von 33 bis 35 Prozent. Nötig sei ein "ressortübergreifendes Aktionsprogramm", das auch Bau und Verkehr umfasst. "Sonst werden wir es nicht schaffen." Dann bliebe auch das klimaneutrale Deutschland im Jahr 2050 eine schöne Utopie: theoretisch möglich, praktisch nicht.

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