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Trockenheit in Deutschland:Zwei Jahre Dürre?

Waldbrand am Bleiloch-Stausee

Ein Polizeihubschrauber hat am Dienstag einen Waldbrand in Thüringen bekämpft.

(Foto: Bodo Schackow / dpa)
  • Zum Beginn der Vegetationsperiode führen die Böden vielerorts zu wenig Wasser. Sollte es weiter so trocken bleiben, droht dieses Jahr erneut eine Dürre.
  • Die Bauern setzen darauf, dass in den nächsten Tagen angekündigte Niederschläge fallen.
  • Wegen der Trockenheit ist auch die Gefahr von Waldbränden schon jetzt hoch. Besonders betroffen ist der Osten Deutschlands.
  • Für die Waldbrandgefahr spielen auch starke Winde eine Rolle.

Deutschland droht nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes möglicherweise ein weiteres Dürrejahr. Seit April 2018 war jeder Monat wärmer als im vieljährigen Mittel. Doch viel schlimmer für die Vegetation ist die Trockenheit. Zum einen hat es in den vergangenen Wochen vielerorts ungewöhnlich wenig geregnet, zum anderen kämpft die Natur nach wie vor noch mit einer Hypothek aus dem Dürresommer 2018. "Im Winter gab es zwar eigentlich ausreichend Niederschläge, doch diese haben nicht ausgereicht, um die Wasservorräte im Boden wieder aufzufüllen", sagt Wolfgang Janssen vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Auf das im Boden gespeicherte Wasser sind die Pflanzen aber angewiesen, Experten sprechen von der "nutzbaren Feldkapazität" beziehungsweise vom "pflanzenverfügbaren Wasser".

Eine besonders wichtige Rolle spielt dabei die Feuchtigkeit in den oberen Bodenschichten, die die meisten Pflanzen mit ihren Wurzeln gut erreichen. An das Wasser in den tiefer gelegenen Schichten gelangen dagegen nur einige wenige. "Normalerweise beginnt sich der Wasserspeicher des Bodens bereits Ende August wieder zu erholen und ist dann Ende des Jahres wieder aufgefüllt", sagt Janssen. Doch im Dürrejahr 2018 war alles anders. Bis in den Dezember hinein sei das pflanzenverfügbare Wasser in den Böden immer weniger geworden.

"In einigen Regionen ist es sehr trocken", sagt auch Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands. "Entscheidend ist, dass die für die nächsten Tage angekündigten Niederschläge auch fallen. Daher gibt es eine gewisse Nervosität, ich hoffe jedoch auf Niederschläge und das Eintreten einer alten Bauernregel, die sagt: Ist der Mai kühl und nass, füllt's dem Bauern Scheun' und Fass." Janssen ist da weniger optimistisch: Die angesagten Niederschläge seien vielerorts nur "ein Tropfen auf dem heißen Stein", sagt er. Nach den Daten des DWD sind die meisten Regionen nördlich der Donau viel zu trocken. Um das auszugleichen, braucht es mehr als ein bisschen Regen am Wochenende. Besonders betroffen sind Sachsen-Anhalt und Thüringen, wo die Bodenfeuchte schon jetzt so niedrig sei wie Mitte Juli im Dürresommer 2018. Südlich der Donau ist die Lage nach Angaben des DWD dagegen noch nicht dramatisch.

In Brandenburg gab es an den Osterfeiertagen fast 40 Waldbrände

Dabei brauchen viele auch landwirtschaftlich wichtige Pflanzen gerade im Frühjahr besonders viel Wasser. "Für die meisten Kulturen, wie beispielsweise Getreide und Raps ist die Witterung der nächsten sechs bis acht Wochen entscheidend", sagt Rukwied. Für Herbstkulturen wie zum Beispiel Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln sei dagegen die Witterung in den Sommermonaten von Bedeutung. Besonders die Kornbildungsphase beim Getreide sei eine kritische Phase: "Wenn es hier zu trocken und zu heiß ist, bilden sich oft nur kleine Körner aus und der Ertrag wird gering."

