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Erderwärmung:Ernten, Migration, Konflikte: Folgen für den Menschen

Wirkt sich die Erderwärmung auf die Welternten aus?

Das gilt als wahrscheinlich, unklar ist allerdings, in welchem Ausmaß. Besonders Reis, Weizen und Mais in tropischen Regionen macht die Erderwärmung zu schaffen. Etwa ein Zehntel dieser Felder könnte im Zeitraum 2030 bis 2049 rund ein Viertel weniger Ertrag liefern, schätzen die Verfasser des IPCC-Berichts. Eine Erderwärmung um vier Grad oder mehr hätte wohl gravierende Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit.

Könnten Menschen wegen des Klimawandels aus ihrer Heimat fliehen?

Naturkatastrophen wie Stürme und Überschwemmungen zwangen 2013 mehr als 22 Millionen Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen, die meisten Umweltflüchtlinge gab es in Asien. Da der Klimawandel Extremwetter-Ereignisse wie Dürren und Überschwemmungen verschärft, könnten in den nächsten Jahren noch mehr Menschen entwurzelt werden. Die genaue Zahl ist sehr schwer vorauszusagen, Schätzungen reichen von 50 Millionen bis 200 Millionen Klimaflüchtlingen im Jahr 2050. Sollte der Meeresspiegel um einen halben Meter ansteigen, wäre der Siedlungsraum von 72 Millionen Menschen bedroht.

Was bedeutet das für Konflikte?

2015 warnten die G7-Außenminister, der Klimawandel sei "eine der zentralen Sicherheitsbedrohungen des 21. Jahrhunderts". Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, sinkende Einkommensmöglichkeiten, unbewohnbare Rückzugsräume und Fragen des Ressourcenzugangs könnten "zu zwischenstaatlichen Spannungen, zum Zerfall von Staaten und Gesellschaften führen".

South Korean troops carry out peace-keeping mission in South Suda

Blauhelmsoldaten im Sudan

(Foto: dpa)

Auch das US-Verteidigungsministerium nennt den Klimawandel "eine akute und wachsende Bedrohung unserer nationalen Sicherheit", da er zu mehr Naturkatastrophen, Flüchtlingsströmen und Konflikten über Ressourcen wie Nahrung und Wasser führen werde.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon machte 2007 für den Konflikt in Darfur im Sudan den Klimawandel mitverantwortlich. Die Gewalt zwischen den ethnischen Gruppen sei während einer extremen Dürre ausgebrochen, unter der die Region damals litt. Ein Zusammenhang mit der Erderwärmung wird auch beim syrischen Bürgerkrieg vermutet. US-Forschern zufolge hatten bis 2011 viele Syrer nach einer lange Dürre ihre Existenzgrundlage verloren, 1,5 Millionen waren in Städte gezogen. Diese Entwicklungen hätten zu den Unruhen beigetragen.

Der Klimawandel ist für derartige Konflikte aber nicht der alleinige Auslöser. In Darfur etwa mussten immer mehr Menschen von immer weniger Boden leben. In Syrien fiel der Beginn des Konflikts in den Arabischen Frühling, in das Aufbrechen religiöser und politischer Spannungen. Allerdings halten Forscher es für plausibel, dass Klimaveränderungen bestehende Konflikte verstärken. Als gefährdet gelten Staaten, die anfällig für Klimaveränderungen und zugleich politisch instabil sind, zum Beispiel der Sudan, Tschad, die Demokratische Republik Kongo, die Zentralafrikanische Republik und der Jemen.

Die Erderwärmung sollte als Auslöser von Kriegen also nicht überschätzt werden. Aber auch bei Konflikten, die als ethnisch, religiös oder sozial motiviert gelten, sollte man seine mögliche Bedeutung berücksichtigen. Maßnahmen gegen die Folgen des Klimawandels dürften deshalb auch ein Beitrag zum Frieden sein.

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