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Neil Armstrong ist tot:Still und weise

Rund eine halbe Milliarde Fernsehzuschauer verfolgten vor 43 Jahren in körnigen Schwarz-Weiß-Bildern die Eroberung des Mondes - Neil Armstrong wurde weltberühmt. Dennoch blieb er bescheiden. Er war ein Mensch, den vor allem eines antrieb: der Traum vom Fliegen.

Leben

15 Bilder

Former astronauts Neil Armstrong testifies before the House Science and Technology committee hearing in Washington

Quelle: REUTERS

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Neil Armstrong hat Geschichte geschrieben, als er am 21. Juli 1969 als erster Mensch den Mond betrat. Nun ist er im Alter von 82 Jahren verstorben.

Am 21. Juli 1969 betrat zum ersten Mal ein Mensch den Mond. Die Bilder und Worte von Neil Armstrong im weißen Raumanzug brannten sich in das Gedächtnis der Menschheit ein: Vorsichtig klettert er aus der Mondfähre Eagle, setzt den Fuß auf die Mondoberfläche, spricht die berühmten Worte: "Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit."

Neil Armstrong, Edwin Aldrin

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Rund eine halbe Milliarde Fernsehzuschauer verfolgten 1969 die körnigen Schwarzweißbilder ehrfürchtig vor ihren Geräten.

SPACE-NASA-MOON

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Als Kommandant der Apollo-11-Mission war es Armstrong, der die Bodenkontrolle Stunden zuvor in den Abendstunden des 20. Juli von der erfolgreichen Landung unterrichtet hatte: "Houston, hier ist der Stützpunkt 'Meer der Ruhe'. Der Adler ist gelandet! (Houston, Tranquility Base here. The Eagle has landed)" Mit dem ersten menschlichen Fußabdruck in einer außerirdischen Welt sicherte sich Armstrong einen Platz in der Geschichte, den er seiner Ansicht nach gar nicht verdiente.

Astronaut Edwin E. Aldrin steigt die Stufen von Apollo 11 hinab

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Die nach dem Fußabdruck wohl berühmtesten Bilder der Mondlandung zeigen allerdings nicht Armstrong, sondern den zweiten Mann auf dem Mond, Edwin "Buzz" Aldrin, hier beim Ausstieg aus der Landefähre . . .

Mondlandung von Apollo 11

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... und auf der Oberfläche des Erdtrabanten. Die zwei Astronauten verbrachten etwa zweieinhalb Stunden damit, die Mondlandschaft rund um den Landeplatz zu erkunden. Die Oberfläche beschrieb Armstrong wie pulverige Kohle: "Ich kann sie mit der Stiefelspitze aufwirbeln."

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Aufgrund der geringeren Anziehungskraft des Mondes federten Armstrong und Aldrin in ihren schwerfälligen Raumanzügen bei ihren Schritten anmutig und wie in Zeitlupe. Die beiden Moonwalker machten Fotos, sammelten Gesteins- und Bodenproben und installierten Messinstrumente. Sie setzten die US-Flagge und . . .

´Mann im Mond" mit Rätseln - Neil Armstrong wird 80

Quelle: dpa

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. . . hinterließen eine Plakette mit der Inschrift: "Hier setzten Menschen vom Planeten Erde erstmals ihren Fuß auf den Mond. Juli 1969 AD. Wir kamen in Frieden für die ganze Menschheit."

MONDFÄHRE DER APOLLO 11 IM FLUG

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Am 21. Juli 1969 koppelte die Mondfähre wieder an die Apollo-11-Kommandokapsel Columbia an. Am 24. Juli kehrten die Mondfahrer zur Erde zurück. Die berühmte Apollo-11-Mission, Armstrongs zweiter und letzter Ausflug ins All, war beendet.

Außerirdischen waren die Astronauten nicht begegnet, auch wenn Armstrong sich vorstellen konnte, dass es sie gibt. Wie er in einem seiner seltenen Interviews erklärte, sei er sicher, "irgendwann werden wir erfahren können, ob es andere Gesellschaften irgendwo auf anderen Planeten gibt".

´Mann im Mond" mit Rätseln - Neil Armstrong wird 80

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Armstrong (hier nach der Rückkehr in die Kommandokapsel im Mondorbit) wurde am 5. August 1930 in Ohio auf der Farm seiner Großeltern bei Wapakoneta als Sohn eines staatlichen Rechnungsprüfers geboren. Schon früh faszinierten ihn Flugzeuge; als Teenager arbeitete er auf einem nahegelegenen Flughafen. Bereits mit 14 Jahren verdiente er sich Geld für Flugunterricht. Mit 15 Jahren nahm er Flugstunden, an seinem 16. Geburtstag erhielt er seine Pilotenlizenz.

Er begann ein Studium, um Flugzeugingenieur zu werden, kam zum Militärdienst, wurde zum Marineflieger ausgebildet und nach Korea geschickt. Dort flog er 78 Kampfeinsätze und wurde einmal abgeschossen, konnte sich jedoch mit dem Fallschirm retten. Hochdekoriert kehrte er 1952 zurück und studierte in Indiana an der Purdue-Universität Luftfahrttechnik. Schließlich erwarb er an der University of Southern California einen Abschluss als Luftfahrtingenieur.

Armstrong and X-15

Quelle: Nasa

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1955 begann Armstrong seine Karriere als Testpilot an der High-Speed Flight Station der Edwards Air Force Base in Kalifornien, wo er etwa 50 verschiedene Flugzeugtypen flog. (Im Bild: Armstrong 1960 nach einem Flug mit dem Experimentalflugzeug X-15.)

