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20 Jahre Weltraumteleskop:Wie Avatar als 3D-Film

Doch wer sich heute durch eine Hubble-Internet-Galerie klickt, erlebt andere Reaktionen. Kann schon sein, dass dann ein Büronachbar interessiert über die Schulter schaut. Er sagt dann etwas wie: "Hübsch" oder: "Tolle Bilder!" So ähnlich reden Leute, die sich am Abend zuvor den 3D-Film Avatar im Kino angesehen haben.

Aus mehreren, an sich schwarzweißen Aufnahmen des Teleskops (oben) entstehen solche farbigen (und öffentlichkeitswirksamen) Darstellungen entstehen: hier der sogenannte Ringnebel M57.

(Foto: Foto: Nasa)

Hinter solcher Haltung verbirgt sich mehr als Blasiertheit und visuelle Übersättigung. In ihr steckt vielmehr ein modernes Misstrauen gegen die Bilder in Zeiten ihrer digitalen Verfügbarkeit. Man weiß eben, dass auch die Großrechner der Filmindustrie phantastische Welten erschaffen können.

Womöglich handelte das Hubble-Management seinem eigenen Anliegen zuwider, als es seine galaktischen Aufnahmen als Hintergrundkulisse für die Star-Trek-Filme verlieh.

Nun skizziert die amerikanische Kunsthistorikerin Elizabeth Kessler in einer neuen Studie, wie sehr die Hubble-Bilder tatsächlich auch Kunstprodukte sind (Roald Hoffmann / Iain Boyd Whyte (Hg.): Das Erhabene in Wissenschaft und Kunst. Suhrkamp, 2010). Die Wissenschaftlerin verbrachte in den letzten Jahren viel Zeit beim Space Telescope Science Institute (STScI), dem Forschungszentrum an der Johns Hopkins University, das für das Management des Hubble-Teleskops verantwortlich ist.

Dort recherchierte sie, wie aus den Rohdaten des Instruments die allgegenwärtigen Galaxienbilder tatsächlich entstehen. Ihre Ergebnisse werden zumindest manchen Laien überraschen.

Denn eigentlich sind die fernen Galaxien zu lichtschwach und das Auge zu wenig empfindlich, als dass man durch das Okular selbst eines leistungsstarken Teleskops wie Hubble Farben wahrnehmen könnte; meist schimmert es nur irgendwie weißlich verschmiert, manchmal auch grün.

Die Astronomen nutzen daher Farbfilter, um verschiedene monochromatische Aufnahmen zu produzieren. Erst ein aus solchen roten, grünen und blauen Teilbildern zusammengesetztes Bild zeigt das volle Spektrum.

"Solche Bilder sind also das Ergebnis menschlicher Eingriffe", kommentiert Kessler. Und "die Entscheidung für ein farbiges Bild entspringt ästhetischen Erwägungen, wobei die Zuordnung der Farben zu unterschiedlichen Aufnahmen eine Sache der Konvention ist, deren Maßstäbe nicht festgelegt sind." Mit anderen Worten: Selbst im Weltraum könnte kein Mensch ein Galaxis-Bild so sehen, wie er es aus den Hochglanz-Zeitschriften kennt.

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