Ob die aktuelle Trockenheit mit dem Klimawandel zu tun hat, ist nicht ganz einfach zu beurteilen. Prognosen zu den Folgen des Klimawandels für Deutschland sagen zwar schon voraus, dass es im Frühling trockener wird. Im Winter sollte die Niederschlagsmenge nach den Vorhersagen aber sogar ansteigen. Der trockene Frühling 2019 würde da also durchaus ins Bild passen, der - was die Niederschlagsmenge angeht - "normale" Winter dagegen eher nicht. Tatsache ist allerdings, dass die Temperaturen aufgrund des Klimawandels ansteigen, und das wirkt sich indirekt auch auf die Bodenfeuchtigkeit im Frühjahr aus: Aufgrund der höheren Temperaturen verschiebt sich nämlich die Vegetationsperiode der Pflanzen nach vorne, sie beginnen also früher im Jahr zu wachsen und zu blühen. Das bedeutet aber auch, dass sie früher anfangen, Wasser aus dem Boden zu saugen. Sobald die Gewächse Blätter haben, nimmt zudem die Menge an Wasser zu, die die Pflanzen mit ihren Wurzeln aus dem Boden saugen, dann aber über ihre Blätter verdunsten lassen.

Wegen der Trockenheit ist auch die Gefahr von Waldbränden schon jetzt extrem hoch. Besonders betroffen ist auch hier der Osten Deutschlands. Auf der Karte für den Waldbrandgefahren-Index des DWD sind Brandenburg sowie Teile Mecklenburg-Vorpommerns und Sachsen-Anhalts tief rot. Das hängt allerdings nicht nur mit der Trockenheit zusammen, sondern auch mit den starken Winden. Besonders windig war es nach Informationen des DWD im März, in dem ein Sturmtief das nächste abwechselte. "Das fördert die Austrocknung und facht Feuer, die einmal entstanden sind, weiter an", sagt Janssen. Auch Anfang dieser Woche wehte in weiten Teilen Deutschlands wieder kräftiger Wind. In Brandenburg gab es allein über Ostern fast 40 Brände. 2018 waren es mehr als 400.

Borkenkäfer könnten erneut zum Problem werden

Warum ist ausgerechnet dieses Bundesland so gefährdet? "Da müssen wir eine Million Jahre zurückschauen", sagt Raimund Engel, Waldbrandschutzbeauftragter von Brandenburg. Während der Eiszeit entstanden durch Ablagerungen von Gletscherschmelzwasser sogenannte Sanderflächen. Heute sind deshalb weite Flächen Brandenburgs mit Sandsubstrat bedeckt. Diese sind nährstoffarm und können kaum Wasser speichern. Auf dem sandigen Boden hätten sich so über Jahrmillionen vor allem "anspruchslose Baumarten" etabliert. 72 Prozent - also fast drei von vier Bäumen - sind dem letztem Waldzustandsbericht zufolge Kiefern. Deren ätherische Öle wirken wie Brandbeschleuniger. Hinzu kommt, dass in vielen Gebieten Brandenburgs noch phosphorhaltige Munition aus dem Zweiten Weltkrieg zu finden ist. Phosphor reagiert ab etwa 23 Grad Celsius mit dem Sauerstoff der Luft. Dabei entstehen kleine Stichflammen, die einen Waldbrand verursachen können. Um Brände möglichst schnell zu entdecken und zu löschen, gibt es in Brandenburg seit fast 25 Jahren ein Frühwarnsystem: 107 Kameras überwachen die Waldflächen. Die dazugehörige Software war ursprünglich für eine Marsmission konzipiert.

Die anhaltende Trockenheit macht die Bäume aber auch anfälliger für Krankheitserreger und Schädlinge. "Borkenkäfer waren 2018 schon ein großes Problem und sitzen jetzt schon wieder in den Startlöchern", sagt Stefanie Hahn vom Julius Kühn-Institut in Braunschweig. Aber nicht nur diesen hilft die Trockenheit: Auch Pilze und andere Insekten nutzen die Schwächung der Bäume aus. Bleibt der Regen weiter knapp, haben sie leichtes Spiel.

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