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Nach Schutz durch Bafin:Sind alle Leerverkäufer böse?

Nein, das Instrument, auf das Fallen eines Aktienkurses zu setzen, gibt es schon sehr lange. Es ist auch wichtig für das Funktionieren des Aktienmarkts. Professionelle Investoren nutzen Leerverkäufe zum Beispiel, um Positionen abzusichern, mit denen sie auf das Steigen einer Aktie setzen. Sie haben auch eine hygienische Funktion: Mit Leerverkäufen können Investoren zeigen, dass sie ein Unternehmen skeptisch sehen, ohne dessen Aktien vorher gekauft haben zu müssen. Es gibt nicht nur unseriöse Leerverkäufer, Odey etwa gilt als sehr seriöser Hedgefonds, der lange recherchiert, bevor er eine Aktie leerverkauft. Doch wie in vielen Bereichen gibt auch bei Leerverkäufen Betrug und Missbrauch: Das ist etwa dann der Fall, wenn ein Investor Unwahrheiten über ein Unternehmen veröffentlicht und vorher die Aktie leerverkauft hat. Dann handelt es sich um Marktmanipulation. Wenn jemand vorher erfährt, dass ein negativer Bericht kommt und auf die Aktie wettet, geht es um Insiderhandel. Die Bafin ermittelt im Fall von Wirecard auch in diese Richtung.

Warum kommt das Verbot gerade jetzt?

Die Entscheidung sei nicht plötzlich gefällt worden, heißt es bei der Bafin. Vielmehr beobachte man das Geschehen seit dem ersten Bericht der Financial Times Ende Januar. Zuletzt allerdings seien die Leerverkaufspositionen stark gewachsen. Wie stark, das wollte die Finanzaufsicht nicht kommentieren. Das Verbot von Leerverkäufen gilt zunächst bis zum 18. April, es kann aber vorzeitig aufgehoben oder verlängert werden.

Springt die Bafin damit Wirecard im Streit mit der Zeitung bei?

Die Finanzaufsicht widerspricht der Interpretation, dass man sich mit dem Verbot vor Wirecard stelle. Die Maßnahme beziehe überhaupt keine Position dazu, ob Wirecard oder die Financial Times recht hätten. Man habe auch keine neuen Erkenntnisse dazu, ob die Berichte der FT stimmen oder nicht. Das Verbot sei vielmehr eine Maßnahme, um den Markt zu schützen und das Vertrauen in den deutschen Aktienmarkt nicht weiter zu gefährden. Darüber hinaus läuft auch die Marktuntersuchung der Bafin weiter. Sie prüft, ob jemand bewusst falsche Gerüchte am Markt gestreut hat und so den Aktienkurs des Unternehmens manipuliert haben könnte. Wann die Untersuchung abgeschlossen ist, konnte die Finanzaufsicht noch nicht absehen.

Was macht Wirecard überhaupt?

Der Dax-Konzern ist ein Zahlungsdienstleister, wickelt also Zahlungen ab, insbesondere für Online-Händler. Kauft ein Kunde im Internet eine Hose, schaltet Wirecard sich zwischen den Händler und den Kunden und garantiert beiden, dass der Einkauf funktioniert. Dem Händler verspricht Wirecard das Geld und dem Kunden, dass die Ware ankommt. Wirecard trägt das Risiko, Händler zahlen ihnen daher einen Teil des Umsatzes. Das Unternehmen ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, vor allem in Asien. 2017 wickelte es weltweit Zahlungen im Wert von 95 Milliarden Euro ab und setzte damit 1,5 Milliarden Euro um.

Warum ist die Aktie von Wirecard so anfällig?

Wirecard arbeitet in einer schwer zu durchschauenden Branche. Das Unternehmen aus Aschheim bearbeitet Millionen von Zahlungen, teils auch in aufstrebenden Entwicklungsländern im asiatischen Raum. Es ist einfach, das Geschäftsmodell in bestimmten Teilen infrage zu stellen oder der Firma etwas zu unterstellen, da es extrem schwierig zu überprüfen ist, ob der Vorgang tatsächlich stattgefunden hat. Das haben Leerverkäufer schon mehrmals ausgenutzt und teils wilde Spekulationen in die Welt gesetzt. Die Aktionäre reagierten oft und ließen die Aktie teils um 40 Prozent schwanken.

© SZ.de/bbr/lüü
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