1962 ereilte Armstrong ein schwerer Schicksalsschlag, als seine zweijährige Tochter Karen starb. "Ich dachte, das Beste was ich in dieser Situation für mich tun konnte, war, meine Arbeit fortzusetzen, so normal wie eben möglich", hat Armstrong einmal in einem Interview gesagt. Bereits 1957 war sein Sohn Eric auf die Welt gekommen, 1963 folgte dann Sohn Marc. Beide haben ihren Vater in jener Zeit nicht häufig zu sehen bekommen, wie dieser vor einigen Jahren einräumte - ein gutes Stück lebensweiser geworden: "Was ich bedauere, ist, dass meine Arbeit so viel Zeit kostete und so vieler Reisen bedurfte. Diese Zeit konnte ich nicht mit meiner Familie verbringen, als meine Kinder aufwuchsen."

Gemini 8

Quelle: Nasa

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1962 wurde Armstrong unter 300 Bewerbern für das Astronautenprogramm der USA ausgewählt. 1966 gehörte er zu den Chefpiloten der Gemini 8 beim ersten Dockmanöver mit einer Agena-Rakete (im Bild von Gemini 8 aus gesehen).

Als die Raumkapsel wegen eines technischen Defekts außer Kontrolle geriet, brachte Armstrong sie wieder in die Umlaufbahn zurück und landete sicher im Atlantik. Seine Reaktionsfähigkeit rettete ihm auch am 6. Mai 1968 das Leben, als ein Trainings-Mondlandegerät auf einem Routineflug abstürzte und er mit einem Fallschirm abspringen konnte.

Armstrong machte nicht viel Federlesens darum, dass er nur knapp dem Tod entronnen war. Im Gegenteil, er kehrte sofort in sein Büro zurück. "Es gab dort Arbeit zu tun", sagte der Astronaut rückblickend.

Apollo 11 Eagle Landefähre

Quelle: Nasa

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2005 betonte der berühmteste Astronaut aller Zeiten in einem seiner seltenen Interviews im US-Fernsehsender CBS, er habe seinen Weltruhm gar nicht verdient: "Ich war nicht auserkoren, der Erste zu sein. Ich war nur ausgewählt, diesen Flug zu befehligen. Die Umstände haben mich in diese besondere Rolle gebracht."

Erst vor wenigen Jahren wurde bekannt, welche "Umstände" an Bord der Mondlandefähre Eagle (im Bild nach der Abkopplung von der Kommandokapsel) dazu führten, dass Armstrong und nicht Aldrin zuerst einen Fuß auf den Mond setzten durfte. Aldrin brach nach 40 Jahren sein Schweigen und erzählte, dass seine depressive Mutter sich kurz vor der Apollo-11-Mission umgebracht hatte.

"Sie hatte Angst vor der Öffentlichkeit, vor dem Trubel, der nach der Mondlandung über sie hereinbrechen würde", sagte Aldrin. "Die Wahrheit war: Ich wollte da nicht als Erster hinaus. Ich wollte die Öffentlichkeit nicht, in Wahrheit wollte ich ja nicht mal mehr dabei sein bei dem ersten Flug."

´Mann im Mond" mit Rätseln - Neil Armstrong wird 80

Quelle: dpa

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Das Verhältnis zwischen den drei Apollo-11-Mitgliedern - neben Armstrong (links) und Aldrin (rechts) war noch Michael Collins (Mitte) dabei, der das Mutterschiff Columbia während der Landung der Eagle um den Mond herumfliegen musste - war nie eng.

Während Aldrin mit dem Leben haderte, Probleme mit Alkohol bekam, zwei Scheidungen durchlebte und zeitweise arbeitslos war, wurde Armstrong stellvertretender Leiter des Aeronautik-Büros der Nasa in Washington.

Ein Jahr später verließ Armstrong die Behörde wieder und wurde Professor für Raumfahrt-Ingenieurswesen in Cincinnati. 1979 wechselte er in die Wirtschaft, wo er für verschiedene Unternehmen in Aufsichtsrats- oder anderen Führungspositionen tätig war. Armstrong gründete auch eigene Firmen und brachte es zum mehrfachen Millionär.

Neil Armstrong Performs With Cincinnati Symphony Orchestra

Quelle: AFP

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Im Herbst 1989 trat er in das Direktorium der Thiokol Corp. ein, dem Hersteller jener Booster-Rakete, deren Explosion im Januar 1986 die Raumfähre Challenger zerriss und zum Tode der ganzen Besatzung führte. Der Raumfahrt hat er sich bis heute verschrieben. Vor sieben Jahren noch rief er die Amerikaner auf, den Plan des damaligen Präsidenten George W. Bush für eine künftige Mond- und Marsexpedition zu unterstützen.

´Mann im Mond" mit Rätseln - Neil Armstrong wird 80

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Als Bushs Nachfolger Barack Obama (rechts) im Februar 2010 das Programm zur Rückkehr amerikanischer Astronauten auf den Mond absagte, gehörte Armstrong (zweiter von links, daneben Collins und Aldrin) zu den prominentesten Kritikern. Vor dem Senat erklärte er, die Pläne Obamas drohten die USA im Wettbewerb mit Russland und anderen Raumfahrtnationen zurückzuwerfen.

Als Armstrong vor einigen Jahren gefragt wurde, ob er sich vorstellen könne, zum Mond zurückzufliegen, und später zum Mars aufzubrechen, sagte er: "Ich denke nicht, dass ich die Chance kriege. Aber ich würde nicht sagen, dass ich nicht zur Verfügung stünde."

Neil Armstrong ist am 25. August 2012 im Alter von 82 Jahren nach einer Bypass-Operation verstorben.

© sueddeutsche.de/AFP/dpa/mcs/sana/plin
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