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Landwirtschaft:Hoffen auf die Wunderfliege

Powerriegel für Bello und Co. - Insekten als Tierfutt

Soldatenfliegen haben keinen Mund und keinen Stachel und können deshalb auch keine Krankheiten übertragen.

(Foto: Patrick Pleul / picture alliance / dpa)
  • Die Maden der Soldatenfliege können Müll in hochwertiges Eiweiß verwandeln.
  • Einige Forscher und Unternehmer halten sie deshalb für ein optimales Tierfutter.
  • Doch um sie in großem Stil einsetzen zu können, müssten noch viele Fragen geklärt werden.

Ob sie tatsächlich einmal entdeckt werden wird, die Eier legende Wollmilchsau? Und falls ja: Wie würde dieses Wunderwesen wohl aussehen, dem zugetraut wird, auf einen Schlag jede Menge drängender Probleme zu lösen? Wie immer man sich eine solche Alleskönner-Kreatur vorstellt - wohl die wenigsten Menschen würden bei dem Gedanken daran an Maden denken: an pralle, gut zwei Zentimeter lange, bräunliche Maden.

Und doch haben es eben solche Tiere in letzter Zeit geschafft, jede Menge Hoffnung und viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Die Larven der Soldatenfliege könnten helfen, den enormen Fleischhunger einer stetig wachsenden Weltbevölkerung zu befriedigen - und zwar sowohl ökologisch wie auch ökonomisch verträglicher, als dies bisher möglich ist. Dabei geht es nicht einmal darum, dass die Soldatenfliege direkt auf dem menschlichen Speiseplan landet. Das empfehlen nur ein paar ganz Hartgesottene. Selbst in jenen Teilen der Welt, in denen regelmäßig Insekten gegessen werden, kommen diese Maden nur sehr selten auf den Tisch.

In Deutschland gibt es bereits Zuchtanlagen für die Insekten

Als nahezu unübertreffbar preisen ihre Fans die Fliegenlarven dagegen als Nahrungsgrundlage für Rind, Schwein, Geflügel und Fisch. Diese Tiere benötigen viel hochwertiges Protein im Futter. Bisher liefern vor allem Soja, Mais und Fischmehl das nötige Eiweiß. Doch riesige, als Monokultur bewirtschaftete Plantagen verursachen ebenso wie Aquakulturen ökologische Probleme. Ein Ausweg könnte die Soldatenfliege sein.

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Die Maden liefern viel Eiweiß. Sie lassen sich leicht halten und vermehren, benötigen nicht viel Platz und sind sehr flexibel, was ihren eigenen Speiseplan betrifft. Sogar von Küchenabfällen, Mist und Gülle können sie leben. Es klingt perfekt: Indem die Soldatenfliege Abfall vernichtet, ohne selbst große Forderungen zu stellen, macht sie andere Nutztiere groß und stark.

Möglich, dass die Soldatenfliege einen Teil ihres Rufes als Problemlöser vor allem dem geschickten Marketing einiger Start-ups verdankt. Bisher verhindern zumindest in der Europäischen Union Sorgen um die Futtermittelsicherheit die Nutzung der Larven, und Experten warnen vor zu hohen Erwartungen. Dennoch halten auch Yu-Shiang Wang und Matan Shelomi von der National Taiwan University die Soldatenfliege als Futtermittel für "das Insekt der Wahl", wie sie in einer Übersichtsarbeit im Fachmagazin Food schreiben.

Wissenschaftlich unter dem Namen Hermetia illucens bekannt, stammt das Insekt ursprünglich aus den subtropischen und tropischen Lagen Amerikas. In den 1920er-Jahren tauchte die Soldatenfliege erstmals in Europa auf, 2010 auch in Deutschland. Die adulten Tiere sind ein bis zwei Zentimeter groß und zeichnen sich vor allem dadurch aus, was sie alles nicht haben und tun: keinen Mund, keine Beiß- oder Stechwerkzeuge - also auch keine Möglichkeit, Krankheiten zu übertragen.

Ausgewachsene Soldatenfliegen leben nur wenige Tage, in denen sie sich paaren und in denen ein Weibchen bis zu 500 Eier auf einmal legt. Die etwa vier Tage später geschlüpften Larven kennen für die nächsten zwei Wochen nur ein einziges Ziel: fressen. Pro Tag nehmen die Maden bis zum Doppelten ihres eigenen Gewichts zu sich.

Der unersättliche Appetit der Soldatenfliegenlarven kann für den Menschen überaus nützlich sein - zum Beispiel, wenn die Maden sich an Gülle, Mist oder Gemüseresten sattfressen. Nicht nur reduzieren die Tiere so den Abfall, sondern sie machen ihn auch weniger attraktiv für andere Fliegen und vermindern seinen Phosphat- und Stickstoffgehalt. Das kommt der Umwelt zugute, wenn Landwirte mit der Gülle düngen.