Quer über den Nordpol:Klimawandel öffnet neue Schiffsrouten in der Arktis

Klima-, Arten- und Umweltschützer sorgen sich um die Arktis, wo das Packeis in den vergangenen Jahren dramatisch zurückgegangen ist. Frachtunternehmer und Reedereien hoffen dagegen auf neue Schifffahrtsrouten, die sich im hohen Norden auftun.

Von Patrick Illinger

Arktis-Passagen

In Zukunft werden Schiffe in der Arktis vermutlich neuen Routen folgen können.

(Foto: Laurence C. Smith/Scott R. Stephenson)

Die Arktis schmilzt, daran besteht kein Zweifel mehr. Nur 3,4 Millionen Quadratkilometer Packeis waren im Spätsommer 2012 rund um den Nordpol zu finden. Noch vor zehn Jahren betrug das jährliche Minimum mehr als sechs Millionen Quadratkilometer.

Setzt sich der Trend fort, wird sogar der Nordpol selbst phasenweise eisfrei sein. Das alarmiert Klima-, Arten- und Umweltschützer. Frachtunternehmer und Reedereien hingegen blicken mit Interesse auf mögliche Schifffahrtsrouten, die sich im hohen Norden auftun.

Auf welchen Wegen man in Zukunft über die Nordost- und die Nordwestpassage oder gar direkt über den Pol Schifffahrt betreiben kann, haben nun Geografen der University of California in Los Angeles berechnet (PNAS Plus, online).

Auf der Basis gängiger Klimamodelle, haben die Forscher mit einer Navigationssoftware neue Schifffahrtsrouten ermittelt, die sich bis zur Mitte dieses Jahrhunderts jeweils im September öffnen werden, dem Monat mit dem wenigsten Packeis.

Schiffe mit einer gewissen Eisfestigkeit werden dann sogar direkt über den Pol fahren können. Die Polroute wäre ein Fünftel kürzer als die heute genutzte Nordostpassage. Die Nordwestpassage dürfte sich bis 2050 in jedem zweiten Jahr öffnen. Dem Panama- und dem Sueskanal machen die neuen Schifffahrtswege allerdings kaum Konkurrenz, betonen die Forscher.

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