bedeckt München

Neue Raubtierart entdeckt:Flauschige Mischung aus Teddybär und Katze

Zum ersten Mal seit 35 Jahren wurde in der westlichen Hemisphäre wieder eine neue Raubtierart entdeckt. Der Olinguito gehört zur Familie der Kleinbären und lebt in den Nebelwäldern der Anden. Museums-Exponate führten Forscher auf seine Spur.

Er sieht aus wie eine Mischung aus Teddybär und Katze. Am wohlsten fühlt er sich in schwindelerregender Höhe auf Bäumen, von denen er nur selten herunterkommt. Und obwohl der Olinguito ein Raubtier ist, frisst er am liebsten Früchte.

Das Außergewöhnlichste an dem Tier aber ist, dass mit ihm im 21. Jahrhundert überhaupt noch eine neue Raubtierart entdeckt worden ist. "Die Entdeckung des Olinguitos zeigt, dass die Welt noch nicht völlig erforscht ist und noch nicht alle ihre grundlegenden Geheimnisse aufgedeckt sind", sage Olinguito-Entdecker Kristofer Helgen vom Smithsonian's National Museum of Natural History in Washington dem Fachmagazin ZooKeys.

Zufallsfund im Museum

Auch die Entdeckungsgeschichte des kleinen Bären ist ungewöhnlich. Eigentlich wollten Helgen und sein Team herausfinden, wie viele Arten von Makibären, auch Olingos genannt, es gibt und wo genau sie leben. Dazu haben die Wissenschaftler unter anderem alte Museums-Exponate vom Beginn des 20. Jahrhunderts untersucht. Dabei stießen sie immer wieder auf kleinere Exemplare mit ungewöhnlich geformten Schädeln und Zähnen und dichterem Fell. Den Aufzeichnungen zufolge stammten diese Tiere alle aus einem Gebiet in den nördlichen Anden. Genetische Untersuchungen der Exponate bestätigten, dass es sich um eine eigene Art handelte.

Eigentlich hätte sie ja schon viel früher entdeckt werden können, denn zwischen 1967 und 1976 lebte ein Exemplar namens Ringerl in verschiedenen Zoos der USA - unter anderem im National Zoo in Washington. Ringerl hatte man damals für einen Olingo gehalten und sich gewundert, warum sie mit anderen Olingos keine Nachkommen zeugte.

Bei einer Expedition in das südamerikanische Gebirge fanden die Forscher nun tatsächlich lebende Exemplare der Olinguitos. Die nachtaktiven Tiere kommen nach bisherigem Erkenntnisstand nur dort in den Nebelwäldern vor, 1500 bis 2700 Meter über dem Meeresspiegel.

Dieser Lebensraum schwindet allerdings zusehends. "42 Prozent der Nebelwälder in den Anden sind bereits in Ackerland und Siedlungsfläche umgewandelt worden", erklärt Helgen.

In den Nebelwäldern der Anden lebt eine Vielzahl von Arten, die nirgendwo sonst zu finden sind. Viele dieser Tiere seien vom Aussterben bedroht. "Wir hoffen, dass der Olinguito zu einem Botschafter für die Nebelwälder Ecuadors und Kolumbiens wird und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf diese entscheidenden Lebensräume lenkt", so Helgen.

© Süddeutsche.de/dpa/aba/mcs/rus

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite