Biologie:Zu hartes Futter? Kakadus haben einen Trick

Biologie: Schon länger ist etwa bekannt, dass Goffinkakadus ganze Werkzeug-Sets benutzen und diese selbst herstellen können.

Schon länger ist etwa bekannt, dass Goffinkakadus ganze Werkzeug-Sets benutzen und diese selbst herstellen können.

(Foto: Alamy Stock Photos / M.by.JXL/mauritius images / Alamy Stock P)

Die hochintelligenten Goffinkakadus betreiben einen Aufwand mit ihrer Nahrung, der selbst Forscher erstaunt.

Von Tina Baier

Wenn es ums Essen geht, sind Goffinkakadus sehr erfinderisch: Sie basteln Werkzeuge, um an Futter zu kommen, das sie mit dem Schnabel nicht erreichen. Im Labor ziehen, schieben oder drehen sie alle möglichen Arten von Verschlüssen, um Boxen zu öffnen, in denen leckere Cashewkerne liegen. Und wenn es sein muss, benutzen sie ihren Schnabel sogar als Schraubenzieher und drehen einfach die Schrauben aus dem Deckel, um ihn aufklappen zu können.

Dass die etwa 30 Zentimeter großen schneeweißen Vögel noch eine andere erstaunliche Fähigkeit haben, konnten Jeroen Zewald und Alice Auersperg vom Messerli Forschungsinstitut an der Veterinärmedizinischen Universität in Wien beobachten: "Die Kakadus bereiten sich ihr Futter zu, um ihr Essenserlebnis zu verbessern", sagt Alice Auersperg. Genauer gesagt tunken sie Zwieback in Wasser, damit er schön weich wird und sich besser fressen lässt. Ähnlich wie ein Mensch, der ein hartes Biscotto in seinen Cappuccino taucht. Ein solches Verhalten sei bei Tieren sehr selten, schreiben die Forschenden in ihrer Studie, die im Wissenschaftsjournal Biology Letters erschienen ist.

Essen zuzubereiten, ist ein Zeichen von Intelligenz

Auersperg und Zewald entdeckten diese bisher unbekannte Fähigkeit der Goffinkakadus, die in freier Wildbahn auf einigen indonesischen Inseln vorkommen, durch Zufall. Beim Füttern der Vögel beobachteten sie einen der Kakadus namens Pipin, wie er ein Stück Zwieback in die Wasserschale tauchte, in der die Tiere normalerweise baden. Nach einiger Zeit fischte Pipin den Zwieback wieder heraus und fraß ihn. Kurze Zeit später bemerkten die Forschenden, dass auch Kiwi und Muki, zwei weitere Vögel aus der Gruppe, ihren Zwieback vor dem Essen wässerten.

Um dem merkwürdigen Verhalten der Kakadus auf den Grund zu gehen, beobachtete Zewald zwölf Tage lang das Verhalten der Vögel beim Mittagessen, das ihnen jeden Tag pünktlich um 14.00 Uhr serviert wird. So fand er heraus, dass nicht nur Pipin, Kiwi, und Muki ihr Futter ins Wasser tauchten, sondern auch noch vier weitere Kakadus aus der Gruppe, in der 18 Vögel zusammenleben.

Dass die Vögel den Zwieback ins Wasser tunken, um ihn bekömmlicher zu machen, schließen die Forschenden aus verschiedenen Beobachtungen. Zum einen wässerten die Vögel fast ausschließlich Zwieback, obwohl ihr Mittagessen auch Samen, Trockenfrüchte, Trockengemüse und andere Zutaten enthält. "Dazu kommt, dass Kakadus, die alleine gefüttert wurden und nicht befürchten mussten, dass ihnen ein anderer Vogel den Zwieback wegschnappt, mehrere Sekunden lang warteten, bis sie den Zwieback wieder herausholten", sagt Auersperg. Manche drehten das Zwiebackstückchen nach einiger Zeit sogar um - so als wollten sie sicherstellen, dass es von beiden Seiten schön gleichmäßig durchweicht. "Ob das wirklich die Intention ist, wissen wir nicht", sagt Auersperg, aber "so lange zu warten und einen derartigen Aufwand zu betreiben, ist schon bemerkenswert."

Die weißen Papageien sind als Haustiere ungeeignet - sie müssen ununterbrochen beschäftigt werden

Überhaupt schien den Kakadus kaum ein Aufwand zu hoch zu sein, um dem Zwieback die leckere, matschige Textur zu verleihen. Sogar wenn sich die Futterschale auf dem Boden der Voliere befand und das Wasserreservoir oben an der Decke, flogen sie mit dem Zwieback im Schnabel den weiten Weg. "Manchmal fiel das Stück herunter, dann hoben sie es auf und transportierten es noch einmal nach oben", sagt Auersperg.

So erstaunlich es ist, dass Goffinkakadus zwar noch nicht das Kochen, aber so etwas wie eine Vorstufe davon erfunden haben: Wer wie Auersperg und Zewald täglich mit diesen hochintelligenten Vögeln zu tun hat, wundert sich wahrscheinlich über gar nichts mehr.

Schon länger ist etwa bekannt, dass die Papageien ganze Werkzeug-Sets benutzen und diese selbst herstellen können. "Wild lebende Goffinkakadus in Indonesien verwenden zum Beispiel einen 'Keil', ein 'Messer' und einen 'Löffel', um an schwer zugängliches Fruchtfleisch zu kommen", sagt Auersperg. Mit dem Keil öffnen sie die Frucht, mit dem Messer zerschneiden sie diese und mit dem Löffel holen sie schließlich das Fruchtfleisch heraus.

Wegen ihrer hohen Intelligenz, gepaart mit einem unbändigen Bewegungsdrang ist es praktisch unmöglich, Goffinkakadus artgerecht als Haustiere zu halten. "Ein Goffinkakadu ist wie ein dreijähriges Kind, mit dem man viel spielen, für das man dreimal am Tag kochen muss und das 40 Jahre lang nicht erwachsen wird", sagt Auersperg.

In Wien ist ein ganzes Team, damit beschäftigt, für die Tiere zu sorgen. Gekocht wird abwechselnd, zum Frühstück gibt es unter anderem Blumenkohl, einen Nudelmix und Kartoffeln: Die Vögel müssen wählen können, damit es ihnen gut geht. Die weißen Papageien haben einen Sandkasten, eine Hängebrücke und ein Karussell, das reicht aber nicht, ständig muss sich irgendjemand ein neues Spielzeug ausdenken. "Die Kakadus wollen aber auch kognitiv gefordert werden", sagt Auersperg. Wenn mal wieder eine Studie ansteht, für die sie zeigen können, wie sie Werkzeuge basteln oder kompliziert verschlossene Boxen öffnen, freuen sich die Vögel und machen begeistert mit.

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