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Mikrobiologie:So verkeimt sind Planschbecken

Messe "Garten München", 2014

Ist das Wasser im Planschbecken immer sauber genug?

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Sommerliche Hitze und Schmutz im Badewasser bieten die ideale Umgebung für Mikroben.
  • Experten schätzen die Gefahr zwar als nicht sehr hoch ein, in einem privaten Planschbecken zu erkranken. Doch das Risiko existiert.
  • Sie empfehlen, das Wasser regelmäßig zu wechseln.

Wer einen Garten hat und kleine Kinder, der spurtet an den ersten heißen Tagen des Jahres vermutlich in den Keller, um ein aufblasbares Planschbecken heraufzuholen. Mikrobiologen indes gruselt es ein wenig vor diesen sommerlichen Spielgeräten. Die sind optimale Brutstätten für Bakterien, Pilze und andere Kleinstlebewesen, von denen einige Menschen durchaus krank machen können.

Systematische Untersuchungen zur Keimzahl in privat genutzten Planschbecken gibt es zwar noch nicht, doch es existieren zahlreiche Berichte von verkeimten öffentlichen Brunnen, um deren Wasserqualität es kaum besser bestellt ist. In vielen Brunnen wird das Wasser mit Pumpen lediglich umgewälzt, mitunter vom Frühjahr bis zum Herbst.

Medizin Schadstoffe in der Schwimminsel
Toxikologie

Schadstoffe in der Schwimminsel

Der stechende Geruch war ein erster Hinweis: in 15 von 20 Wasserspielzeugen fanden Chemiker Reste von Lösungsmitteln. Am stärksten war ein Ball belastet, der als "schadstoffgeprüft" zertifiziert war.   Von Hanno Charisius

Immer wieder erkranken Kinder an Durchfall, nachdem sie in solchen Anlagen gespielt haben. Da hilft auch kein Schild, das darauf hinweist, dass hier kein Trinkwasser plätschert. Sogar Legionellen wurden in öffentlichen Brunnen bereits aufgespürt, diese Bakterien können Lungenentzündungen oder grippeartige Symptome mit Fieber verursachen. Eine australische Untersuchung gibt es, die mehrere Wellen von Durchfallerkrankungen betrachtete. Als Ursache machten die beteiligten Wissenschaftler in einigen Fällen verschmutzte Kleinschwimmbecken aus: In deren Wasser schwammen reichlich Fäkalkeime.

Die kleinen Becken sollten jeden Abend ausgeleert und am Morgen frisch gefüllt werden

Die Gefahr, in einem privaten Planschbecken zu erkranken, stuft Christina Otto, Leiterin des Fachgebietes Mikrobiologie des Trink- und Badebeckenwassers im Umweltbundesamt, generell als gering ein, "aber es ist nicht auszuschließen, dass ein hygienisches Risiko bestehen kann".

Diese Becken haben meist ein kleines Volumen, und durch die Kinder seien "gewisse Einträge" möglich. Eine schmutzige Unterhose genügt bereits, um Keime ins Becken zu bringen, die sich im allmählich wärmer werdenden Wasser prächtig vermehren können. Planschbecken in Kindertagesstätten sollen jeden Abend ausgeleert und am Morgen frisch gefüllt werden. Das empfiehlt Otto auch für den privaten Bereich.

Die Wassermengen in den inzwischen auch von Discountern vertriebenen größeren Pools sind hingegen zu groß für eine tägliche Befüllung. Hier empfiehlt Ottos Kollege Alexander Kämpfe, den Angaben der Hersteller zu folgen und Chlor in das Wasser zu mischen. "Damit ist es jedoch nicht getan. pH-Wert und Chlormenge müssen regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls korrigiert werden", sagt Kämpfe.

Ein Bakterium alleine macht nicht unbedingt krank

Bei reichlich Sonnenschein zersetzt sich Chlor schneller als an trüben Tagen. Außerdem empfiehlt er, auf ausreichend Frischwasserzusatz zu achten; es kann nicht schaden, täglich etwa 30 Liter pro Benutzer durch frisches Wasser zu ersetzen, "so wie es in öffentlichen Schwimmbädern gemacht werden muss".

Auch Dirk Bockmühl tauscht das Wasser im Planschbecken seiner Kinder regelmäßig. Er ist Professor für Hygiene und Mikrobiologie an der Hochschule Rhein-Waal in Kleve und Autor des Buches "Keim daheim". Er kennt zwar auch keine konkreten Fallzahlen, aber aus mikrobiologischer Sicht könne man die Risiken abschätzen. Er betont jedoch auch, dass ein Bakterium alleine noch nicht ausreicht, um einen Menschen krank zu machen. Entscheidend sei die Zahl der Keime, wie sie in den Körper gelangen und nicht zuletzt auch, wie es um die Abwehrkräfte des Badenden steht.

Von keimtötenden Mitteln in kleineren Planschbecken rät der Mikrobiologe dringend ab, die Dosierung sei schwierig. Außerdem könnten die Chemikalien den dünnen Kunststoff angreifen. "Im Zweifel kann man da mehr falsch machen als richtig."

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