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Wirtschaft kompakt:Regierung stutzt Solar-Förderung

Solarenergie? Gerne, aber bitte selbst zahlen: Der Staat trimmt die Subventionen. Außerdem: Boeings Dreamliner muss zwangslanden, Reader's Digest hingegen startet durch.

Die Koalitionsfraktionen von Union und FDP haben sich auf die künftige Förderung von Solaranlagen geeinigt. Zum 1. Juli 2010 wird die Subvention von Anlagen auf Dächern und Freiflächen um 16 Prozent zusätzlich gekürzt, teilte ein Sprecher der Unionsfraktion mit.

Die Förderung von Anlagen auf Ackerflächen fällt demnach ganz weg. Nun solle die Regelung "zeitnah" im Kabinett beraten werden. Union und FDP hatten sich im Koalitionsvertrag auf eine Kürzung der Solarförderung geeinigt, die Details waren zwischen den Fraktionen jedoch zuletzt umstritten gewesen.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte vorgeschlagen, die Förderung von Photovoltaik-Anlagen auf Dächern zum 1. April zusätzlich zu den bereits zum Jahresbeginn wirksam gewordenen Kürzungen um weitere 15 Prozent zu senken. Für Anlagen auf Freiflächen sollte es ab dem 1. Juli 15 Prozent weniger Subventionen geben.

Für Solaranlagen auf Ackerflächen wollte Röttgen die Förderung um 25 Prozent zusätzlich reduzieren. Gegen die rasche Kürzung hatten besonders CDU-Politiker aus Ostdeutschland protestiert, wo mehrere Solarfirmen produzieren. Bei den Ackerflächen trat die FDP für eine großzügigere Förderung von Solaranlagen ein als CDU und CSU.

Krise zwingt Conti in die Knie

Der Autozulieferer Continental hat im vergangenen Jahr aufgrund der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise tiefrote Zahlen geschrieben. Unterm Strich standen Verluste in Höhe von rund 1,7 Milliarden Euro, mehr als eine halbe Milliarde Euro mehr als im Vorjahr, wie das Unternehmen mitteilte.

Der Umsatz brach um 17 Prozent auf rund 20 Milliarden Euro ein. "Das zurückliegende Jahr hat uns einiges abverlangt", sagte Conti-Chef Elmar Degenhart in Frankfurt. Auf das Jahr 2010 sehe Conti mit vorsichtigem Optimismus. Der Konzern rechne mit einem Umsatzanstieg von mindestens fünf Prozent und einer deutlichen Ergebnisverbesserung.

Boeing holt 787-Maschine vom Himmel

Wegen technischer Probleme hat eine Maschine des neuen Boeing-Typs 787 in den USA eine ungeplante Landung einlegen müssen. Bei dem Testflugzeug habe es an einem der beiden Triebwerke einen Verlust an Schubkraft gegeben, sagte ein Boeing-Sprecher. Der "Dreamliner" könne zwar auch mit nur einem fliegen, doch in derartigen Fällen sei eine Landung die Standardprozedur.

Das Flugzeug wird nach dem Vorfall untersucht. Die Maschine ist eine von mehreren 787, die sich derzeit einem Praxistest unterziehen müssen.

Im Konkurrenzkampf mit Airbus soll die 787 vor allem mit einem geringen Spritverbrauch punkten. Zudem soll der "Dreamliner" leiser und für die Passagiere komfortabler sein. Erreicht werden soll das durch die Verwendung leichterer Materialien als das im Flugzeugbau derzeit dominierende Aluminium und Titan. Die 787 soll dem Airbus A380, dem größten Passagierflugzeug der Welt, entgegentreten.

Boeing hatte sich entschieden, nicht ein Konkurrenzmodell von ähnlichen Ausmaßen zu bauen, sondern setzt auf ein mittelgroßes Modell mit hoher Reichweite. Damit wird der "Dreamliner" auch zum wesentlichen Konkurrenten für den Airbus A350 XWB, der im Jahr 2013 auf den Markt kommen soll.

Reader's Digest beendet Insolvenzverfahren

Der US-Verlag Reader's Digest hat den Neuanfang geschafft. Dank eines massiven Schuldenabbaus endete die sechsmonatige Insolvenz am Montag. "Dies ist ein ganz wichtiger Tag für unser Unternehmen", sagte Konzernchefin Mary Berner.

Das Verlagshaus war 2007 von der US-Investorengruppe Ripplewood für insgesamt 2,4 Milliarden Dollar gekauft worden. Der Schuldenberg war bereits damals hoch. Die Wirtschaftskrise und in deren Folge das rückläufige Anzeigengeschäft war schließlich zu viel für Reader's Digest. Das Verlagshaus meldete im August in den USA Gläubigerschutz nach Kapitel 11 an.

"Reader's Digest" ist nach eigenen Angaben die meistgelesene Zeitschrift der Welt. Sie erscheint weltweit in 50 Ausgaben. Zu dem Verlagshaus gehören weitere Magazine, Internetangebote, Bücher, Musik und Videos.

Erst vor einer Woche hatte die britische Tochtergesellschaft Insolvenz anmelden müssen, weil sie die Pensionen nicht mehr alleine tragen konnte. In Deutschland wird "Readers Digest" in Stuttgart herausgegeben. Die Gesellschaft war von der Insolvenz nicht betroffen.

Städte wollen Hartz-Pakete für Kinder schnüren

Für Kinder aus Hartz-IV-Familien hat der Deutsche Städte- und Gemeindebund sogenannte "Teilhabepakete" vorgeschlagen. Das sei "besser und zielführender" als die Erhöhung der Regelsätze, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der Neuen Osnabrücker Zeitung mit Blick auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Hartz-IV-Regelsätzen.

Eltern sollten über das Jobcenter für ihr Kind einen sogenannten Stadtausweis erhalten. Dieser sollte nach Angaben von Landsberg bestimmte kostenlose Standardleistungen beinhalten wie zum Beispiel die Mitgliedschaft in einem Sportverein, die Nutzung von öffentlichen Bibliotheken, einige Stunden in der Musikschule und den vergünstigten Eintritt für Schwimmbäder und Museen.

Zu dem vom Bund finanzierten Angebot solle auch ein Schulbedarfspaket mit Taschenrechner, Ersatzfüller sowie einigen Stunden Förderunterricht sowie das unentgeltliche Schulessen gehören, schlug Landsberg vor. Schon jetzt böten viele Städte auf freiwilliger Basis Kindern von Hartz-IV-Empfängern derartige Leistungen an.

Diese Angebote könnten durch die Teilhabepakete ausgeweitet und dauerhaft finanziert werden. Das bedeute - anders als beim reinen Gutschein-System - kaum Bürokratieaufwand und vermeide die Diskriminierung bedürftiger Kinder.

© sueddeutsche.de/dpa/AP/Reuters/AFP/jcb/hgn/mel

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