bedeckt München 18°
vgwortpixel

Afrika:Gegen Dürre versichert

Hilfe für afrikanische Farmer einmal anders: Wenn in Kenia die Ernte hinter den Erwartungen zurückbleibt, erhalten manche Bauern Geld von der Versicherung.

Zugegeben, diese Nachricht liest sich zunächst wie das sprichwörtliche Fahrrad, das in China umgefallen ist. Sie lautet: In Embu, einer Provinzstadt in Kenia, haben 136 Maisbauern Versicherungszahlungen erhalten, weil der Ertrag ihrer Felder vermutlich die Erwartungen um 15 Prozent verfehlt.

Dürre in Kenia

Dürre in Kenia: In Embu, einer Provinzstadt des Landes, haben 136 Maisbauern Versicherungszahlungen erhalten, weil der Ertrag ihrer Felder voraussichtlich hinter den Erwartungen zurückbleit.

(Foto: dpa)

Bemerkenswert daran allerdings ist schon die Tatsache, dass Bauern in Kenia überhaupt eine Versicherung abschließen können. Sie ist Teil eines umfangreichen Hilfsprogramms, das afrikanische Farmer in das zunehmend globalisierte wirtschaftliche System einbinden sowie ihre Erträge und ihr Einkommen verbessern soll.

Die Versicherung mit dem Namen "Kilimo Salama" konnten die Maisbauern abschließen, als sie Anfang dieses Jahres Saatgut und Dünger kauften. Zusätzlich zu den 190 Kenianischen Schilling (ca. 1,90 Euro) für das Kilogramm Mais-Saat und 500 Shilling für den Zehn-Kilogramm-Sack Dünger konnten sie die Einkäufe für fünf Prozent Zuschlag gegen Dürre versichern.

Die Entscheidung, ob der Versicherungsfall eingetreten ist, hat dann kein Außendienstmitarbeiter gefällt, die Bauern mussten auch keine Formulare ausfüllen: Die zentral abgelesenen Daten einer Wetterstation waren für die Versicherung ausschlaggebend.

Solche sogenannten Index-Versicherungen sind inzwischen ein verbreitetes Mittel, Menschen in Entwicklungsländern diese Art von Daseinsvorsorge anbieten zu können. Andere Programme nutzen dazu auch öffentlich verfügbare Satellitendaten und -bilder. Im Marsabit-Distrikt am Turkana-See im Norden Kenias werden so zum Beispiel Kuh- und Ziegenhirten gegen Dürre versichert (LINK); dort läuft die Versicherungsdauer Ende September ab.

Andrew Mude vom Internationalen Institut für Viehforschung in Nairobi, der dieses Programm geplant hat, nimmt allerdings anhand der bisherigen Messdaten nicht an, dass die Versicherung im ersten Jahr ihres Bestehens zahlen muss.

Die Messung in Embu, gelegen zwischen Nairobi und dem Mount Kenia, zeigte hingegen, dass der Regen in dieser Saison um 15 Prozent hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Darum haben die Farmer aus der Nähe 15 Prozent des versicherten Preises ihrer Einkäufe zurückbekommen - 270 der im Durchschnitt ausgegebenen 1800 Shilling für Saatgut und Dünger.

Die Versicherung sollte den Bauern, so erklären es die Planer, die Sorge nehmen, dass sie ihre Ersparnisse verlieren, wenn sie in einem Jahr Saatgut und Dünger kaufen, in dem später eine Dürre die Ernten vernichtet.

"Die Farmer konnten so das Konzept der Versicherung für einen geringen Einstandspreis ausprobieren", sagt Rose Gosling von der gemeinnützigen Stiftung des Schweizer Chemie- und Saatgutkonzerns Syngenta. "Im kommenden Jahr können die Bauern auch ihre Erträge versichern."