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Spanien im Mittelalter:Warlord "El Cid" - Krieg war sein Geschäft

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Die Statue des "Cid" in Burgos

(Foto: AFP)

Spaniens berühmtester Ritter war Grenzgänger zwischen muslimischen und christlichen Mächten. Und er war gefürchtet - selbst vor seiner Leiche sollen Feinde geflohen sein.

Krieg war sein Geschäft, keine Frage. Doch was an der Geschichte von Rodrigo Diaz de Vivars Wahrheit und was eine verklärte Abenteuerstory aus der Zeit der Reconquista ist, lässt sich sehr schwer auseinanderhalten. Jedenfalls wurde "Rodrigo, Sohn des Diego" um 1045 in Spanien geboren und starb 1099 in einer Schlacht gegen die nordafrikanischen Almoraviden bei der Verteidigung Valencias, das er eben erst zurückerobert hatte.

Beim Kampf der Christen gegen die Mauren und Araber, der im Mittelalter jahrhundertelang auf der iberischen Halbinsel tobte, spielte der Ritter eine schillernde Rolle. Mit seinem kastilischen König Alfons VI. war der "Cid" - eine Ableitung seines arabischen Beinamen "al sayyid", der " Herr" - heftig zerstritten, führte er doch eine kleine unabhängige Söldnertruppe an und beherrschte mit diesen Raubrittern sehr geschickt das neu eroberte Gebiet um Valencia.

Mit seinen christlichen Rittern, denen er als eine Art "Warlord" vorstand, stärkte Rodrigo seine Position gegenüber seinem Widersacher, König Alfonso VI. Diesem warf er vor, Schuld am Tod seines Bruders Sancho II. zu sein, der einer von Rodrigos Vertrauten gewesen war. Alfonso zog daraufhin die Besitztümer Rodrigos ein und nahm ihm alle Ehrentitel, auch den des Bannerträgers.

Er spielte Juden, Christen und Muslime gegeneinander aus

Der Kampf um die Wiederherstellung seiner Ehre war fortan die Hauptmotivation für alle Kämpfe, die der Cid mit seinen mehr als hundert gepanzerten Rittern bestritt.

Seine Machtposition in der Region von Valencia wuchs immer mehr und mit seinem Wunderschwert La Tizona schlug er in der Schlacht um die Stadt den Anführer der Almoraviden: Laut der Legende spaltete er mit einem Hieb den Kopf des Feldherrn Fariz und zerteilte dessen Rumpf bis zur Hüfte. Der Schlag war so mächtig, dass sogar die Rubine auf dem Helm seines Gegners aus der Fassung sprangen.

1094 kapitulierten die Nordafrikaner, und Rodrigo herrschte über Valencia wie ein König und mischte sich von dort sogar in die spanische Thronpolitik ein.

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Er machte aus der Hauptmoschee der Stadt eine christliche Kirche und spielte die Interessen von Juden, christlichen Mozaraber und der Partei der anti-almoravidischen Araber gegeneinander aus. Mit Alfonso VI. versuchte er, sich zu versöhnen, indem er einigen von dessen Gefolgsmännern seine Töchter zur Frau gab. Wieder landete er in der Falle der Ehre. Die neuen Ehemänner benahmen sich so schlecht, das der Cid ihnen seine besten Ritter auf den Hals schicken musste, um seine Töchter aus ihren Notlagen zu befreien.

Die Spanier haben ihm den Beinamen "Campeador", der Kämpfer, gegeben. Dazu passt auch die Sage des siegreichen Recken in der Schlacht gegen die Almoraviden. Er soll vor seinem Tod seinen Gefolgsleuten das Versprechen abgenommen haben, auf jeden Fall mit ihm in die Schlacht zu reiten. Als er starb wurde sein Leichnam deshalb mit einer Lattenkonstruktion auf sein Pferd gebunden. So stürmte der tote Cid mit gezogenem Schwert voran und dieser Anblick verjagte angeblich die Angreifer.

Seine Frau Jimena konnte für kurze Zeit die Herrschaft über Valencia übernehmen. Sie ritt später mit dem Leichnam des Cid nach Burgos, wo heute ein Monumentaldenkmal in Heldenpose an den Ritter erinnert.

Dabei war der Cid ein viel komplexerer Charakter als die heroischen Geschichten verraten. So war er kein überzeugter Christ, der für seine Religion stritt. Er diente sich zwischendurch sogar dem muslimischen Fürsten al-Mu'tamin von Saragossa an. In dessen Diensten befehligte er zeitweise eine hoch gerüstete Kriegertruppe, mit der er auch gegen christliche Gegner operierte. Seine Kämpfer finanzierten sich vor allem aus der erzielten Beute und Lösegeld.

Charlton Heston ritt auf einem Esel den Fluchtweg des Cid ab

Doch nach seinem Tod begann die Verklärung des Ritters. Das altspanische Epos "El Cantar de Mio Cid", entstanden um 1235, gilt als das früheste Zeugnis der spanischen Nationalliteratur und regte zahlreiche Dichter und Komponisten an. So schrieb Pierre Corneille 1779 ein tragikomisches Epos über den Helden und Johann Gottfried Herder 1805 die "Ballade über einen spanischen Ritter". Jules Massenet und Claude Debussy komponierten 1885 und 1893 Opern über den berühmten Krieger.

Vom häufigen Frontenwechsel und dem Kampf des Cid um Geld, Macht und Ansehen ist in den Nachdichtungen kaum die Rede. Einzig Arno Schmidt knüpfte 1960 mit seinem verwegen-verwirrenden Roman "Kaff auch Mare Crisium" noch einmal daran an.

Trotzdem wäre die Geschichte des Cid jenseits von Spanien vielleicht vergessen, hätte sich nicht ein Hollywoodstar intensiv darum gekümmert. Charlton Heston ritt sogar mit einem Esel die Strecke ab, die der Cid bei seiner Flucht ins Exil bewältigen musste, und überzeugte Regisseur Anthony Mann, mit ihm als Cid und Sophia Loren als Jimena 1961 einen Monumentalfilm zu drehen. Diese Filmversion hält sich an die Legende bis hin zum Kampf des Toten gegen ein überlegenes Heer.

Bis heute bleib unsicher, was mit den Reichtümern geschah, die der Feldherr im Lauf der Zeit anhäufte. Noch bevor Alfonso VI. mit der Leiche des Cid und Jimena die niedergebrannte Festung von Valencia verließ, sollen einige Gefolgsleute Gold und Geschmeide in Sicherheit gebracht haben.

Lange Zeit hielt sich die Legende, dass die Preziosen im Grab des Cid im Kloster San Pedro de Cardena in Burgos gelandet seien. Doch für alle Schatzsucher blieben sie unauffindbar. Auch das passt zur geheimnisvollen Geschichte des Grenzgängers zwischen christlicher und muslimischer Welt.

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