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Artensterben im Titicacasee:Freiwillige sammeln vier Tonnen Müll - an einem Tag

Auch die Bolivianer wollen Kanalisationen und Kläranlagen bauen. Bis es soweit ist, sollen die Zuflüsse zunächst von Hand gesäubert werden. Es fahren neuerdings Busse aus La Paz und El Alto zu den Mündungen der Flüsse Seke und Seco hinaus. An Bord sind Freiwillige, die Müll einsammeln.

1400 Helfer haben gleich am ersten Tag vier Tonnen zusammengetragen. Darunter tote Hunde und Schafe, Ölkanister, Schuhe, verrostete Elektrogeräte. Parallel dazu hat das bolivianische Umweltministerium eine Aufklärungskampagne begonnen. "Der Müll kommt in den Eimer, nicht in den Fluss", lautet die einfache Botschaft.

Zu einfach, wie der Biologe Muñoz meint. Aus seiner Sicht ist noch nicht geklärt, ob Abfälle, Dreckwasser der Städte oder die Minen hauptverantwortlich sind für das Massensterben im Titicacasee. Oder alles zusammen. Fest steht für ihn nur: "Die Flüsse mit den Händen zu reinigen, wird das Problem nicht lösen."

Die Zusammenhänge sind noch unklar

Muñoz hält sich zurzeit in einem Labor in Belgien auf, wo er Wasserproben und Tierkadaver aus Südamerika analysiert. Mit deutlich feineren Methoden, als er sie in Bolivien zur Verfügung hat. Bei seinen Untersuchungen hat er festgestellt: "Es gibt im Titicacasee derzeit zwei Arten von Tod, einen toxischen und einen anoxischen". Einen durch Gift, einen durch Sauerstoffmangel.

Noch ist Muñoz nicht ganz klar, ob und wie beides zusammenhängt. Nach seinen Erkenntnissen breitet sich in diesem biologischen Ungleichgewicht jedenfalls der gefürchtete Chytridpilz rasch aus. Er greift das Immunsystem von Amphibien an und macht sie wohl anfälliger für Sondermüll und Schwermetalle. Vielleicht vermehrt sich der Pilz, weil die Frösche sterben. Vielleicht sterben aber auch die Frösche, weil sich der Pilz vermehrt.

Um das Problem zu entschlüsseln, sitzt Arturo Muñoz Saravia in Brüssel und versucht eiligst zu verstehen, was gerade hoch oben in den Anden geschieht. Er hofft, noch verhindern zu können, dass sich der Titicacasee in den höchsten schiffbaren Friedhof der Welt verwandelt.

© SZ vom 11.06.2015/mahu

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