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Kampf um Artenvielfalt:Grüne Krieger

Südafrika Krüger Nationalpark Krügerpark Ranger

Mit einem Sturmgewehr bewaffnet patroulliert ein Ranger der South African National Parks (SANParks) im Krügerpark. Auch die Wilderer, die Jagd auf die Nashörner dort machen, sind manchmal mit solchen Waffen ausgerüstet.

(Foto: AFP)

Weltweit kämpfen Ranger in Schutzgebieten für das Überleben von Nashörnern, Elefanten, Gorillas. Doch im Kampf gegen Wilderer begeben sie sich häufig selbst in Lebensgefahr. Denn der Gegner ist mit Macheten und sogar Schnellfeuergewehren bewaffnet. Ein Besuch beim World Ranger Congress in Tansania.

Auf frischer Tat ist der Wilderer ertappt. In die Enge getrieben. Er schwitzt. Vollgepumpt mit Adrenalin. Kein Leugnen und keine Flucht sind ihm mehr möglich. Nur eins: Angriff. Mit einem Parang, einem halbmeterlangen, pfundschweren Haumesser stürmt er auf den Ranger zu. Der hat nichts zur Abwehr, nur sich selbst.

Das ist kein Spiel. Es geht ums Töten oder Getötetwerden. So ein Parang zerteilt mühelos dicke Äste, trennt genauso leicht Arme vom Rumpf, spaltet Köpfe. Es geht um Bruchteile von Sekunden.

Einen Versuch hat der Ranger, dem Angriff zu begegnen. Einen einzigen. Er weicht aus, der wuchtige Hieb geht ins Leere, er tritt den Wilderer in die Kniekehle, der stürzt zu Boden, der Angriff ist überstanden.

Naturschutz in Tansania

Ranger Philbert Joseph bewacht den Zaun des Mkomazi Rhino Sanctuary in Mkomazi, Tansania.

(Foto: Getty Images)

Keith Roberts lacht und hilft seinem Partner auf, der eben noch den Part des Wilderers übernommen hat. Er gibt ihm den harmlosen Knüppel zurück, der die tödliche Waffe darstellt - alles nur Show. Dann wird der Ranger aus Tansania wieder ernst: "Vergesst den ganzen Kampfsport-Quatsch. Wenn euch jemand angreift, müsst ihr dem Hieb ausweichen oder Fersengeld geben. Sonst seid ihr tot oder habt wenigstens den Arm verloren." Die Umstehenden nicken. Sie sind alle Ranger, manche haben bereits Freunde und Kollegen im Busch verloren.

Schauplatz der kleinen Unterrichtsstunde ist der 7. World Ranger Congress. 264 Delegierte aus 40 Ländern haben sich in Arusha, einer Stadt in Tansania in Sichtweite des Kilimandscharo getroffen, um über aktuelle Entwicklungen im Naturschutz zu sprechen, über die Situation in ihren Parks und Ländern, und um voneinander zu lernen. Es ist eine Mischung aus Familientreffen, Infobörse und Zukunftswerkstatt.

Aus natur 3/2013

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  • Der Text stammt aus der März-Ausgabe von natur, dem Magazin für Natur, Umwelt und nachhaltiges Leben. Er erscheint hier in einer Kooperation - mehr aktuelle Themen aus dem gerade erschienenen Heft 4/2013 auf natur.de...

Selbstverständlich gibt es Vorträge zu hören und Filme zu sehen. Es gibt Arbeitsgruppen und Hintergrundgespräche, etwa darüber, wie Ranger gegenüber der Öffentlichkeit und Politikern auftreten. Aber es gibt eben auch jeden Morgen eine Lotterie, bei der Bücher, Bierkühler oder Kalender zu gewinnen sind, ein Fußballturnier und Exkursionen - schließlich kann man Menschen, die sonst jeden Tag draußen sind, nicht die ganze Woche in ein Hotel sperren.

Einige Formalitäten gehören bei einem Ranger-Kongress natürlich trotzdem dazu: Etwa der feierliche Fahnenappell am ersten Tag. Hier zeigt sich auch schon, wie bunt die Truppe ist; da weht Sierra Leone neben Malaysia und den Vereinigten Staaten, Finnland neben Kongo und Jordanien. Noch bunter sind die Uniformen und die Aufnäher an den Ärmeln. Gestickte Paradiesvögel und Berge, Bäume und Blumen. Hüte, Kappen, Barette in Grün und Beige. Manche tragen Uniformen mit Bügelfalte, andere Tarnanzüge im Mix von Braun und Grün.

File of members f the Pilanesberg National Park Anti-Poaching Unit stand guard as conservationists and police investigate the scene of a rhino poaching incident in South Africa

Ranger bewachen im Pilanesberg National Park in Südafrika eine Stelle, wo Wilderer ein Nashorn getötet haben.

(Foto: REUTERS)

Doch dann, als es in den Tagungssaal geht, haben viele bereits ihre Uniformen abgelegt und gegen Shorts und T-Shirts eingetauscht. Nur ein paar afrikanische Ranger tragen weiterhin Kleidung, die ihnen ein militärisches Aussehen verleiht.

Die Stunden sind angefüllt mit Powerpoint-Präsentationen und Diskussionen. Und auch in den Pausen kreisen die Gespräche immer wieder um das zentrale Thema der Konferenz: Wilderei in Afrika. 2012 war das blutigste Jahr seit mehr als zwei Jahrzehnten. 10. 000 Elefanten und über 600 Nashörner wurden getötet. "Und das sind nur die Arten, die Aufsehen erregen", sagt Keith Roberts, der die Wildlife Division in Tansania berät und unter anderem Rangern Selbstverteidigung beibringt. In sachlichem Ton erzählt er von wöchentlichen Scharmützeln, verrottenden Kadavern in Schlingen und was er seiner kleinen Tochter antwortet, wenn sie fragt, wie die Einschusslöcher ins Auto gekommen sind: "Ich beschütze Tiere vor Menschen, und die schießen auf uns."