Säuglinge Wie Ernährung den Schlaf der Babys beeinflusst

Wie gut das Kind schläft, ist ein Dauerthema für junge Eltern.

(Foto: imago/Westend61)
  • Eine Studie legt nahe, dass Babys besser schlafen, wenn sie schon früh Brei bekommen.
  • Kritiker mahnen, die Ergebnisse mit Vorsicht zu betrachten. Sie sollten nicht dazu führen, dass Mütter zu früh abstillen.
Von Felix Hütten

Schläft das Baby, oder schläft es nicht? Es ist die Frage junger Eltern, oft das Gesprächsthema schlechthin. Klar, wer nicht schläft, ist nicht Mensch, und deshalb festigen sich viele Tipps, Hausmittel und Mythen rund um das Thema Kinderschlaf. Zum Beispiel: Kinder, die neben Muttermilch auch Brei bekommen, schlafen besser, länger, womöglich sogar durch. Ein Team von Wissenschaftlern um den Kinderallergologen Michael Perkin von der University of London ist in einer Studie dieser Frage nachgegangen: Demnach schlafen Kinder, die bereits vor ihrem sechsten Lebensmonat Beikost erhalten, etwas länger als voll gestillte Kinder.

Ein Satz, der bei Eltern einschlägt. Aber: Kritiker mahnen, die Ergebnisse richtig zu verstehen. Denn weiterhin gelten die internationalen Ernährungsempfehlungen und Leitlinien für Säuglinge. Darin ist zu lesen, dass Kinder frühestens zu Beginn des fünften Lebensmonats Beikost bekommen sollten - und überhaupt erst dann, wenn sie Interesse an zusätzlicher Nahrung zeigen.

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Hinzu kommt, dass die Datenerhebung der Studie wissenschaftlich etwas unglücklich ist, weshalb schon deshalb die Ergebnisse nicht mehr als ein Hinweis sein können. Die befragten Eltern sollten in Onlinefragebogen angeben, wie oft ihr Kind in der Nacht wach war und wann es gefüttert wurde. Jeder, der selbst Kinder hat, weiß, wie insbesondere in der Nacht Raum und Zeit verschwimmen, wie aus einer kurzen Pause ein riesiges Zeitloch wird, kurzum: Retrospektive Fragebogen sind ein unzuverlässiges Werkzeug, um Daten zu erheben; und für übermüdete Eltern gilt das in besonderem Maße.

Die Wissenschaftler aber haben bewusst auf einen sogenannten Aktigraphen verzichtet, also auf eine Messeinrichtung, die Bewegungen registriert und damit Schlaf- und Wachphasen eines Kindes objektiv aufzeichnen könnte. Dies sei zu teuer und zu aufwendig gewesen, schreiben die Autoren.

Die Studie liefert keinen Grund, besonders früh abzustillen und mit der Beikost zu beginnen

Die nun erhobenen Daten rechtfertigen daher keinesfalls die an sich gut lesbare Überschrift: Wer früher füttert, schläft besser. Denn so arg viel länger haben die in der Studie früh mit Beikost gefütterten Kinder nicht geschlafen: Der Spitzenwert lag bei 16,6 Minuten mehr im Vergleich zur Gruppe der voll gestillten Kinder. "Die Studie enthält interessante Beobachtungen, ob sie aber eine klinische Relevanz hat, ist fraglich", sagt Sibylle Koletzko, Kindergastroenterologin am Haunerschen Kinderspital der LMU München. Man müsse die Ergebnisse vielmehr so verstehen, dass eine Beikost den Schlaf nicht störe. Als konkrete Handlungsanweisung tauge diese Studie aber sicher nicht.

Doch genau diese Sorge äußern nun Kritiker der Studie, etwa Amy Brown, Professorin für Kindergesundheit an der Swansea University. Mütter, schreibt Brown in einem Gastbeitrag, könnten sich veranlasst fühlen, besonders früh mit der Beikost zu beginnen und damit auch frühzeitig abzustillen. Das Gegenteil aber sei richtig,

Muttermilch ist gut für Säuglinge, denn sie enthält neben den für die Entwicklung von Gehirn und Muskulatur notwendigen Nährstoffen auch Antikörper, die das Immunsystem des Kindes formen. Tatsächlich wird empfohlen, zusätzlich zur Beikost möglichst über ein Jahr hinweg zu stillen, wenn Frauen das möglich ist. Das heißt allerdings nicht, dass Beikost schadet. Studien liefern Hinweise, dass gesunde Kinder, die ab dem fünften, sechsten Monat zusätzlich zur Muttermilch erste Nahrung bekommen, etwas weniger häufig an Allergien erkranken und später auch gesteigertes Interesse an verschiedenen Geschmacksrichtungen haben.

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