Tiere:Können Clownfische zählen?

Tiere: Clownfische sind kleine Promis der Meere, seit ihnen mit dem Film "Findet Nemo" ein Zeichentrickdenkmal gesetzt worden ist.

Clownfische sind kleine Promis der Meere, seit ihnen mit dem Film "Findet Nemo" ein Zeichentrickdenkmal gesetzt worden ist.

(Foto: Reinhard Dirscherl/imago images/OceanPhoto)

Die Tiere erkennen Artgenossen an der Zahl ihrer weißen Querstreifen.

Von Tina Baier

Viele Tiere haben eine Art mathematisches Grundverständnis. Schildkröten zum Beispiel können ihre Energiebilanz berechnen und berücksichtigen dabei sogar, wie viel Energie sie für den Weg zu ihrem Futterplatz verbrauchen. Hunde scheinen die Regeln der Differenzialrechnung zu befolgen, wenn sie einem Ball, der vom Ufer aus schräg ins Wasser geworfen wird, nicht direkt hinterherschwimmen, sondern erst ein Stück am Ufer entlanglaufen, um genau an dem Punkt ins Wasser zu springen, von dem aus sie den Ball am schnellsten erreichen. Und Orang-Utans können zumindest kleine Mengen addieren und subtrahieren.

Zum Klub der mathematisch begabten Tiere gehören wohl auch Clownfische der Art Amphiprion ocellaris. Die nur wenige Zentimeter langen, leuchtend orange gefärbten Fische mit den charakteristischen weißen Querstreifen können offenbar bis drei zählen, berichtet ein Team um Kina Hayashi vom japanischen Okinawa Institute of Science and Technology im Journal of Experimental Biology.

Die Clownfisch-Art, die das Vorbild für die Hauptfigur in dem Animationsfilm "Findet Nemo!" war, wohnt genau wie im Film in Seeanemonen. Die Nesseln der Blumentiere schützen die Fische vor Feinden. Artgenossen, die sich der Unterkunft eines Clownfischs nähern, werden heftig attackiert, um gleich klarzumachen, dass die Anemone besetzt und Untermieter unerwünscht sind.

Unter Clownfischen haben die Weibchen das Sagen

Meist ist es das sogenannte Alpha-Weibchen - bei den Clownfischen haben weibliche Tiere das Sagen -, das den Angriff startet und den unerwünschten Eindringling wegbeißt. Andere Fischarten, die in friedlicher Absicht kommen und weder für die Anemone noch für ihre Bewohner eine Bedrohung darstellen, werden dagegen freundlich empfangen und sogar ins Seeanemonen-Haus eingeladen.

Kina Hayashi hat sich deshalb gefragt, wie Clownfische erkennen, ob ein unbekannter Fisch zur eigenen oder zu einer anderen Art gehört. Um das herauszufinden, züchteten die Forschenden Clownfische im Labor. Im Alter von sechs Monaten wurden die Tiere, die noch nie in ihrem Leben andere Fischarten gesehen hatten, mit verschiedenen Spezies von Anemonenfischen konfrontiert: mit dem Clarks Anemonenfisch (Amphiprion clarkii) zum Beispiel, der - anders als die kleinen Nemos - nur zwei weiße Querstreifen hat oder mit Amphiprion sandaracinos, dem Orangefarbenen Weißrücken-Anemonenfisch, der gar keine Querstreifen hat. Außerdem bekamen die Laborfische von Clownfischen der eigenen Art Besuch.

"Am aggressivsten reagierten die Clownfische auf Fische, die wie sie selbst drei Streifen haben", sagt Kina Hayashi nach einer Presseerklärung ihres Instituts. Gegenüber Fischen mit einem oder zwei Streifen sei die Aggressivität niedriger gewesen und Arten ohne Querstreifen seien fast gar nicht angegriffen worden. "Das lässt vermuten, dass sie in der Lage sind, die Zahl der Streifen zu zählen, um die Spezies eines Eindringlings zu erkennen", sagt Hayashi.

Für den Beweis, dass es wirklich die Zahl der Streifen ist, an der sich die Clownfische orientieren, konfrontierten die Forschenden die Labor-Nemos mit vier verschiedenen Plastikfischen, die sich bis auf die Zahl ihrer Streifen vollkommen glichen und entweder keinen, einen, zwei oder drei Querstreifen hatten. "Die Häufigkeit des aggressiven Verhaltens gegenüber dem Drei-Streifen-Modell war dieselbe wie gegenüber lebenden A. ocellaris, und sie war höher als gegenüber allen anderen Modellen", schreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihrer Untersuchung. Mit anderen Worten: Nemo kann zählen.

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