Gedankenübertragung Affe steuert Affen

Die Experimente zur Gedankenübertragung machten die Forscher mit Rhesusaffen

Forscher haben zwei Rhesusäffchen wie einen Schaltkreis miteinander verbunden: Ein Affe konnte den anderen fernsteuern. Die Experimente könnten gelähmten Menschen zu besserer Kontrolle über ihre Muskeln verhelfen.

Von Christian Weber

Es war eine surreale Szene, die sich in einem Labor in Boston abspielte: Ein Rhesusmakak sitzt vor einem Computermonitor, wo er - so wie zuvor gelernt - eigentlich einen Cursor per Joystick zu einem Ziel steuern soll. Doch fehlt ihm in dieser Situation das Steuerungsgerät, er kann nur denken. Stattdessen leiten Elektroden Signale aus den Bewegungszentren seines Gehirns an einen Computer weiter; von diesem führen Drähte in das Rückenmark eines zweiten Makaks, der zuvor betäubt wurde und vor einen zweiten Monitor mit Joystick gesetzt wurde. Dann geschieht das Wunderbare: Der Arm des betäubten Affen bewegt sich geisterhaft und steuert den Cursor in die richtige Richtung.

Es ist ein Experiment, das Laien gruselig vorkommen mag. Tatsächlich zeigt die von einem Forscherteam um Ziv Williams von der Harvard Medical School veröffentlichte Studie einen möglichen Weg, wie man etwa querschnittsgelähmten Menschen wieder zu mehr Kontrolle über ihren Körper verhelfen könnte (Nature Communications, online).

In 98 Prozent der Fälle gelang die Steuerung

Die elektronische Verbindung zwischen den beiden Affen ist nämlich nur ein methodischer Kniff, damit man keinem Tier für das Experiment das Rückenmark durchtrennen muss. Wichtiger ist der hier geführte Nachweis, dass sich zumindest prinzipiell eine getrennte Nervenverbindung zwischen Großhirnrinde und Muskeln überbrücken lässt, ähnlich wie bei einem gekappten elektrischen Schaltkreis. "Unsere Hoffnung ist, den Betroffenen letztlich wieder völlig natürliche Bewegungen zu ermöglichen", spekuliert Studienautor Williams, "doch erfordert dieses Ziel noch sehr viel größere Anstrengungen".

Immerhin gelang es in der aktuellen Studie den wachen "Master-Affen" in 98 Prozent der Fälle, den Arm der betäubten "Avatar-Affen" korrekt zu steuern. Doch handelte es sich um einfache Bewegungen, und bereits dafür mussten 36 Elektroden in das Rückenmark gelegt werden. Sehr viel schwieriger wird es sein, komplexere Aktionen unter Kontrolle zu bekommen wie etwa die feinen Bewegungen einer menschlichen Hand und deren Finger. Bislang können die Forscher mit den Elektroden nur grob ganze Muskelgruppen ansteuern. Dennoch halten Fachkollegen wie etwa Bernard Conway von der University of Strathclyde die Arbeit für einen "Durchbruch, der das Potenzial von Gehirn-Maschine-Verbindungen" demonstriert".