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Schlammvulkan Lusi:Die größte Dreckschleuder der Welt

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Wo früher Bauern ihre Reisfelder bestellten, findet sich heute eine graue Schlammwüste.

(Foto: AFP)
  • Seit 2006 bricht der Lusi auf Indonesien ununterbrochen aus, Zehntausende Kubikmeter Schlamm ergießen sich jeden Tag in die Umgebung.
  • Als Antrieb des Naturspektakels fungiert der benachbarte Vulkankomplex Arjuno-Welirang.
  • Über einen unterirdischen Korridor strömen Magma und heißes Wasser in das Sediment-Reservoir des Lusi.

An der Oberfläche ist Lusi schwer zu übersehen. Er brodelt und blubbert, in seinen Spitzenzeiten hätte der Schlammvulkan auf der indonesischen Insel Java täglich 72 olympische Schwimmbecken mit gräulichem Matsch füllen können. Seit elf Jahren ist Lusi kontinuierlich aktiv, seine Umgebung hat er längst mit einer dicken Schicht aus Sedimenten bedeckt.

Mit Temperaturen von mehr als 100 Grad Celsius quillt die Masse an die Erdoberfläche und verschlingt ganze Dörfer. Wo früher die Bauern der Stadt Sidoarjo ihre Reisfelder bestellten, köchelt nun ein gigantischer Schlammsee. Er raubt den Einheimischen ihre Existenzgrundlage. Lusi ist der größte Schlammvulkan der Erde, und derjenige, der den größten Schaden anrichtet.

Lange Zeit blieb jedoch unklar, was das zerstörerische Werk von Lusi antreibt. Ein Forscherteam um Adriano Mazzini von der Universität Oslo hat dieses Rätsel nun gelöst. Unter der Oberfläche ist Lusi offenbar bestens vernetzt, wie die Forscher im Fachblatt Journal of Geophysical Research: Solid Earth berichten. In der unmittelbaren Nachbarschaft liegt der Vulkankomplex Arjuno-Welirang. Eine geologische Anomalie, die sogenannte Watukosek-Verwerfung, verbindet Lusi mit diesem Vulkansystem. Bei dieser Verwerfung handelt es sich um ein Netz von Bruchstellen im Gestein, die in einer Tiefe von bis zu sechs Kilometern liegen.

Ein Korridor im Untergrund verbindet Lusi mit einem benachbarten Vulkankomplex

Dieses Netz bildet dabei eine Art Korridor, welcher von den Magmakammern des Arjuno-Welirang zum Sediment-Reservoir des Lusi führt. "Wir haben klare Beweise, dass beide Systeme in der Tiefe miteinander verbunden sind", sagt Mazzini. Durch den Tiefenkorridor wird Lusi mit Antriebsstoff versorgt - er stammt direkt aus der Magmakammer des Vulkankomplexes.

Magma und extrem heißes Wasser, das wegen des hohen Drucks selbst bei Temperaturen von weit mehr als 100 Grad noch flüssig sein kann, dringen in das Sediment-Reservoir von Lusi ein. Das organische Material liegt dort seit Millionen Jahren - es wurde abgelagert, als die Region einst vom Meer bedeckt war. Der heiße Zustrom aus der Magmakammer lässt in den Sedimenten Gase entstehen, der Druck im Reservoir steigt an.

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Durch die gestiegene Spannung kommt das Reservoir in Bewegung. Das heiße Wasser vermischt sich mit den Sedimenten, es entsteht eine schmutzige Substanz, die dem Schlammvulkan seinen Namen gibt. Das Gemisch sucht sich einen Weg nach oben. Den findet es an Stellen, wo das Gestein geschwächt ist, dort kann sich der Schlamm einen Weg an die Oberfläche bahnen.

Und das wird wohl noch lange so weitergehen. Die Forscher vermuten sogar, dass das vulkanische Netz des Arjuno-Welirang weiter nach Norden wandert, und damit in Richtung von Lusi. Ein Indiz für diese These ist, dass die jüngste vulkanische Erhebung des Komplexes, der Penanggungan, Lusi am nächsten liegt.

Der Name Lusi stammt aus dem indonesischen Wort für Schlamm, "Lumpur", und "Sidoarjo", der nächstgelegenen Ortschaft im Osten Javas: Aus Lumpur Sidoarjo wurde kurz Lusi. Prinzipiell haben Schlammvulkane wenig mit herkömmlichen Vulkanen gemein, sie ähneln in ihrer Funktionsweise eher Geysiren. Aschefontänen oder austretendes Magma produzieren sie nicht. Sie haben auch nicht die charakteristische Kegelform: Schlammvulkane sind flach. Aus den Öffnungen im Boden treten Flüssigkeiten und Sedimente hervor, die sich ins Umland ergießen.