Biophysik Spinnen auf Flugreise

Eine Spinne kurz vor dem Abflug.

(Foto: Michael Hutchinson)
  • Biophysiker haben untersucht, wie Spinnen es ohne Flügel schaffen, hunderte Kilometer weit und vier Kilometer hoch zu fliegen.
  • Offenbar nutzen die Tiere nicht nur den Wind, sondern auch das elektrische Feld der Erde, um mit einer Art selbstgewebtem Teppich durch die Luft zu segeln.
Von Tina Baier

Wer schon in Panik gerät, wenn in irgendeiner Zimmerecke eine friedliche Hausspinne sitzt, sollte jetzt lieber nicht weiterlesen. Für Arachnophobiker ist es nämlich wahrscheinlich besser, nicht zu wissen, dass viele Spinnen fliegen können und dabei auch noch feinste Fäden in der Luft hinterlassen.

Wie die Tiere es ohne Flügel schaffen, hunderte Kilometer weit und bis zu vier Kilometer hoch zu fliegen, haben Biophysiker der University of Bristol jetzt genauer untersucht (Current Biology). Ihren Ergebnissen zufolge nutzen die Tiere nicht nur den Wind, sondern auch das elektrische Feld der Erde, um mit einer Art selbstgewebtem fliegenden Teppich durch die Luft zu segeln.

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Schon länger ist bekannt, dass Spinnen, die vorhaben auf Reisen zu gehen, ein typisches Verhalten zeigen: Sie klettern auf eine möglichst hoch gelegene Stelle, eine Blüte zum Beispiel, strecken ihre acht Beine durch und beginnen wie auf Zehenspitzen zu trippeln. Dann schießen sie aus ihren Spinnwarzen am Hinterleib ein ganzes Bündel von Fäden in die Luft, die sich wie eine Art Fächer aufspreizen. An diesem Gebilde hängend segeln die Tiere dann durch die Luft.

Die meisten Spinnenforscher sind bisher davon ausgegangen, dass das funktioniert, weil der Wind das Seidengefährt erfasst und durch die Luft trägt. Diese Theorie kann allerdings nicht erklären, warum Spinnen auch bei völliger Windstille abheben und mit beträchtlicher Geschwindigkeit davonfliegen können.

Dass die Fäden nicht zusammenkleben, sondern eine Art fliegenden Teppich bilden, war ein Hinweis, dass "abstoßende elektrostatische Kräfte im Spiel sind", sagt Studienautorin Erica Morley. Ein anderer war, dass viele Tiere, vor allem Insekten in der Lage sind, elektrische Felder wahrzunehmen. Hummeln zum Beispiel nutzen bei der Suche nach Nektar die elektrischen Felder von Blüten. Und Honigbienen kommunizieren auf diese Weise mit Artgenossen im Stock.

Um zu testen, ob solche Kräfte auch bei den fliegenden Achtbeinern eine Rolle spielen, setzte Morley Baldachinspinnen im Labor einem elektrischen Feld aus, das sie ein- und ausschalten konnte. Sobald sie einschaltete, machten sich die Tiere startklar, suchten nach einem günstigen Platz zum Abheben und flogen davon. Schaltete die Biophysikerin das Feld ab, während die Tiere in der Luft waren, begannen sie nach unten zu trudeln. Schaltete sie wieder ein, bekamen die Spinnen wieder Auftrieb. Auch wenn dieses Experiment den Mechanismus noch nicht genau erklären kann, zeigt es doch, dass Spinnen elektrische Felder wahrnehmen und offensichtlich nutzen können, um durch die Luft zu segeln.

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