Trockenheit Die Wälder brauchen Hilfe, mit dem Klimawandel umzugehen

Trockenheit in Brandenburg im Frühling 2019

(Foto: dpa)

Meteorologen warnen davor, dass ein weiterer Dürresommer schwere Folgen hätte, denn die Pflanzenwelt startet geschwächt in die Saison. Sollen Schäden in der Natur verhindert werden, müssen die Menschen jetzt aktiv werden.

Kommentar von Marlene Weiß

Niemand weiß, wie der nächste Sommer wird. Zwar hat sich in Sachen Wettervorhersage viel getan, aber noch sind solche Langfrist-Prognosen so unsicher, dass man meist ebenso gut würfeln könnte. Trotzdem hat der Deutsche Wetterdienst Recht, wenn er schon jetzt warnt, dass auf den extremen Dürre-Sommer 2018 ein weiterer trockener Sommer folgen könnte. Denn die Wasserspeicher der Böden sind nach dem vergangenen Jahr schlicht leer, selbst der eher nasse Winter konnte sie nicht wieder auffüllen.

Das bedeutet, dass die Pflanzenwelt in Deutschland mit einer schweren Hypothek in die nächste Runde startet: Bleibt das Wetter weiterhin so trocken wie bisher in diesem Frühjahr, hat sie keinerlei Reserven, um den fehlenden Niederschlag auszugleichen. In einigen Regionen sind die Böden jetzt schon so trocken wie im Juli des vergangenen Jahres, mitten in der Dürrezeit. Damit wären bei gleichen Wetter-Bedingungen wie im Vorjahr die Folgen ungleich schlimmer. Vor allem die Wälder würden hart getroffen; durstige, gestresste Bäume sind umso anfälliger für Borkenkäfer und ähnliche Plagen, die es ihrerseits gerne warm und trocken haben. Auch die Waldbrandgefahr steigt; Brände wie jetzt in Thüringen sind unter solchen Bedingungen kein Zufall.

Der Klimawandel erfordert einen energischen Umbau der Wälder

Wenn es von Juni bis August Dauerregen gibt, wird man sich über Dürre keine Sorgen mehr machen müssen, stattdessen über Hochwasser. Aber es ist auch gut möglich, dass es trocken bleibt, der Klimawandel begünstigt solche Phasen schließlich. Und wie die Natur reagiert, wenn zwei schlechte Jahre aufeinander folgen, kann man inzwischen vielerorts beobachten. Das traurigste Beispiel geben die Korallen des Great Barrier Reefs vor Australien ab: Die Bleiche des Jahres 2016 wäre vielleicht noch auszuhalten gewesen, jene des Jahres 2017 gab dem Riff den Rest. Der angerichtete Schaden ist, so befürchten Forscher, nun irreparabel.

Ganz so schlimm wird es für die Wälder in Deutschland schon nicht kommen; das Ökosystem Wald ist glücklicherweise erstaunlich resilient. Trotzdem sollte man sich darauf einstellen, dass Wälder in Deutschland künftig größeren Belastungen ausgesetzt sein werden als früher. Es ist leider zu spät, den Klimawandel noch zu verhindern, er ist längst in vollem Gang. Aber man kann alles tun, um den Wäldern zu helfen, damit umzugehen.

Mischwälder halten Dürre besser aus als Monokulturen; Buchen und Eichen etwa sind weniger anfällig für Stürme und kürzere Trockenzeiten als Fichten mit ihren flachen Wurzeln. Der "Waldumbau", wie es Förster nennen, hin zu solchen Wäldern findet vielerorts schon statt. Die Klimaveränderungen, zu denen künftig womöglich auch stärkere Stürme gehören könnten, sind ein weiteres Argument, ihn energisch anzugehen.

Das ist nichts, was sich innerhalb von wenigen Jahren bewerkstelligen lässt: Bäume, Buchen und Eichen zumal, brauchen Zeit zu wachsen. Aber je eher man damit anfängt, desto eher ist der Wald für die Zukunft bereit.

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