Geschichte des Bieres:Brot in Bier und und Butter drauf

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Gäste im Münchner Hofbräuhaus, 1930

Brezn und Bier: Gäste im Münchner Hofbräuhaus im Jahre 1930.

(Foto: Süddeutsche Zeitung Photo)

Gab es bestimmte Biertrinker-Zielgruppen in der antiken Gesellschaft?

Bier wurde bei religiösen Zeremonien verwendet, denn die Götter sollten ja genauso gut wie die Menschen mit Lebensmitteln versorgt werden. Vor allem aber fand es in urbanen Gegenden Verbreitung. Die Wasserqualität in Städten war seit der Antike bis vor hundert Jahren schlecht, weshalb dort viel Bier getrunken wurde. Denn es war ja nicht nur Flüssigkeit, sondern gleichzeitig nahrhaft. Für die armen Leute gab es ein dünnes Bier. Für die reicheren Menschen, den Export und die Seefahrt wurde hochwertigeres Bier hergestellt.

Waren die Städter demnach ständig latent betrunken?

Ganz so krass darf man sich das nicht vorstellen. Durch die relativ kurze Vergärung war der Alkoholgehalt der frühen Biere relativ gering. Man schätzt zwischen 0,7 und 1,5 Prozent. Zum Sattwerden gab es als Alternative zu Bier übrigens die typischen germanischen Getreidebreie. Denn Brot, wie es die Römer herstellten, war hierzulande sehr lange unbekannt. Erst im 14., 15. Jahrhundert wurde Sauerteigbrot populär. Das wurde im ausgehenden Mittelalter übrigens in Bier gebrockt, dann wurde Butter drauf gegeben.

Seit wann wird das Bier, wie wir es heute kennen, gebraut?

Das hat sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelt. Durch die Napoleonischen Kriege war das alte Zunftwesen beendet worden, nun konnten wesentlich mehr Leute Bier brauen. Die Hauptbraunation war um das Jahr 1800 Jahr England. Damals reisten zwei junge Brauer dorthin: Gabriel Sedlmayr von der Münchner Spatenbrauerei und sein Spezi Anton Dreher aus Wien von der Schwechater Brauerei. Sie waren ungefähr gleich alt, verstanden sich gut und reisten zum Lernen nach England.

Klingt nach Wirtschaftsspionage.

In der Tat. Sie hatten beispielsweise hohle Wanderstecken, in denen sie Glasbehälter mit Bier- und Malzproben verstecken konnten. Eines der großen Probleme damals war, dass man nicht genau wusste, was beim Brauprozess passiert. Durch technische Neuerungen und Erfindungen - zum Beispiel Thermometer - waren die Engländer da schon weiter.

Trinken die Menschen auf dem Münchner Oktoberfest also eigentlich englisches Bier?

Nein, denn die Münchner haben ihre eigene Variante entwickelt, die auf dem traditionellen bayerischen Brauverfahren fußte. Die Engländer brauten obergärig. In Bayern braute man untergärig und das eignete sich hervorragend für eine industrielle Herstellung - wenn man das Bier kühlen kann, denn untergäriges Bier war im 19. Jahrhundert wesentlich haltbarer als obergäriges. Durch die niedrigeren Gärtemperaturen war auch das Infektionsrisiko etwas geringer. Darum lagerte man es zuerst im Keller, später kühlte man es mit Natureis.

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