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Konferenz in Paris:Warum dieser Klimagipfel ein Erfolg werden könnte

Big Heads - COP21 Climate Change Conference

Aktivisten stellen zum Auftakt des Klimagipfels in Paris ein Essen von Frankreichs Präsident Hollande, Chinas Präsident Xi, US-Präsident Obama, Indiens Premierminister Modi und Bundeskanzlerin Merkel nach.

(Foto: dpa)

Die Chancen stehen so gut wie nie, dass die internationale Politik tatsächlich etwas gegen die Erderwärmung unternimmt. Die Sache hat jedoch einen Haken.

Kommentar von Michael Bauchmüller

Widerstand ist, wenn man trotzdem kämpft. In Paris haben das Tausende bewiesen, die am Sonntag trotz eines Demonstrationsverbots auf die Straße gingen - als Spaziergänger mit Transparenten und Clownnasen. Die Terroristen haben Angst verbreitet und so die mutmaßlich größte Klimaschutz-Demo aller Zeiten vereitelt. Den Willen zum Kampf gegen die Erderwärmung konnten sie aber nicht brechen. Nicht umsonst führte der friedliche Spaziergang bis zum Bataclan, jenem Schauplatz des Terrors. Und gelegentlich hielt dort sogar die Wagenkolonne eines Staatschefs - ein kleiner Zwischenstopp am Vorabend des großen Auftritts.

Denn die Demonstrationen ihrer Bürger kontern die Staats- und Regierungschefs diesen Montag mit Reden und neuen Bekenntnissen zum Klimaschutz. Beim Gipfel in Paris wird vieles ähnlich klingen wie 2009, als ein ähnliches Treffen in Kopenhagen scheiterte. Es wird Hilferufe ärmerer Staaten geben und Zusagen der reicheren, nun endlich den Abschied von fossilen Energien einzuleiten. Sicher wird es Mahnungen geben, dass es höchste Zeit sei, die Erderwärmung in den Griff zu bekommen; diese Erkenntnis ist in den vergangenen sechs Jahren noch einmal ordentlich gereift. Die Temperatur stieg derweil weiter. Was also wird sich ändern?

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Die Chancen stehen besser, doch die Sache hat einen Haken

Die Chancen stehen diesmal besser als in Kopenhagen, aus zwei Gründen. Zum einen sehen viele Staaten im Abschied von Kohle, Öl und Gas nicht mehr zwingend den Abschied von Wachstum und Wohlstand. Erneuerbare Energien sind mittlerweile selbst in Ländern wie China, Indien und den USA eine ernsthafte, auch wirtschaftliche Alternative geworden. Zum anderen sind zum ersten Mal alle Staaten bereit, etwas gegen die Erderwärmung zu tun. Paris könnte das Ende einer Welt markieren, in der die alten Industriestaaten alleine Emissionen senken sollen - während ihre verlängerten Werkbänke in Asien munter neue Treibhausgase produzieren.

Doch die Sache hat einen Haken. Zwar ist erstmals ein Klimaabkommen in Sicht, das alle Staaten umfasst - jedoch vor allem auf freiwilliger Basis. Jedes Land kann selbst bestimmen, wie viel Abschied es nehmen will und wann. Wenn es gut läuft in Paris, dann vereinbaren die Staaten zumindest einen Mechanismus, mit dem sich das Erreichte alle paar Jahre überprüfen lässt - in der Hoffnung, dass die Staaten allzu dürftige Ziele noch nachbessern. Schon jetzt ist klar, dass die freiwilligen Zusagen nicht reichen werden, den Anstieg der Erdtemperatur genügend in Schach zu halten.

Die Bürger sind weiter als ihre Regierungen

Es wird deshalb weiter diejenigen brauchen, die am Wochenende überall auf der Welt auf der Straße gewesen sind. Denn auch das hat sich nicht geändert seit Kopenhagen: Die Bürger sind weiter als ihre Regierungen. Soll die Konferenz von Paris in möglichst vielen Staaten Spuren hinterlassen, eine Wende einläuten im Umgang mit fossiler Energie, dann geht das nur mit den vielen. Den vielen, die selber etwas unternehmen - und die ihre Regierenden regelmäßig fragen, was aus deren großen Worten geworden ist. Damals, in Paris.

© SZ vom 30.11.2015/sks
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